Roco 73056: ÖBB 4010

Der grandiose Erfolg der seit 1958 geführten Schnelltriebwagenverbindung „Transalpin“ brachte die ET 4130 rasch ein seine Kapazitätsgrenze. 1962 orderten die ÖBB zunächst drei sechsteilige Triebwagenzüge bei SGP, die zum Sommerfahrplanwechsel 1965 die modifizierten Nahverkehrstriebwagen ablösten. Auch der ET 4010 wurde Opfer seines eigenen Erfolges, sodass bis 1978 weitere 26 Garnituren beschafft wurden. Die Ausstattung orientierte sich an unterschiedliche Einsatzszenarien. Der Triebzug bestand aus einem Triebkopf, einem Voll- oder Halbspeisewagen sowie vier Wagen 1. und 2. Klasse sowohl in Großraum- als auch in Abteilausführung. Mehrere Garnituren wurden ab 1990 für den internationalen EC-Verkehr einer Hauptausbesserung unterzogen und erhielten dabei einen Neulack in Verkehrsrot/umbragrau. Die Garnituren erhielten erstmals Klimaanlagen, Vakuum-WC und Schwenkschiebetüren. Während die Triebwagen in ihrer Blütezeit nach Frankfurt/Main, Basel, Zürich und München fuhren, wurde ab 1996 mit der vorübergehenden Ausreihung der Speisewagen und Ausschreibung zum Verkauf sowie durch den untergeordneten Einsatz im innerösterreichischen Fernverkehr (Graz – Linz/Salzburg/Innsbruck) der unaufhaltsame Niedergang eingeläutet. Der fahrplanmäßige Einsatz endete mit 31. Dezember 2008, komplette Kassierung fand gleich darauf Ende Jänner statt. Mehrere Fahrzeuge wurden an einen Investor ins Ausland verkauft.


Modellvorstellung

Roco hat anläßlich seines 60jährigen Jubiläums eine Update-Version seines ET 4010 angekündigt und dabei verschiedene Überarbeiten vorgesehen. Als Vorbild wählte Roco eine Version aus, die sowohl für die Schweizer als auch die Österreicher ein besonderes Interesse hervorrufen, indem der klassische Transalpin Wien – Basel nachgebildet wurde. Das Modell des ET 4010 wird in drei verschiedenen Ausführungen angeboten. Neben der normalen Analogversion (73056) ist auch eine Digitalversion mit Loksound (73057) und die Dreileiter-Wechselstrom-Version mit Loksound (79057) erhältlich. Der UVP bewegt sich zwischen € 439,90 und € 504,90.

(Positive Anmerkung: An dieser Stelle sei einmal ein Preisvergleich zu anno dazumal gestattet: Das Grundset kostet ATS 3.990,– und das Ergänzungsset ATS 2.275,–. Wenn man es in Euro umrechnet, betrug der Gesamtpreis ca. € 458,–.)

Verpackung

Die Auslieferung des ET 4010 erfolgt in einer kunstvoll gestalteten Kartonverpackung, in welcher zwei Dreiersets eingeschoben sind. Bei den Sets handelt es sich um die ursprüngliche Verpackung wie vor 25 Jahren, indem in einer Packung der Triebkopf, der Steuerwagen und der Speisewagen abgelegt ist, im zweiten Set die drei Mittelwagen, welche in einem Blistereinsatz eingelegt sind. Die Modelle sind mittels schmaler Plastiksteifen umwickelt und darin eingeschoben. Die entsprechenden Zurüstbeutel sind in einer Seitentasse der Styroporverpackung abgelegt. Zum Lieferumfang gehört auch eine Betriebsanleitung und das Ersatzteilblatt.

Technik

Der sechsteilige Zug ist wie beim Vorbild motorisiert, indem die technischen Komponenten im Triebkopf untergebracht sind. Das Gehäuse ist wie bei Roco üblich auf dem Chassis aufgesteckt. Es läßt sich durch Auseinanderspreitzen abnehmen. Der Triebkopf ist das Herzstück des Zuges. Auf der sichtbaren Zentralplatine befindet sich nunmehr eine PluX22-Digital-Schnittstelle, welche durch die frühere achtpolige Version ersetzt wurde. Dieser Austausch ist ein Teilaspekt des Upgrades. Unter der Platine ist der fünfpolige Motor mit großer Schwungmasse im Zinkdruckrahmen eingelegt. Der Antrieb auf die vier Achsen erfolgt über den Kardanantrieb und via Stirnrad-/Schneckengetriebe. Die Stromabnahme erfolgt über alle Achsen, die Achsen 1 und 4 sind beidseitig mit Haftreifen bestückt.

Ein weiterer Decoder wurde im Steuerwagen eingebaut. Auch dieses Gehäuse läßt sich in gewohnter Manier abnehmen. Im Steuerwagen befindet sich eine Digital-Schnittstelle Next 18. Im Digitalbetrieb sind die Programmierhinweise laut der Betriebsanleitung zu beachten. Die Festlegung der Stromabnahme vom Triebkopf allein oder von beiden Fahrzeugköpfen wird über eines berücksichtigte DIP-Schalter festgelegt, welche sich im Triebkopf befinden. Die Werkseinstellung sieht die Stromaufnahme von Triebkopf und Steuerwagen vor.

Alle Fahrzeuge weisen eine elektrische Verbindung auf, die noch in altmodischer Art mit Leiterplatten erfolgt. Diese „elektrische Kupplung“ (in der Ausführung als zweipolige Zugsammelschiene) erweist sich nicht immer als benutzerfreundlich. Warum der Hersteller im Zuge seiner technischen Überarbeitung nicht auf aktuelle, gängige Verbindungsformen setzte, ist unklar. Dafür weisen alle Fahrzeuge eine Kurzkupplungskulisse mit NEM-Schacht auf.

Fahrverhalten

Der ET 4010 hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h aus. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 136 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 14 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 59 % zu niedrig.

Optik

Roco hat bei der Modellumsetzung die zweite Serie des Vorbildes realisiert, welche gegenüber dem Vorbild um 110 mm bzw. 1,26 mm im Modell kürzer ist, was sich auch in der Darstellung des unteren Schlußlichtes beim dritten Schweinwerfer widerspiegelt. Das Modell entspricht gänzlich dem Vorbild, wobei die Umsetzung der markanten Fahrzeugfront eine spezielle Herausforderung war. Das Modell ist mit zahlreichen Gravuren und Details versehen, indem der Wagenkasten die entsprechenden Kantenübergänge genauso aufweist wie auch die detailgetreue Nachbildung der Drehfalttüren gewährleistet ist. Aufwendige Detaillierungen und Gravuren finden sich am Dach, denn bei allen Fahrzeugen wurden die Abdeckungen der Dachöffnungen filigranst nachgebildet. Ein spezieller Blick sei auf das Dach des Triebkopfes gerichtet, indem Roco auf sein Modell Stromabnehmer mit unterschiedlichen Wippen nachbildete. Die Schutzverkleidung der Hochleistungs-E-Bremse ist weiterhin nur ein fein graviertes Plastikteil, auch hier hätte man ggf. auf ein schönes Ätzteil setzen können.

Der Hersteller hat es sich damals nicht nehmen lassen, den Wagenboden komplett nachzubilden, was zunächst eine gewisse Kritik auf den Preis der Modelle auslöste. Die Kritik mag damals vielleicht berechtigt gewesen sein, aber wenn man die spätere Entwicklung in der Modellumsetzung von neueren Fahrzeugen bei Mitbewerbern ansieht, ist dieser Schritt als richtig anzusehen. Sehr schön nachgebildet gelten die verbauten Drehgestelle. die eine hervorragend optische Tiefenwirkung aufweisen.

Farbgebung und Beschriftung

Es gab Zeiten, da hatte der Hersteller massive Probleme, was die Lackierung seiner Modelle betraf. Man erinnere sich nur an die ersten Modellausführungen der HG-Version, Aber auch diese Modellausführung weist durch das Vorhandensein der Zierlinien und Kontrastflächen an den Fahrzeugfronten Herausforderungen auf. Das gegenständliche Modell ist aber sauber lackiert und weist keinerlei Ausfransungen bei den Farbtrennkanten auf. Dies gilt auch für die Anschriften und alle sonstigen Bedruckungsschritte. Diese Aufdrucke sind unter der Lupe alle lesbar und gut deckend umgesetzt. Sogar die Farbanschriften der HW in der Kastenrundung sind sauber ausgeführt.

Der Triebwagen ist mit der Betriebsnummer 4010.04 angeschrieben. Als Heimatdienststelle ist die Zf. Wien-West ausgewiesen. Im Revisionsraster steht das Untersuchungsdatum REV F 24.06.68.

Beleuchtung

Die nächste Nachbesserung betrifft die Beleuchtung. Die Signalisierung erfolgt nun mittels LED. Das Spitzenlicht wird mit warmweißen LED dargestellt, das Schlußlicht mit roten. Eine Innenbeleuchtung ist nicht vorgesehen.


Bilder 73056/1

D4hET 4010.04 – Zf. Wien-West – REV F 24.06.68


Bilder 73056/2

BR4hTl 7310.04 – Zf. Wien-West – REV F 27.04.69


Bilder 73056/3

AD4hES 6010.04 – Zf. Wien-West – REV F 24.06.68

 


Bilder 73056/4

B4hTl 7010.104 – Zf. Wien-West – REV F 24.06.68


Bilder 73056/5

B4hTl 7110.104 – Zf. Wien-West – REV F 24.06.68


Bilder 73056/6

AB4hTl 7110.204 – Zf. Wien-West – REV F 24.06.68