Brawa 43404 / 63102: DB E 44

Gegen Ende der 1920er Jahre wurden die Arbeiten an der Elektrifizierung weiterer Strecken der Reichsbahn vorübergehend eingestellt. Auch der Neubau von Lokomotiven unterblieb, weil sich auch die Weltwirtschaftskrise um sich griff. In dieser Phase der Stagnation unternahm die deutsche Lokomotivindustrie auf eigenes Risiko den Versuch, eine Universallokomotive zu schaffen. Die Firmen BEW, MSW und SSW entwickelten je eine Lokomotive. Ausgehend von der Konstruktion der Maschinen E 15 01 und E 16 101, entwarfen die SSW eine laufachslose Drehgestell-Lokomotive mit vier Tatzlagermotoren, die Ende 1930 der Reichsbahn zu Testfahrten übergeben werden konnten. Alle Zug- und Stoßkräfte werden von den zweiachsigen Drehgestellen aufgenommen, die mit einer Mittelkupplung miteinander verbinden sind. Der Lokomotivkasten mit den beiden halbhohen Vorbauten war zum überwiegenden Teil geschweißt worden, und auf dem vollkommen geschweißten Brückenrahmen befestigt. Nach ausgedehnten Versuchsfahrten in Bayern und Sachsen wurde die Maschine im Jahr 1933 von der Reichsbahn als E 44 001 übernommen und im Bw Garmisch-Partenkirchen stationiert. Später wurden das Äußere und die Ausrüstung den draus entwickelten Serienlokomotiven der Baureihe E 44/144 angepaßt. Die positiven Ergebnisse der drei Probemaschinen führte seitens der Reichsbahn zur Bestellung von 20 Serienlokomotiven bei SSW in der Achsfolge Bo‘ Bo‘. Als Basis diente dabei eine überarbeitete Konstruktion der E 44 001. Die neuen Fahrzeuge sind für die 1933 elektrifizierte Strecke Augsburg – Stuttgart beschafft worden. Bis 1945 wurden insgesamt 174 Maschinen in Dienst gestellt. Den mechanischen Teil lieferten Henschel, Krauss-Maffei und bei acht Maschinen die LOFAG in Wien. Sieben Lokomotiven beschaffte die Deutsche Bundesbahn noch nach dem Krieg. Hinzu kamen noch die umgebauten E 244 11 und 22 als E 44 188 und 189. In der Ausführung des mechanischen und elektrischen Teils entsprechen die Maschinen weitgehend der E 44 001, die Pufferträger wurden aber angeschraubt, um ein leichteres Auswechseln nach Unfällen zu ermöglichen. Nach 1945 verblieben 45 Lokomotiven in der DDR. Die Deutsche Bundesbahn rüstete mehrere Maschinen für den Wendezugbetrieb aus. Diese Fahrzeuge erhielten den Zusatz G (E 44 009G). Die mit einer elektrischen Bremse versehenen Lokomotiven trugen bis 1962 den Zusatz W für Widerstandsbremse und wurden danach durch eine der Ordnungsnummer vorgestetzte 1 gekennzeichnet (E 44 152W = E 44 1152). Die Reihe E 44 zählte zu den besten Konstruktionen der Lokomotivgeschichte und wurde bei der Reichsbahn auch als KEL 1 geführt.


 

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Bilder 43404 – E 44 181W


Bilder 63102 – E 44 006