Trix 22694 / 22691: Class 66 von Cargo Net / HGK

Der amerikanische Hersteller Electro-Motive Division (EMD) als Tochterfirma von General Motors (GM) produzierte 1985 erstmals eine preisgünstige Diesellok für den britischen Eisenbahnmarkt. Die erste Konstruktion brachte die Class 59 hervor, die als sechsachsige, dieselelektrische Maschine. Diese wurde als EMD-Typ JT26CW-SS bezeichnet und fiel durch ihr kantiges Design und ihrem 2.460 kW starken Dieselmotor des Typs GM 16-645E3C auf. Vom Lichtraumprofil her entsprache die Lok in ihren Umgrenzungsprofil dem kleineren britischen Lichtraumprofil. Als Basis für diese Konstruktion diente bei EMD die bekannte Diesellokkonstruktion des Typs SD40-2 in den USA, welche seit Jahrzehnten dort zuverlässig im Einsatz steht.

Die EMD hat aber die Konstruktion für britische Eisenbahngesellschaften überarbeitet und verbessert und ab Mitte der 1990 er Jahre als äußerlich weitgehend unveränderte Type mit einem 2.350 kW starken GM-Motor des Typs 12N-710G3B-EC als neue Class 66 modifiziert. Die Lok wurde beim Hersteller als Typ JT42CWR geführt ab und 1998 auf der Insel in Betrieb genommen. An den Dieselmotor ist ein Drehstromgenerator (Typ M AR8/CA6) angeschlossen, welcher die sechs Reihenschluß-Kollektormotoren mit Strom versorgt. Die Fahrmotoren sind in den Drehgestellen untergebracht. Pro Radsatz ist ein Tatzlagermotor verbaut, außerdem sind diese als radial einstellbare Endradsätze sowie seitenverschiebbare Mittelradsätze versehen. Die Diesellok verfügt über zwei Endführerstände, die über einen Seitengang im Maschinenraum miteinander verbunden sind. Weil die Loks ursprünglich nur für den Einsatz auf der britischen Insel vorgesehen waren, wurde die Anordnung der Fahrpulte auf der linken Seite vorgesehen. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 120 km/h bemessen und damit noch zeitgemäß.

Neue Abgasbestimmungen in der EU führten zu einer Überarbeitung der Antriebsanlage nach den dann gültigen Abgasnormen der EU-Stufe IIIa. Aus dem verbauten Aggregat des Typs JT42CWRM entstand ein optimierte, diesmals mit 2.420 kW Leistung starker Dieselmotor des Typs 12-710G3B-T2. Gleichzeitig wurde die Schallisolierung im Führerstand verbessert und eine optimalere Klimaanlage eingebaut. Außerdem wurde die Frontscheibe geteilt und größere Lüfterjalousien eingebaut.

Die class 66 wurde erstemals bei der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) eingesetzt, die heute unter dem Namen RheinCargo GmbH & Co KG (RCH) fimiert. Die Gesellschaftet mietete 1999 zunächst die Lokomotiven DE 61 und 62 an, welche sie dann 2000/01 wieder verkaufte. Zeitgleich wurden weitere Class 66 bei anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen in Frankreich, Belgien, Dänemark, den Niederlanden, Luxemburg, Norwegen, Polen und Schweden zum Einsatz. Außerhalb Europas kamen 41 Loks des Typs JT42CWRM nach Ägypten. Im Jahr 2016 wurde die Produktion dieser Großdiesellok eingestellt, insgesamt wurden 651 Fahrzeuge an europäische Kunden ausgeliefert, davon 436 Maschinen als JT42CWR und 215 Exemplare als JT42CWR(M/-T1). Viele der Class 66-Loks gelangten in das Eigentum von Leasing-Firmen wie der Porterbrook Leasing Company, Eversholt Rail, Beacon Rail Leasing oder Macquarie European Rail, welche die Loks an Dritte in zahlreichen europäischen Ländern vermieteten.


Modellvorstellung

Die class 66 zählt im Hause Märklin/Trix zu einen der Hauptneuheiten des diesjährigen Modellbahnjahres. Die Konstruktion wird im Erstjahr mit vier verschiedenen Ausführungen vertreten sein. Dazu zählen Modellausführungen von HGK, der Rotterdam Rail Feeding (RRF), der LINEAS Group und der CargoNet Group, die bei beiden Herstellern erhältlich sind. Stellvertretend für alle vier Loks wird die CargoNet-Maschine vorgestellt. Es dürfte auch das zuerst gelieferte Modell sein. Die Märklin-Version ist unter der Artikelnummer 39063 erhältlich, die vorliegende Trix-Ausführung wird unter der Artikelnummer 22694 geführt. Beide Modellausführungen werden jeweils zum UVP von € 435,– erhältlich.

Verpackung

Der Hersteller liefert seine Neukonstruktion in der bekannten Verpackungsform aus. Nach dem Abzug des Kartonschubers wird die stabile Kartonverpackung mit dem Plastikeinsatz zugänglich, in welchem das Modell im nochmaligen Plastikschuber mit zwei seitlichen Abdeckungen sicher für den Transport eingelegt ist. Aber Achtung auf die Plastikummantelung, denn diese nicht im gegenständlichen Fall nicht steif genug. Das Modell ist auf der Oberseite noch mit einem feinen Stofftuch belegt, darunter ist eine dünne Folie zu sehen. Die mitgelieferten Zurüstbeutel befindet sich in einer Mulde der Plastikummantelung. Ein Zurüstbeutel beinhaltet die üblichen Anbauteilen (Zughaken, Bremsschläuche) für die Pufferbrust. Im zweiten Säcken befinden sich modizierte Bahnräumer. Die Betriebsanleitung und die sonstigen Dokumente sind in der Kartonschachtel in einem seitlichen Schlitz eingeschoben und werden durch eine zusätzliche Kartonhülle umschlossen.

Technik

Die Antriebskomponenten dieser Neukonstruktion sind natürlich unterhalb des Lokkastens verstaut. Um an das Innenleben der Lok heranzukommen, hat die Konstruktionsabteilung einen genialen Weg beschritten. Das Dachmittelteil der Lok wird einseitig über zwei Magnetpunkt auf dem Metallgehäuse festgehalten, wobei das Dachteil an der Führerstandsseite 1 einen kleine Gehäuserführung aufweist. Diese Führungsleiste wird unter das Dach eingeführt. Durch das Abnahmen dieses Fahrzeugteiles wird der Blick auf die Zentralplatine freigegeben, zu sehen ist der eingesetzte Digitaldecoder, der Mittelmotor und auch das Abgasrohr für den Rauchgenerator. Die weitere Demontage des Metallgehäuses erfolgt über vier am Gehäuse ersichtliche Kreuzschrauben. Dadurch werden die weiteren Fahrzeugteile zugänglich, wie beispielsweise der noch verdeckte und am Decoder anschließend platzierte Lautsprecher, der seine Töne über das darüberliegende Lüftergitter nach draußen dringen läßt.

Das Antriebskonzept besteht wiederum aktuellen Konstruktionsmaßstäben. Der Mittelmotor treibt über lange Kardanwellen und dem Zahnrad-/Schneckengetriebe die Außenachsen der dreiachsigen Drehgestelle an, womit die Achsen 2 und 5 – also beide Mittelachsen im Drehgestell – jeweils als Laufachsen ausgebildet sind. Obwohl das Modell durch das Metallgehäuse schon ein entsprechend hohes Eigengewicht auf die Schiene bringt, sind zur Verbesserung der Adhäsion die beiden Innenachsen der Drehgestelle beidseitig mit Haftreifen versehen.

Die Zentralplatine befindet sich – wie schon ausgeführt – über dem Motorblock und ist auf dem Metallchassis montiert. Die Digitalschnittstelle ist über das abzunehmende Dachteil frei zugänglich und befindet sich auf der Fahrzeugseite 2 mittig. Der Hersteller hat dabei eine MTC-21-Schnittstelle berücksichtigt. Der eingesetzte Digitaldecoder ist für den Betrieb auf die Datenformate DCC- und mfx ausgelegt. Die Neukonstruktion ist beidseitig mit Kurzkupplungskulissen nach NEM 362 ausgestattet.

Fahrverhalten

Die Metallkonstruktion bringt ein sehr hohes Eigengewicht von 649 Gramm auf die Wage. Das Vorbild weist eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h aus. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 58 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 52 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 82 % zu niedrig. Diese gravierende Geschwindigkeitsabweichung ist vermutlich infolge der Werkseinstellungen beim Decoder zurückzuführen.

Optik

Ein erster Abgleich mit Vorbildfotos zeigt ein korrekt umgesetztes Modell, welches alle markanten Fahrzeugdetails aufweist bzw. berücksichtigt. Die markante Fahrzeugsilhouette wurde bis auf Kleinigkeiten korrekt wiedergegeben. Die auf Bildern erkennbare, dezente Regenrinne an der unteren Dachrundung ist wiedergeben, allerdings fehlt beim oberen Spitzenlicht eine zusätzliche Konsolle. Der langgezogene Fahrzeugkasten weist alle konstruktiven Besonderheiten auf, auch die Nachbildung des Daches ist korrekt. Feine und tiefe Gravuren sind bei den Maschinenraumtüren, an den Seitenwänden (Sicken und Lüftergitter) sowie am Dach feststellbar. Weniger gut sichtbar, aber korrekt umgesetzt wurden die unterhalb des Lokkasten befindlichen Anbauteile. Unklar ist die korrekte Ausführung des gesickten Seitenteiles und was unter dem Katalog-Hinweis (Umsetzung als Rendering) zu verstehen ist. Am Modell sind 16 Längssicken vorhanden, auf einem Vorbildfoto waren es 17. Beim Modell befindet sich die letzte Sicke schon im Übergang zum Dachaufsatz. Die seitlichen Lüftereinsätze sind wiederum korrekt umgesetzt, wiewohl diese auf beiden Fahrzeugseiten unterschiedlich ausgeführt sind. Allerdings dürfte die Maschinenraumtüre im geknickten Teil beim Vorbild nicht in der selben Fluchtlinie ausgeführt sein wie beim Vorbild, weshalb die darüber befindliche Regenrinne sehr flach wirkt.

Am Dachaufsatz finden sich ebenfalls feine Gravuren und Nachbildungen einzelner Gehäuseteile. Sehr schön, ja schon fabelhaft ausgeführt sind die Lüftergitter am Dach, aber auch die sonstigen Dachaufsätze wie das nach oben hinausragende Aggregat aus dem Maschinenraum. Sämtliche Dachverkleidungen sind detailreich umgesetzt und fein graviert, sogar die Scharniere wurden nachgebildet. Verschiedene Antennen, Typhone und die Klimageräte stellen erhabene und vermutlich auch extra angesteckte Teile dar. Extra angesteckt wurden auch die Frontumläufe, aber auch alle Griffstangen bei den Maschinenraumtüren und den Aufstiegen.

Die Drehgestellblenden sind aus Kunststoff gefertigt und gegeben die markante Bauform wieder, wobei an diesem Bauteil ebenfalls viele Detaillierungen erkennbar sind. Allerdings wirkt dieses Bauteil etwas plastikhaft. Am Fahrzeugrahmen sind, wie schon oben erörtert, verschiedene Leitungen und Fahrzeugteile angesetzt. Die Sandstreurohre führen zur Radlauffläche der Achsen, verharren aber bei Kurvenfahrt in der konstruktiven Position. Der Mitteltank ist wiederum aus Metall gefertigt. Der benachbarte Aggregatekasten ist zweigeteilt und unterflurig festgeschraubt, mit entsprechenden Gravuren versehen und bedruckt. Die Ecktritttrittbretter sind gelb lackiert und starr an der Pufferbrust eingesetzt.

Farbgebung und Beschriftung

Das Modell der class 66 weist eine tadellose Lackierung und Bedruckung auf, die dem Vorbild entspricht. Auch die Farbaufteilung beim vorliegenden Modell ist korrekt. Das Modell ist mit der Betriebsnummer 66404 bedruckt. Die Anschriften sind gut deckend aufgetragen, wobei nur technische Angaben wie Eigengewicht, Bremsgewichte, LüP und Achsstand abgebildet sind. Angaben zu Revisionsdaten und Beheimatungen sind keine vorhanden.

Beleuchtung

Die Neukonstruktion ist mit wartungsarmen und warmweiße LED bestückt. Das Spitzenlicht ist dreifach belegt, das Schlußlicht zweifach. Der Wechsel erfolgt Fahrtrichtungsabhängig. Der Digitalbetrieb offeriert weitere Lichtspiele und umfaßt die Führerstandsbeleuchtung, die Beleuchtung des Steuerpultes, das Fernlicht, besondere Lichtfunktionen im Zusammenhang mit dem Rangierbetrieb oder ein Blinklicht.


Bilder


Modellvorstellung 22691 – HGK

Die Class 66 kam in Deutschlang bei HGK zum Einsatz, welche diese im Güterverkehr im Ruhrgebiet einsetzte. Märklin/Trix wählte auch dieses Vorbild zur Modellumsetzung, indem das Gleichstrom-Modell wie gewohnt bei Trix erhältlich ist, das Wechselstromfahrzeug wiederum bei Märklin (Artikelnummer 39060). Das Modell entspricht den oben genannten Ausführungen samt aller technischen Möglichkeiten, optische Änderungen wurden soweit vorgenommen, als diese beim Vorbild existieren. Der UVP liegt wiederum bei € 435,–, wobei erwähnt werden muß, daß das Modell über einen serienmäßig eingebauten Rauchgenerator für den dynamischen Rauchausstoß eingebaut hat. Gegenüber der oben vorgestellten Variante der Class 66 verfügt das Modell über verschiedene Anschriften. Die Betriebsanschriften bestehen aus der Loknummer 92 80 1266 069-4, der Halterkennung D-HGK sowie den Revisionsanschriften Unt. 113 30.11.11. Zusätzlich die die Betriebsnummer noch verkürzt dargestellt mit DE 669 oder die EBA-Kennung OOL13C669. Die Lackierung mit dem aufwendigen Muster an der Seitenwand weist trennscharfe Farbtrennkanten auf, ebenso lupenrein aufgetragen sind die Anschriften.