JC 90400 / 90401 / 90402: ÖBB UIC-X-Vorserienwagen

Die ÖBB haben in Anschluß an zehn Wagen AB4üh 21520 – 21529 von SGP zehn Schnellzugwagen der Bauart A4üh 11520 bis 11529 beschafft. Die Wagen wiesen bei Ablieferung noch Faltenbälge und Röhrenbeleuchtung auf und waren für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgelegt. Der Umbau der Drehgestelle, Bauart SGP 53 in SGP 53U, im Jahr 1961 gestattete die Erhöhung der Vmax auf 140 km/h. Erst mit den Drehgestellen der Bauart MD36 war die Serie für 160 km/h lauffähig. Die Wagen hatten zehn Abteile mit 2.040 mm Länge mit je sechs Bremshey-Sitzplätzen im blauen Dralon-Bezug. Die Wagen hatten zunächst Übersetzfenster von Wegmann, welche 1965/66 gegen solche von VMW mit schmäleren Rahmen ersetzt wurden. Zugleich wurde auch eine Regenrinne berücksichtigt. Mit der Einführung der Computernummer wurden die zehn Schnellzugwagen in Am 51 81 10-50 000ff bzw. später in Am 51 81 10-80 500ff und in Bm 50 81 20-71 500ff umgezeichnet.

Neben den 1. Klasse-Wagen wurden 1959 noch 20 Fahrzeuge der 2. Wageklasse zur Komplettierung des Fahrparks, ebenfalls bei SGP beschafft, die die Nummernserie B4üh 31000 bis 31019 trug. Diese Serie lief ebenfalls auf den SGP53-Drehgestellen und wies 12 Abteile mit jeweils sechs Sitzplätzen bei mit einer Länge von 1.695 mm auf. Diese Bremshey-Sitze waren mit grünem Kunstleder überzogen. Die B4üh 31000ff änderten ihre Fahrzeugschriften zunächst auf Bm 51 81 22-50 000ff bzw. Bm 51 81 22-80 500ff und in Bm 50 81 22-35 500ff.


Modellvorstellung

Jägerndorfer hat vor einigen Jahren – nachdem die Firma Railtop die UIC-X-Wagen der ÖBB schon realisiert hatte – beschlossen, diese ebenfalls umzusetzen. Als das Projekt soweit gediehen war, wurde ebenfalls der Entschluß gefaßt, die Vorserienwagen erstmals ins Modell umzusetzen. Diese Wagenserie wies gegenüber den UIC-X-Serienwagen verschiedene Bauartunterschiede auf, die auch optisch sehr gut zu erkennen waren. Die Wagenserie wurde erstmals im Jahr 2019 als Neuheit angekündigt.

Nachdem die Modelle der UIC-X-Serienwagen der ÖBB einige konstruktive Fehler aufweisen, die nach Herstellerangaben infolge der Einbindung von mehreren Konstrukteuren zustande kam, wollte man die Vorserienwagen gleich von einem Konstrukteur in China erstellen lassen. Wesentlicher Aspekt dieser Entscheidung war die Vorgabe, daß sehr maßstäbliche Modelle entstehen sollten. Ob dieser Anspruch und Credo letztendlich gehalten wurde, werden die nachstehenden Zeilen offenbaren. Dass die Geschäftsführung es zum erneuten Male nicht geschafft hatte, den Medienvertretern im eigenen Absatzmarkt rechtzeitig Modelle zur Verfügung zu stellen, erweckt eher den Anschein, etwas verbergen zu wollen.

Jägerndorfer hat bei der ersten Ankündigung nur Dreiersets angekündigt, die in der Regel aus einem Wagen der 1. Klasse und zwei Modellen der 2. Klasse bestehen. Im Neuheitenprospekt von 2020 sind schon zusätzliche Einzelwagen in allen drei Farbvarianten enthalten. Apropos Farbvarianten: der Hersteller bietet die Modelle in tannengrüner Farbgebung, in reinoranger Farbgebung und in der Sparlackierung an. Bei den Einzelwagen sind Ausführungen der 1. und der 2. Klasse angekündigt. Bei den tannengrün lackierten Modellen wagen Fahrzeuge der Epoche III avisiert, ausgeliefert wurden jedoch Fahrzeuge mit Computernummer und falschem Schriftbild, die in die Epoche IV fallen, womit schon der erste Fehler konstatiert sei.

Die Fahrzeuge sind im korrekten Längenmaßstab von 1:87 und aus Kunststoff gefertigt und weisen feine Gravuren im Bereich der Türen, am Langträger, den Plattformen sowie am Dach auf, wo die Dachnähte auch korrekterweise umgesetzt wurden. Die Fensterbänder sitzen paßgenau in den Seitenwänden. Die Fensterstege sind dezent umgesetzt, das obere Fensterfeld der Übersetzfenster ist stärker ausgeführt. Die Griffstangen sind als angesetzte Teile ausgeführt und bereits ab Werk montiert. Die Fahrzeugtüren sind nach innen versetzt, die dazugehörigen Türschnallen sind ebenfalls erhaben umgesetzt und silbern lackiert. Farblich behandelt sind auch die Bremssteller, die am Wagenboden aufgehängt sind. In den Wagenboden sind weitere Anbauteile aus gebogenen Stahldraht und auch verschiedene Aggregatgruppen aufgehängt. Dieser ist vollständig umgesetzt und nimmt auch die NEM-Kurzkupplungskulisse auf. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet, wobei nur eine Bauart realisiert wurde. Es handelt sich dabei um die Bauart MD 36, welche erst 1968 beim Vorbild verwendet wurden. Ursprünglich war die Serie mit SGP 53 (u)-Drehgestellen mit Klotzbremse ausgestattet.

Die Modelle machen auf den ersten Blick einen recht passablen Eindruck. Nach der Herstellerauskunft sollten ja wirklich maßstäbliche Modelle entstehen. Allerdings sind doch einige Fehler passiert, bei denen man sich frägt, ob dies auf die Schlampigkeiten bei der Vorbildrecherche zurückzuführen ist?

Jedenfalls wurden folgende offenkundige Fehler entdeckt:
* Die Fensterrundungen entsprechen nicht dem Vorbild und weisen einen zu großen Radius auf.
* Die Lauffähigkeit beiden Sparlack-Bm 22-35 wird mit 160 km/h angegeben, was aufgrund der „3“ als Geschwindigkeitsindikator bei der UIC-Wagennummer nicht möglich ist.
* Die Fenster sind zu groß proportioniert ausgeführt, wobei auch deren Position nicht ganz korrekt ist, sie sind zu hoch.
* Fehlende Bremsanlage an den Drehgestellen.
* Falsche Schrifttypen bei der Beschriftung. Beim Sparlack-Am ist die Selbstkontrollziffer falsch angegeben, richtigerweise „8“.
* Teilweise sind die Fensterinnenbedruckungen falsch (Fahrgasthinweise hinsichtlich dem nicht Hinauslehnen und dem Hinauswerfen), speziell bei den tannengrünen Wagen.
* Die Schweißnähte am Dach sind höher ausgeführt wie die Dachverkleidungen an den Fahrzeugenden.
* Ebenso falsch dimensionierte Materialstärken bei den Gummidichtungen und der Fensterstege.
* Teilweise falsch lackierte bzw. farblich ausgeführte Inneneinrichtung.
* Teils falsche Positionierung von Fahrzeuganschriften wie der Klassenziffern.
* Falsche Positionierung des 1. Klasse-Streifens bei den reinorangen Wagen, dafür sind die Sparlack-Bm wiederum korrekt ausgeführt.
* Heizaggregate und Ansaugkanal beider Wagenklassen sind ident, dies stimmt in der Ausführung nur beim 1. Klasse-Wagen.
* Pufferbohlen stehen zu weit nach außen.

Alle drei Sets stehen für die Modellvorstellung zur Verfügung, wobei die Modell-spezifischen Angaben bei jedem Bild extra angeführt wurden. Die Dreiersets werden zum UVP von € 194,90 angeboten.

Bilder 90400/1

Der 1. Klasse-Wagen ist mit der Gattungsbezeichnung Am und der Wagennummer 51 81 10-80 502-6 bedruckt. Wien-Westbf. ist als Heimatbahnhof ausgewiesen, im Revisionsraster steht das Untersuchungsdatum REV Ws 12.04.72.


Bilder 90400/2

Das erste Modell des 2. Klasse-Wagen gehört der Fahrzeuggattung Bm an und ist mit der Wagennummer 51 81 22-80 505-5 bedruckt. Heimatbahnhof ist wiederum Wien-Westbf. Im Revisionsraster steht nur das Untersuchungsdatum vom 13.04.73.


Bilder 90400/3

Das zweite Modell dieser Wagenbauart ist als Bm 51 81 22-80 509-7 bei gleichem Heimatbahnhof beschriftet. Die letzte Untersuchung fand am 2. November 1972 statt.


Bilder 90401/1

Der 1. Klasse-Wagen ist mit der Gattungsbezeichnung Am und der Wagennummer 51 81 10-80 500-0 bedruckt. Wien-Westbf. ist als Heimatbahnhof ausgewiesen, im Revisionsraster steht nur das Untersuchungsdatum vom 20.05.80.


Bilder 90401/2

Das erste Modell des 2. Klasse-Wagen gehört der Fahrzeuggattung Bm an und ist mit der Wagennummer 51 81 22-80 501-4 bedruckt. Als Heimatbahnhof scheint Wien-Südbf. auf. Im Revisionsraster steht nur das Untersuchungsdatum vom 30.09.83.


Bilder 90401/3

Das zweite Modell dieser Wagenbauart ist als Bm 51 81 22-80 511-3 bei gleichem Heimatbahnhof und Untersuchungsdatum (!) beschriftet.


Bilder 90402/1

Der 1. Klasse-Wagen ist in Innsbruck Hbf. beheimatet und mit den Wagenanschriften Am 51 81 10-80 501-3 bedruckt. Im Revisionsraster wird nur das letzte Untersuchungsdatum mit 15.03.94 angegeben.


Bilder 90402/2

Das erste Modell des 2. Klasse-Wagen der Gattung Bm ist mit der Wagennummer 50 81 22-35 500-3 beschriftet. Als Heimatbahnhof ist Innsbruck angegeben. Im Revisionsraster steht nur das Untersuchungsdatum vom 22.06.92.


Bilder 90402/3

Das zweite Modell dieser Wagenbauart ist als Bm 50 81 22-35 506-0 bei gleichem Heimatbahnhof bedruckt, das Untersuchungsdatum lautet diesfalls auf den 18.03.92.


Etwas Firmengeschichte zum Unternehmen Jägerndorfer

Die frühere, österreichische Modellbahnlandschaft stand eher im Eigentum von verschiedenen Unternehmerfamilien. Die Firma Kleinbahn geht traditionell auf Erich Klein zurück, der jahrzehntelang das Unternehmen führte, es dann der Schwiegertochter übergab und infolge der Ausblendung des technischen Fortschrittes kurzum scheiterte. Ein Streit unter Geschwistern führte dann zur Gründung der Firma Klein Modellbahn. Mag. Oskar Klein sonderte sich von Kleinbahn ab und setzte selbst während seiner Ära neue Akzente setzte, wobei verschiedene Materialprobleme (Stichwort Zinkpest) dem Unternehmen letztlich sehr zusetzten und zur Insolvent führten.

Das zweite Traditionsunternehmen war die Firma Liliput, geführt von Walter Bücherl. Auch dieses Unternehmen setzte verschiedene Akzente und befand sich ständig im „Wirtschaftskrieg“ mit Kleinbahn, ehe in den 1960er Jahren die Familie Rösler in Salzburg die Firma Roco Modelleisenbahnen gründete. Roco war der neue Stern am Himmel und revolutionierte nunmehr die Modelleisenbahn auf seine Weise, was zuvor schon bei Liliput der Fall war. Die Firma Roco erlebte nach der Jahrtausendwende das große Fiasko, was zu einem Wirtschaftskrieg ausartete. Doch gut zwei Jahrzehnte erging es der Firma Liliput, Wien. Das Unternehmen von Walter Bücherl wurde kurzzeitig von Herpa weitergeführt und steht heute im Eigentum von Bachmann.

Man wird sich also Fragen, was haben diese zwei Absätze mit der Firma Jägerndorfer zu tun? Dazu muß man wissen, daß neben Herrn Jägerndorfer auch ein Herr Ing. Ischowitsch bei der Firma Liliput in Baden bei Wien beschäftigt waren. Nach dem Untergang des Unternehmens mußten sich beide Familien selbständig machen und blieben ihrem Tätigkeitsfeld treu. Herr Ing. Heribert Ischowitsch gründete die Firma Dolischo, welche nach seinem Schlaganfall vor ca. zehn Jahren liquidiert wurde, Herr Jägerndorfer war zunächst als Generalimporteur für mehrere ausländische Modellbahnfirmen in Österreich tätig. Nachdem aber auch dieser Bereich wirtschaftlich wegzubrechen drohte, kam die Familie Jägerndorfer nicht umhin, sich ein neues Geschäftsfeld und –ideen zu suchen.

Die Firma Jägerndorfer Modellspielwaren wurde im Jahr 2003 gegründet und hatte ihren Unternehmenssitz in Wien. Das Unternehmen orientierte sich auf die Produktion von Modelleisenbahnen im Gleichstrombetrieb und bot zudem noch eine breite Palette von Produkten an, die speziell im Zubehörbereich angesiedelt waren. Der Schwerpunkt des Unternehmens lag zunehmend in der Baugröße H0, später kam dann auch noch der wichtige Markt für die kleinere Baugröße N hinzu, in welchem Jägerndorfer seither markante Neukonstruktionen verwirklichte.

Im Jahr 2006 wurde für das Unternehmen der neue Markennamen „Jägerndorfer Collection“ geschaffen, indem das Unternehmen dann vermehrt selbst in die Produktion von eigenen Modellen einstieg, auch wurde der Unternehmenssitz nach Pottenstein im Niederösterreichischen Triestingtal verlegt. Seither residiert das Unternehmen dort und sorgt auch im Segment der Baugröße H0 für entsprechende Innovationen, wobei das Augenmerk ganz konkret auf den Österreichischen Markt mit österreichischen Vorbildern gelegt ist.