Roco 72124: ÖBB-Reihe 38

Die österreichische Südbahngesellschaft hat ab 1910 diese Dampfloktype für die immer schwerer werdenden Schnellzüge auf der Hauptstrecke von Wien nach Triest beschafft. Die Beschaffung erfolgte von 1909 bis 1914 mit 44 Lokomotiven, die von der Lokfabrik StEG in Wien, der Lokomotivfabrik Wiener Neustadt und der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf geliefert wurden. 1923 wurde die Südbahn-Gesellschaft aufgelöst und verstaatlicht. 17 Maschinen verblieben bei den Bundesbahnen Österreich (BBÖ), die unter der Reihe 209 eingegliedert wurden. Alle BBÖ-Loks kamen 1938 zur Deutschen Reichsbahn und wurden dort als Baureihe 38.41 geführt, die mit gleicher Nummer nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges bei den ÖStB bzw. ÖBB verblieben. Die anderen 27 Lokomotiven sind nach 1923 bei den Nachfolgebahnen der Südbahn verblieben, so auch in Italien, Jugoslawien und Ungarn.

Die ÖBB hat elf Maschinen ins neue Nummernschema von 1953 aufgenommen, die fortan als Reihe 38 geführt wurden. Einige Lokomotiven der Reihe 38 sind mit einem Giesl-Ejektor und Siederohr-Drosselung ausgerüstet worden, was einen sparsameren Kohleverbrauch und eine höhere Leistung zur Folge hatte. Die letzten 38er sind 1968 bei den ÖBB ausgeschieden. Einigen Maschinen fanden eine Weiterverwendung als Vorheizanlage. Erhalten geblieben ist die 38.4101, die zum Technischen Museum in Wien gelangte. Die Lok wurde 1992 wieder aufgearbeitet und ist seither mit ihrer alten Südbahn-Beschriftung als 109.13 im Einsatz. Die Museumslok steht heute im Heizhaus Straßhof und wird vom 1. Österreichischen Straßenbahn- und Eisenbahn-Klub betreut.


Modellvorstellung

Roco hat anläßlich des Jubiläums 175 Jahre Eisenbahn in Österreich diese Südbahn-Maschine als Neukonstruktion ins Programm aufgenommen und dabei nicht nur eine ÖBB-Variante, sondern auch die MAV-Version sowie auch Reichsbahn-Ausführungen angekündigt.

Im Neuheitenprogramm 2019 ist eine Modellausführung der ÖBB vorgesehen. Zwei Ausführungen sind angekündigt. Roco bringt daher ein Modell ohne Loksound unter der Artikelnummer 72124 (UVP € 359,90) und ein Modell mit Loksound unter der Artikelnummer 72125 (UVP € 444,90). Bei den Soundloks stehen nicht nur vorbildgerechte Betriebsgeräusche, sondern auch 17 verschiedene Funktionen zur Verfügung. Aufgenommen wurden verschiedene Pfiffe, Fahrgeräusche, das Kohleschaufeln, die Luftpumpe, die Speisepumpe, der Generator, das Weichenquietschen und das Entwässern. Gegenüber früheren Modellausführungen hat sich der UVP der Modelle teils spürbar reduziert.

Verpackung

Das Modell ist im hochwertigen Segment des Herstellers angesiedelt, geführt als Roco Edition. Dies wird schon anhand der Verpackung ersichtlich. Das Modell befindet sich in einer sehr robusten Verpackung, außerdem ist das Lokmodell in einer durchsichtigen Glasvitrine auf einer Kunststoffschiene zweifach montiert (siehe auch Beitrag zur Baureihe 85). In diesem Zustand kann das Lokmodell auch staubgeschützt irgendwo aufgestellt werden. In der Verpackung finden sich noch die umfangreiche Betriebsanleitung und ein Zurüstbeutel. Die Betriebsanleitung beinhaltet das Ersatzteilblatt.

 Technik

Die Dampflok besteht aus einem eintriebslosen Lokteil und den angetriebenen Tender. Die Antriebskomponenten sind im Tendergehäuse untergebracht. Das Tendergehäuse ist am Chassis mit vier Schrauben befestigt. Nach dem Lösen der Schrauben läßt sich das Kunststoffteil hochziehen. Der kleine Mittelmotor ist mit einer kleinen Schwungmasse ausgestattet, über zwei Wellenstummel werden die äußeren Tenderachsen angetrieben. Diese sind mit Haftreifen versehen. Die mittlere Tenderachse ist gefedert und ist mit einem Seitenspiel versehen. An den jeweiligen Lokenden sind Kurzkupplungskulissen verbaut. Werkseitig ist aber nur jener am Tender montiert. Die frontseitige Kupplungsdeichsel befindet sich im Zurüstbeutel und muß selbst umgerüstet werden, womit dann Doppeltraktionen möglich werden.

Die Fahrzeugplatine befindet sich ebenfalls im Tender und zwar über dem Motor. Diese ist für den Digital-Betrieb mit einer PluX16-Schnittstelle versehen. Der Zugang zur Platine ist ganz einfach durch das Abnehmen des Kohlekastens möglich.

Das Fahrwerk besteht weitgehendst aus Metall. Die Kuppelachsen sind alle aus Metall gefertigt und weisen feine Speichen auf. Die Kuppelachse 1 und 2 sind gefedert ausgeführt und mit einem Seitenspiel versehen. Die letzte Kuppelachse liegt starr im Fahrwerk.

Fahreigenschaften

Das Modell erfordert im Anlageneinsatz sauber verlegte Gleise, andernfalls sorgen die verbauten Spurkränze für laufenden Ärger. Entgleisungen sind die Folge. Bei optimal verlegter Anlageninfrastruktur fährt die Lokomotive perfekt. Das Eigengewicht beträgt xxx Gramm. Das Vorbild ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h beidseitig zugelassen. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. xxx km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. xxx % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um xxx % zu schnell.

Optik

Schon bei der Präsentation des Modells konnte man sich von der Perfektion der Modellumsetzung am „lebenden Vorbild“ überzeugen. Roco hat bei dieser Modellkonstruktion alle Details am Kessel, am Fahrzeugrahmen, am Fahrwerk, am und im Führerhaus nachgebildet, wobei die Messing- und Kupferteile sofort ins Auge fallen und das optische Erscheinungsbild maßgeblich erhöhen. Auffallend ist auch der freie Durchblick zwischen Kessel und Fahrwerk und die filigrane Steuerung. Zahlreiche freie Handläufe und Griffstangen an den Pufferbohlen, dem Führerhaus und am Tender zeichen das Modell zusätzlich aus. Das Modell wird serienmäßig mit verkürzten Kolbenschutzrohren geliefert, wobei der Tausch auf vorbildgerechte möglich ist. Diese Teile befinden sich wiederum im Zurüstbeutel.

Farbgebung und Beschriftung

Wenig falsch machen konnte der Hersteller bei der Lackierung, die entweder in den Farben Schwarz bzw. Rot seidenmatt aufgebracht wurde. Die Beschriftung ist lupenrein aufgetragen und besteht neben den Anschriften am Führerhaus auch verschiedene Anschriften am Lokkessel, an der Rauchkammertüre sowie auf der Tenderrückwand. Roco hat dieser Modellausführung die ÖBB-Nummer 38.4110 vergeben. Als Heimatdienststelle ist die Zfst. Amstetten angeschrieben. Das Revisionsdatum stammt vom 21.03.63. Der Tender trägt die ÖBB-Nummer 9456.04 und interessanter ein Untersuchungsdatum vom 21. 3.69. Die Anschriften sind sauber, trennscharf und mehrfarbig aufgetragen.

Beleuchtung

Die Beleuchtung besteht aus wartungsarme, weißwarme LED, die richtungsabhängig leuchten.


Bilder