Roco 70372 / 74240 / 70378: CSD-Baureihe M152 und CSD Blm (vulgo „Brotdose“) / CD-Reihe 810

Die Tschechoslowakischen Staatsbahnen beschafften für den Regionalverkehr zweiachsige Dieseltriebwagen der Reihe M 152.0 (ab 1988: Reihe 810). Im Oktober 1973 wurde der von der Firma Vagonka Tatra in Studénka gebaute Prototyp M 151 0001 auf der Weltausstellung der Eisenbahntechnik in Basel vorgestellt. In sieben Bauserien wurden ab 1975 insgesamt 680 Fahrzeuge für die CSD gebaut. Dazu passend wurden Beiwagen vom Typ Blm (spätere Bezeichnungen Baafx, Btax, BDtax, Bdtax usw.) geliefert, welche in Aufbau und Aussehen den Triebwagen ähnlich sind. Zwei Beiwagen konnten jedem Triebwagen beigegeben werden. Aufgrund der eckigen Aufbauten erhielten die Triebwagen von Eisenbahnfreunden den Spitznamen „Brotbüchse“, aber auch die tschechischen Kosenamen „Orchestron“ oder „Kúfr“ (= „Koffer“).

Der Triebwagen ist eine Leichtbaukonstruktion. Am Ende jedes Wagenkastens befindet sich ein vom Führerstand abgetrennter Einstiegsraum, der auf beiden Seiten pneumatisch schließbare Schiebetüren bzw. im Fahrgastraum Klappfenster besitzt. Das Fahrgastabteil ist mit 56 Sitzplätzen in der Anordnung 3+2 mit Mittelgang ausgestattet. Zusätzlich ist Platz für etwa 40 Stehplätze. In jedem Endführerstand befinden sich das Fahrerpult mit den Instrumenten zur Bedienung der Maschinenanlage, das Führerbremsventil, ein Geschwindigkeitsmesser und eine Sicherheitsfahrschaltung. Große Frontscheiben mit Scheibenheizung, Scheibenwischern und Sonnenschutzblende ermöglichen eine gute Beobachtung der Strecke.

Die Triebwagen erhielten keine Vielfachsteuerung, passende Steuerwagen existieren nicht, weshalb die fast baugleichen Beiwagen ständig umfahren werden mußten. Bei mehrteiligen Einheiten muss deshalb jeder Triebwagen mit einem Triebfahrzeugführer besetzt sein. An den Endbahnhöfen müssen die Fahrzeuge stets an die jeweilige Zugspitze umgesetzt werden.

Nach dem 1. Januar 1993, der Teilung der Tschechoslowakei in die Nachfolgestaaten Tschechien und Slowakei, wurden die Fahrzeuge auf die neugegründeten Staatsbahnen CD und ŽSR aufgeteilt. Heute gehören die Fahrzeuge in Tschechien zur Ceské dráhy (CD), in der Slowakei zum Bestand des Nachfolge-Unternehmens Železnicná spolocnost Slovensko (ŽSSK). Mittlerweile sind einige Triebwagen sowie Beiwagen bei privaten Einstellern in Tschechien und Polen im Einsatz.


Modellvorstellung

Die Modellumsetzung hat sich schon im Vorjahr aus entsprechenden Meldungen im Nachbarland Tschechien angekündigt, fix angekündigt wurde die Neukonstruktion dieser Dieseltriebwagen der CSD sodann im Neuheitenprospekt 2020. Die Ankündigung eines tschechischen Vorbildes stellt natürlich für diese Länder ein starkes Signal dar und zeigt wohl auf, daß auch in diesen Ländern mit Alltagsfahrzeugen wichtige Lücken geschlossen werden. An dieser Stelle bleibt nur zu hoffen, daß der Hersteller nicht nur Lust an der Modellumsetzung von Triebfahrzeugen aller Art gefunden hat, sondern sich auch künftig im Bereich der Güterwagen sein Engagement vertieft.

Roco hat von dieser Triebwagenbauart M 152.0 nicht nur die CSD-Varianten angekündigt, sondern auch schon Varianten als Reihe 810 der ZSSK im „Blonski-Design“ (Artikelnummern 70382/70383/78383), in den Winterneuheiten 2020/21 ist eine Ausführung als CD-Triebwagen 810 472-1 in der Najbrt-Lackierung (Artikelnummer 70378 (ohne)/70379 (mit Sound)) angekündigt. Beim vorliegenden Modell wurde im Rahmen der Winterneuheiten zu Jahresende eine Zweitauflage bekanntgegeben. Beim vorliegenden Modell handelt des sich um die Epoche III-Ausführung des M 152 der CSD. Roco liefert den Dieseltriebwagen mit einem Beiwagen aus. Die Modellausführung ohne Loksound ist unter der Artikelnummer 70372 zum UVP von € 239,90 erhältlich, die Modellausführung mit Loksound wird unter der Artikelnummer 70373 geführt und kostet € 364,90 UVP. Darüber hinaus werden noch einzelne Beiwagen (siehe Artikelnummer 74240) zum UVP von € 89,90 angeboten. Für die gegenständliche Modellvorstellung steht das Set 70372A (Erstauflage) und der Ergänzungswagen 74240 zur Verfügung.

Verpackung

Die Auslieferung der Neukonstruktion erfolgt in der zweifachen Kartonverpackung mit Schaumstoffeinsatz. Beide Modelle sind mit einem gemeinsamen Plastikgleis und einer gemeinsamen Schutzhaube in den Schaumstoff eingelegt. Nachdem zwischen der Schutzhaube und dem Modell jeweils dünne Schaumstoffstreifen eingelegt sind, besteht keine Gefahr, daß eines der beiden Modelle herausfällt. Die Entnahme aus der Schutzhaube kann daher beliebig erfolgen. Zum Lieferumfang gehören noch eine Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt, ein Zurüstbeutel für den Triebwagen, in welchem auch die Schwalbenschwanzkupplungen beiliegen, und ein eigener Zurüstbeutel mit den Ausstattungsgegenständen für die Pufferbrust sowie vier Ätzschildersätze. Zwei sind mit Zuglaufschildern versehen, einer beinhaltet Schildersätze mit Betriebsnummern, Eigentumsschilder udgl für den Motorwagen, der vierte enthält die Schilder für den Beiwagen. Das Anbringen dieser beigepackten Schilder sei aber aufgrund der kleinen Dimensionen nur geübten Modellbahnern angeraten. Ein beigelegtes Infoblatt gibt Auskunft über die genaue Position dieser Ätzteile. Die Zuglaufschilder weisen die Relatationen „Svitavy – Policka“, „Policka – Svitavy“ und „Ceska Trebova – Chornice“ auf.

Technik

Die vorliegende Neukonstruktion weist einen freien Durchblick in den Fahrgastraum und in die Führerstände auf, weshalb sämtliche technische Komponenten zwischen Chassis und Fahrgastraumnachbildung untergebracht sind. Das Abnahmen des Gehäuses basiert diesmal auf einem anderen Prinzip. Zuerst sind die vier Puffer herauszuziehen, dann läßt sich das Gehäuse durch leichtes Spreitzen nach oben abziehen. Selbiges gilt auch für die Beiwagen.

Über dem Fahrgastraum befindet in Deckenhöhe eine Platine, die mit einer Leiterbahn beim WC-Fenster mit dem unteren technischen Komponenten im Chassis verbunden ist. Im Bereich des WC-Fensters ist auf Fußbodenhöhe die Digitalschnittstelle untergebracht. Roco hat dafür eine PluX16-Schnittstelle vorgesehen. Die Dippschalter für die analoge Umschaltung der Beleuchtung sind unter einer angeschraubten Verkleidung am Wagenboden versteckt.

Die Deckenplatine ist in das Verkleidungsteil des Innenraumes eingesteckt, letztgenanntes Bauteil ist über sechs Rastnasen im Chassis des Modells eingeklipst. Es folgt dann eine angeschraubte Bodenplatte. Darunter ist der Mittelmotor mit Kardanantreib in die Bodenwanne eingesetzt. Beide Einzelachsen sind angetrieben. Die Zugänglichkeit der Einzelachsen wird über die Demontage der Achsblenden über die Unterseite des Modells ermöglicht. Die Achsblende bzw. Drehgestellblende ist mittels zweier Schrauben befestigt. Der Triebwagen kommt ohne Haftreifen aus. Beide Fahrzeuge sind mit einer Kurzkupplungskulisse ausgestattet.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht des Triebwagens beträgt 225 Gramm, der Beiwagen bringt es auf 72 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 80 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 75 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. sechs % zu niedrig, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie sogar um ca. 36 % zu niedrig.

Optik

Die ausgelieferte Neukonstruktion wird besonders detailverliebte Modellbahner sehr erfreuen. Roco liefert wiederum ein sehr detailgetreues Modell aus und zeigt offenbar, was konstruktionsbedingt alles möglich ist. Die Grundporportionen werden bei dieser Neukonstruktion eingehalten, bei der Neukonstruktionen wurden alle Details nachgebildet. Der Blick auf die Seitenwand zeigt feine Gravuren im Bereich des Wagenbodens und im Türbereich, wo die seitlichen Griffstangen eingesetzt sind und die Türmulden der Griffe detailgetreu nachgebildet wurden.

Auch die Stirnfront weiß zu überzeugen, indem die Nachbildung der Scheinwerferkonsolen ebenso gut gelungen ist wie Rahmenausnehmung zwischen den Puffern. Die frontseitige Griffstange in in den Wagenkasten eingesetzt, ebenso auch die beiden Scheibenwischer. Feine Gravuren sind unter- und oberhalb der beiden Frontscheiben ersichtlich, sehr gut gelungen ist das ovale Frontlicht in Dachhöhe. Das Dach ist mit länglichen Sicken und Dachlüftern versehen, an einem Fahrzeugende steht eine filigran ausgeführte Antenne empor. Dieses Teil scheint es wohl nicht als einzelnes Ersatzteil zu geben.

Eine Augenweide ist aber das Fahrwerk des Triebwagens, bei dem die Konstrukteure von Roco ihr wahres Können unter Beweis gestellt haben. Alle angebauten Aggregate am Wagenboden sind hervorragend nachgebildet und weisen zahlreiche Gravuren und Detaillierungen auf. Die Drehgestellblenden weisen eine hervorragende Tiefenopftik auf. Bei den Drehgestellblenden ist alles nachgebildet, was das Vorbild zu bieten hat.

Farbgebung und Beschriftung

Der Triebwagen und sein Beiwagen sind zweifarbig lackiert, wobei beim genauen Hinsehen eine unschöne Farbtrennkante beim Lackieren entstanden ist. Die Ausfransungen betreffen die gesamte Fahrzeuglänge. Beide Modelle sind in der Ursprungslackierung gehalten und noch mit den alten Betriebsnummern beschriftet. Der Triebwagen erhielt die Betriebsnummer M 152.0059, der mitgelieferte Beiwagen die Wagennummer 70 54 24-29 093-4 und die Gattungsbezeichnung Blm. Beide Fahrzeuge sind als CSD angeschrieben. Sämtliche Anschriften wurden im Digitaldruck aufgebracht. Am Triebwagen ist keine Heimatdienststelle ersichtlich, dafür aber die Garantiefristen für den Fahrzeuglack, die mit 10.09.78 angegeben werden. Beim Beiwagen sind weiterführende Fahrzeuganschriften zu entnehmen, indem dieser der Heimatdienststelle Pardubice zugewiesen ist. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV ST 10.09.78.

Die Modelle der angekündigten Zweitauflage tragen die Betriebsnummern M 152.0047 und Blm 70 54 24-29 075-1 und sind bereits im hiesigen Ersatzteilblatt angeführt.

Beleuchtung

Der CSD M152 und der CSD Blm erhielt eine LED-Beleuchtung. Der Lichtwechsel erfolgt fahrrichtungsabhängig weiß/rot. Der Triebwagen ist bereits serienmäßig mit einer Innenbeleuchtung versehen.


Bilder 70372A/1 – CSD M152.0059


Bilder 70372A/2 – Blm 70 54 24-29 093-4


Bilder 74240 – CSD Blm 70 54 24-29 083-6

Der Ergänzungswagen wurde gut eine Woche vor dem CSD-Triebwagen ausgeliefert und wird zum UVP von € 89,90 angeboten. Der verlautbarte Einzelpreis ist im Vergleich zu anderen Modellkonstruktionen durchaus heftig, doch beim genauen Betrachten der Wagenform erhält der Modellbahner schon ein sehr schön detailliertes Modell auf die Anlage. Die konstruktiven Ausführungen zum Wagenkasten schließen sich daher nahtlos zum Triebwagen an, wiewohl dieser auf der Seitenwand ein zusätzliches Lüftergitter aufweist. Die Fenstereinsätze weisen eine schwarze Umrandung für die Gummidichtungen auf und sitzen paßgenau. Die Fensterstege sind filigran ausgeführt, zudem sind verstärkte Stegausführungen bei den Klappfenstern ersichtlich. Alle Seitenfenster weisen eine innenliegende Bedruckung auf. Die Lackierung könnte auch bei diesem Fahrzeug besser sein, die Ausfransungen sind unverkennbar. Im Unterschied zum zweiteiligen Set wird der Ergänzungswagen in der üblichen Roco-Blisterbox ausgeliefert, der eine Betriebsanleitung, ein allgemeiner Zurüstbeutel sowie zwei Ätzschildersätze beiliegen (siehe oben). Die Zuglaufschilder weisen folgende Zugläufe auf: „Kolin – Ledecko“, „Ledecko – Kolin“ und „Cercany – Ledecko“. Die Wagenbauform basiert im Wesentlichen an der Konstruktion des Triebwagens, allerdings sind verschiedene Unterschiede im Drehgestellbereich und am Wagenboden erkennbar. Auch bei diesem Modell wurden alle Details entsprechend detailgetreu nachgebildet.


Modellvorstellung 70378 – CD 810 472-1

Roco hat letztes Jahr eine Vielzahl an Modellvarianten des Tschechien und der Slowakei vielfach vertretenden Nebenbahntriebwagens angekündigt. Dazu zählte auch eine aktuelle Ausführung als Baureihe 810 in aktueller Farbgebung, also im Najbrt-Design. Angekündigt war das Fahrzeug in den Winterneuheiten 2020/2021, und zwar als Gleichstromversion (siehe Artikelnummer in der Überschrift) bzw. als Soundfahrzeug mit der Artikelnummer 70379. Der UVP der Modelle beträgt € 239,90 bzw. € 364,90. Zum Lieferumfang des Modells gehören drei Zurüstbeutel. Zwei enthalten die üblichen Teile zum vollständigen Bestückung der Pufferbrust oder der Kupplungsverbindungen. Im dritten Zurüstbeutel ist ein lackierter Ätzschildersatz beigelegt.

Ein Vergleich mit dem obigen Fahrzeugen zeigt, daß bei dieser Modellvariante die Seitenfenster bedruckt sind und auch weitere Aufdrucke an den Unterflurkästen feststellbar sind. Die Lackierung ist bei dieser Modellvariante diesmal besser getroffen, indem keine Ausfransungen bei den Farbtrennkanten erkennbar sind. Auffallend sind vor allem die vielen Aufdrucke bzw. Hinweisschilder an den Fahrzeugtypen. Sämtliche Anschriften sind Digitaldruckverfahren aufgetragen, womit größere Anschriften zwar gut lesbar sind, kleinere hingegen verschwommen wahrgenommen werden.


Bilder 70378/1

Der Motorwagen ist mit den vollständigen Fahrzeuganschriften CZ-CD 95 54 5 810 472-1 angeschrieben und gehört zum DKV Prag. Auffallend ist das aufgedruckte S-Bahn-Logo am Triebwagen. Die Revisionsanschriften sind nicht leserlich abgedruckt.


Bilder 70378/2

Der Beiwagen gehört der Fahrzeuggattung BDtax 782 an und ist mit der Fahrzeugnummer 50 54 93-29 047-0 versehen, das Halterkürzel lautet wiederum auf CZ-CD. Das Fahrzeug gibt als Heimatdienststelle Cercany an. Besser lesbar sind jedoch die Revisionsanschriften, die mit 2 REV Nk 23.03.15 angegeben werden.