Piko 94161: SBB-Pendelgarnitur RBe 4/4 + Bt

Die SBB beschaffte im Jahr 1959 die ersten sechs Triebwagen für den Regionalverkehr am Gotthard. Die neuen Triebwagen wiesen derartige Leistungsreserven auf, daß sich diese auch nach ihrer Ablieferung im Schnellzugsverkehr im Flachland bestens eigneten. Die sogleich eingebaute Vielfachsteuerung gestattete von Beginn an einen Betrieb mit Steuerwagen. Zwischen 1963 und 1966 erfolgte die Serienlieferung weiterer 76 Fahrzeuge als RBe 1407 – 1482. Im gleichen Zeitraum wurden auch jeweils EW I und EW II-Steuerwagen zur Bildung von schweren Pendelzügen (schweizerische Bezeichnung für Wendezuggarnitur) ausgeliefert. Die Fahrzeuge waren im grünen Farbton der SBB lackiert. Eerst nachdem ausreichende Lokomotiven der Type Re 4/4 II zur Verfügung standen, versahen die Triebwagen ihren Dienst im zugedachten Einsatzspektrum Nahverkehr, weshalb hierzu weitere EW II-Steuerwagen beschafft wurden. Die 74 noch vorhandenen Serientriebwagen wurden ab 1992 modernisiert und für den S-Bahn-Verkehr adaptiert. Ende 2014 endete der Einsatz dieser Fahrzeuge, geblieben sind mehrere Nostalgiefahrzeuge.


Modellvorstellung

Die Neukonstruktion des RBe 4/4 geht zunächst auf den Schweizer Generalimporteur von Piko zurück. Im aktuellen Neuheitenblatt findet sich dieses Zweierset mit einem RBe 4/4 in Seetal-Ausführung und einem dazupassenden Steuerwagen der Gattung BDt mit fronter Fahrzeugfront. Beide Modelle entsprechen dem Erscheinungsbild der Epoche IV und sind nur als Set erhältlich. Der Zug ohne Loksound ist unter der Artikelnummer 94161 zum UVP von € 379,99 zu erhalten, die Ausführung mit Loksound (Artikelnummer 94163) kostet UVP € 489,99. (Die Preisangaben beruhen anhand der Angaben in den Neuheitensprospekten und Katalogen, Corona-bedingt sind die Artikel infolge der temporären MwSt.-Senkung auch günstiger zu bekommen.)

Verpackung

Beide Fahrzeuge sind einzeln in Blisterboxen verpackt und sind in einer Kartonumverpackung abgelegt. Die Modelle sind nach Abzug des jeweiligen Oberteiles und dem Wegklappen des Schutzdeckel aus der paßgenauen Plastikeinlage entnehmbar. Unter dem Plastikeinsatz der Fahrzeuge befindet sich die Bedienungsanleitung. Beim Steuerwagen ist zusätzlich ein Zurüstbeutel mit verschiedenen Anbauteilen wie Leitern, Frontschürze und Kupplungen abgelegt.

Technik

Die Antriebstechnik ist im Triebwagen untergebracht und befindet sich im Lokgehäuse. Das Lokgehäuse ist an der Unterseite über zwei Schrauben befestigt. Nach dem Lösen dieser und dem Abziehen der vier Puffer ist das Kunststoffgehäuse nach oben abziehbar. Die Zentralplatine befindet sich über dem Fahrgastraum und wird durch die Dachpartie verdeckt. Auf der Zentralplatine ist eine Digital-Schnittstelle Next18 untergebracht.

Die Antriebskomponenten sind in der Bodenwanne des Fahrzeuges versteckt, die durch die vorbildgerecht umgesetzte Inneneinrichtung kaschiert wird. Ein Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen treibt über beidseitige Kardanwellen und Wellenstummel die vier Achsen an. Die Achsen 2 und 3 sind einseitig versetzt mit Haftreifen bestückt. Die Neukonstruktion ist mit einer Kurzkupplungskulisse versehen, diese schwenkt gemeinsam mit einem Teil der unteren Fahrzeugschürze seitlich aus.

Der Steuerwagen ist antriebslos. Das Öffenen dieses Modells erfolgt auf ähnliche Weise wie beim Triebwagen. Es müssen zuerst die Puffer der Steuerfront abgezogen werden, nach anschließendem seitlichen Auseinanderspreitzen der Seitenwände ist das Gehäuseteil nach oben abziehbar. Die Zentralplatine dient der Beleuchtung des Fahrzeuges und ist wiederum in Dachhöhe situiert.

Fahreigenschaften

Das Gewicht der „Pendelkomposition“ ist zweigeteilt zu betrachten. Der Triebwagen wiegt 102 Gramm, der Steuerwagen bringt lediglich 34 Gramm auf die Waage. Das Modell war für einen Testeinsatz auf dem Gleisoval mit dem kleinsten Radius (Raduis 192 mm) des „piccolo“-Gleissystems von Fleischmann „überfordert“. Piko gibt in seiner Produktbeschreibung an, daß das Modell einen Mindestradius von 225 mm erfordert, um es problemlos einsetzen zu können.

Da der Triebwagen in den Kurven ständig entgleiste, wurde der Versuch zur Erhebung der Geschwindigkeit abgebrochen. Das Modell weist aber ein ordentliches Fahrverhalten auf und ist (gefühlsmäßig) langsamer als die Neukonstruktion der NS 1100 (Artikelnummer 40370).

Optik

Der Blick auf die Kunststoffgehäuse zeigt feine Gravuren u. a. im Frontbereich, bei den Seitentüren, am Fahrzeugrahmen, aber auch an den Seitenwänden in der Fahrzeugmitte. Feine Gravuren weisen die Lüftereinsätze auf. Die Führerstandsfenster sind mit dünnen Fensterstege und Gummifassungen versehen, die Seitenfenster sind als Fallfenster ausgeführt, weisen aber Punktierungen für die Fenstergriffe hin. Verschiedene Anbauteile wie Frontumläufe und Griffstangen sind als eigene Anbauteile in die Fahrzeugform eingesetzt. Gleiches gilt auch für die Trittstufen im Türbereich.

Das Dach des Triebwagens ist einseitig mit einem Stromabnehmer und der Hochspannungsanlage bestückt. Das gesickte Dach weist Erhöhungen und verschiedene Konsolen auf, bei ersterer sind die Dachwiderstände untergebracht, erkennbar an den feinen Ätzteilen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Steuerwagen, der an der hinteren Fahrzeugseite einen Übergang aufweist. Die Modellausführung des Führerstandes ist mit jener des Triebwagens ident. Griffstangen und Scheibenwischer sind als eigene Anbauteile ausgeführt, ebenso auch das Umlageblech für den Wagenübergang. Das Dach ist ebenfalls gesickt ausgeführt und fällt durch den einen Dachlüfter, den mittleren Seitenlüfter und der Fahrzeugantenne mit Lokpfeife auf.

Die Wagenböden beider Fahrzeuge sind vorbildgerecht umgesetzt. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet.

Farbgebung und Beschriftung

Die Fahrzeuge sind im klassischen Erscheinungsbild der SBB gehalten, indem die Gehäuseteile schon bei der Produktion entsprechend eingefärbt wurden. Die weiteren optischen Besonderheiten an den einzelnen Fahrzeugpartien sind lackiert aufgetragen. Der Triebwagen weist rückseitig (Stromabnehmerseite) eine rote Fahrzeugfront auf, die andere Fahrzeugseite ist mit der besonderen Warnlackierung in den Farben Gelb und Orange für die Seetallinie versehen, wo besonders viele Unfälle an den Eisenbahnkreuzungen zu verzeichnen waren. Der Steuerwagen ist nur mit einer roten Fahrzeugfront versehen. Die Türen sind bekanntermaßen im Farbton Gold gehalten.

Der Triebwagen weist die Betriebsnummer RBe 4/4 1403 auf, womit der Triebwagen zu den Vorserienfahrzeugen gehört. Es ist in Luzern beheimatet und im Revisionsraster stehen die Angaben REV2 Zü 20.04.89.

Am Steuerwagen sind folgende Fahrzeuganschriften lesbar, und zwar die Gattungsbezeichnung BDt und die Wagennummer 50 85 82-33 916-6. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV2 Zü 11.10.90.

Beide Modelle sind sauber lackiert und bedruckt. Die Anschriften sind lupenrein lesbar und trennscharf ausgeführt.

Beleuchtung

Die SBB-Garnitur ist mit LED versehen, die fahrtrichtungsabhängig leuchten. Das Spitzenbeleuchtung bzw. das Schlußlicht wird nach Schweizer Normen dargestellt. Beide Fahrzeuge sind mit einer Innenbeleuchtung ausgestattet.


Bilder 94161/1


Bilder 94161/2