Roco 73346: FS E444

Die formschöne FS-Schnellzuglok der Baureihe E.444 wurde in den 1960er Jahren konzipiert und war für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt. Savigliano baute die ersten vier Prototypen, die zwischen 1967 und 1968 in Betrieb gingen. Erste Testfahrten offenbarten jedoch, daß die E.444 nicht die in sie gesteckten Erwartungen erfüllte. Die 3 MW starke Lok erreichte bei Probefahrten aufgrund der Drehgestelle nur eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Da aber die Reputation der italienischen Schienenfahrzeugindustrie auf dem Spiel stand, fand die Jungfernfahrt von Rom nach Mailand am 8. November 1967 dennoch mit der Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h statt.

Die Serienloks erhielten zahlreiche Verbesserungen, welche sich in leistungsfähigere Motoren mit 4,2 MW Leistung und 200 km/h taugliche Drehgestelle manifestierte. Zudem wurde der mechanische Aufbau an die Aerodynamik verbessert, optisch betrachtet wurde die Lok mit der charakteristischen Lackierung mit zwei blauen Streifen auf dem hellgrauen Hintergrund versehen. Die erste Lieferserie über 50 Serienloks erwies sich als voller Erfolg, weshalb die FS weitere 60 Maschinen orderte. Der Gesamtbestand über 117 Lokomotiven wurde dann noch durch drei Versuchslokomotiven ergänzt.

Das Fahren im hohen Geschwindigkeitsbereich machte sich am Erhaltungszustand der Type negativ bemerkbar, sodaß für 97 Lokomotiven eine Modernisierung unterzogen wurden. Die umgebauten Lokomotiven mit der kantigen Silhouette wurden als E.444R im Bestand der FS geführt. Die Loks kamen bei schnellen IC-Verbindungen genauso zum Einsatz wie vor Schnellzüge.


Modellvorstellung

Roco’s erste E.444 der FS wurde im Jahr 2005 angekündigt, welcher neben dem allgemein erhältlichen Modell noch weitere Sonderserien für Italien und allgemeine Modellvarianten folgten. Dank meiner Aufzeichnungen ist ersichtlich, daß das Erstmodell mit der Artikelnummer 63890 zum UVP von € 219,– angekündigt war.

Die aktuelle Modellausführung wird unter den Artikelnummern 73346 (analoge Gleichstromausführung) zum UVP von € 189,– (nach der Preiserhöhung zum Jahreswechsel € 194,–), 73347 (digitale Gleichstromversion) zum UVP von € 269,– (jetzt € 274,–) und 79347 (digitale Wechselstromausführung) zu den gleichen Konditionen angeboten. Roco wählte für seine Neuauflage die Betriebsnummer der E.444 034.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Roco-Schachtel. Das Modell liegt dort in einer Plastikfolie umhüllt im Schaumstoff und wird auf einem Plastikgleis stehend durch eine Plastikhaube geschützt. Mitgeliefert wird eine Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt sowie ein Zurüstbeutel, in welchem die Frontschürzen zur Verkleidungs der Kurzkupplungskulissen sowie die Roco-Kurzkupplung beiliegen.

Technik

Das technische Herzstück der Neukonstruktion verbirgt sich unter dem aus Kunststoff gefertigten Lokkasten. Um das Gehäuse vom Modell abzunehmen, genügt das bekannte leichte Auseinanderspreitzen des Kunststoffgehäuses samt gleichzeitiges Abziehen nach oben.

Die bewährte Roco-Antriebstechnik ist auch bei dieser Modellkonstruktion zu finden. Ein fünfpoliger Mittelmotor mit zwei Schwungmassen ist im Metallrahmen integriert und treibt das Modell über die Kardanwellen und die Stirnrad-Schneckengetriebe auf alle vier Achsen an. Alle Achsen dienen der Stromaufnahme. Die äußerste Antriebsachse unter dem Führerstand 2 ist beidseits mit Haftringen bestückt.

Die Platine ist über dem Mittelmotor auf dem Metallrahmen mittels zweier Kreuzschrauben fixiert. Roco liefert die aktuelle Variante noch mit einer 8poligen Schnittstelle nach NEM 652 aus und in diese einen Brückenstecker eingebracht. Eine Nachrüstung mit einem Decoder ist möglich. Zur Unterbringung dieses Bauteiles ist am Rahmen eine Ausnehmung zur Unterfluraufhängig zwischen den Drehgestellen vorgesehen. Das Modell verfügt über eine Kurzkupplungskulisse nach NEM 362.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten der Lok ist toll. Das xxx g schwere Modell zeichnet sich durch einen ruhigen und taumelfreien Lauf aus. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von 146 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 27 % zu niedrig, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 57 % zu gering. Die Lok läuft knapp zwei Längen aus.

Optik

Bei der optischen Ausgestaltung konnte der Hersteller nur wenig falsch machen, lediglich die Rundungen der Front sind maßgeblich für den korrekten Gesamteindruck. Obwohl das Vorbild für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit konzipiert war, ist die Silhouette im Vergleich zur Baureihe der 103 der DB eher stumpf. Die Fensterfront ist wie beim Vorbild nach innen verrückt, charakterisitsch sind vor allem sie runden und ovalen Fensterformen an den Seitenwänden sowie die wenigen bzw. schmalen Lüftergitter auf Fußbodenhöhe der Maschine. Weitere Gravuren betreffen das in der Seitenwand berücksichtigte, zweiflügelige Türe im Maschinenraum in einer Seitenwand bzw. die drei einflügeligen Klappen auf der gegenüberliegenden Seitenwand. Im Lokkasten stehen verschiedene Konsolen empor. Ansonsten wirkt der Lokkasten eher glatt und fällt nur mehr durch die geschlossenen Aufbauten am Dach auf. Makrophone, Typhone sowie Leitungen und Griffstangen sind extra angesetzt. Beide Stromabnehmer sind nach italienischen Normalien gefertigt und fallen durch die schmalen Phantografen auf. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet. Die Bremsklötze sind außerhalb der Radlauffläche platziert. Am Drehgestell sind eigene Aufstiegstreppen bei den Führerstandstüren montiert. Beim gegenständlichen Modell ist eine solche lose in der Verpackung gelegen.

Farbgebung und Beschriftung

Das gefällige Design schlägt sich auch in der Lackierung der E.444 nieder. Die hellgraue Grundfarbe wird durch die dunkelblauen Streifen sowie der roten Frontflächen durchbrochen. Das Modell ist auch bei den Rundungen sauber lackiert und weist keine Verfransungen auf. Unterhalb des jeweiligen rechten Führerstandsfensters befindet sich das Logo einer Schildkröte als Inbegriff ihres Spitznamens „Tartaruga“. Sämtliche Anschriften sind ebenfalls tadellos am Modell zu sehen. Trennscharfe Konturen lassen das Herz eines jeden Modellbahner höher schlagen. Die E.444 034 ist im Depot Roma S. L. stationiert und erhielt am 10.08.1984 eine Revision.

Beleuchtung

Für die Beleuchtung wurden warm-weiße LED verwendet. Das Spitzenlicht besteht aus drei gelben Lichtern, das Schlusslicht aus zwei roten Lichtern unten, welche abhängig von der Fahrrichtung leuchten.


Bilder