Piko 52822 / 52826: DB-Baureihe 364 / V 60

Die Deutsche Bundesbahn verspürte in der Mitte der 1950er Jahre einen Mangel an leistungsfähigen Diesellokomotiven im Verschubbereich, weshalb mit absoluter Priorität die Konstruktion einer neuen Dieselloktype betrieben wurde. Die Bauform sah eine dreiachsige Lok mit Blindwelle vor. In der Arbeitsgemeinschaft Agm V 60 waren alle namhaften deutschen Lokomotivfirmen vertreten. Schon nach einer kurzen Erprobungszeit verschiedener Vorauslokomotiven mit Motoren gleicher Leistung von Maybach, Daimler-Benz, KHD, MaK und MAN, konnte mit dem Serienbau begonnen werden. Als Antriebsmaschine der Serie dient ein 12-Zylinder-Dieselmotor der Firma Maybach mit einer Nennleistung von 650 PS. Der Motor ist im langen Vorbau der Lok eingebaut, im kurzen Vorbau befinden sich die Hauptluft- und Kraftstoffbehälter. Für den Einsatz im Güterzugdienst konnte eine Zugheizanlage entfallen. Die Vorwärmung der Maschinenanlage übernimmt ein Koksofen bzw. Ölbrenner. Von den insgesamt 941 Lokomotiven der Baureihe V 60 haben 623 Lokomotiven ein Reibungsgewicht von 48 bis 49,5 Tonnen; im Gegensatz zu den schweren Maschinen mit 53 Tonnen Reibungsgewicht. Die leichteren Maschinen mit wurden bei der Deutschen Bundesbahn zunächst als Baureihe 260 bezeichnet, ab 1987 als Baureihe 360. Der nachträgliche Einbau von Funkfernsteueuerung brachte die neue Baureihe 364 hervor. Derart umgebaute Loks behielten dabei ihre Ordnungsnummer. Die schwere Bauart mit 53 Tonnen Reibungsgewicht wurde zuerst als Baureihe 261, ab 1987 als Baureihe 361 geführt. Lokomotiven mit Funkfernsteuerung gehörten der Baureihe 365 an.


Modellvorstellung

Zu den Neukonstruktionen im Jahr 2018 zählt auch die Baureihe V 60 der DB, die Piko in seiner Erstausführung als Vertreterin der Baureihe 364 auf den Markt bringt. Die Diesellok wird unter der Artikelnummer 52820 als analoge Gleichstromversion zum UVP von € 169,99 angeboten, Für die Modellvorstellung steht das Sound-Modell unter der Artikelnummer 52822 zum reduzierten UVP von € 239,99 zur Verfügung. Die Wechselstrom-Ausführung ist um € 10,– teuerer und gelangt mit der Artikelnummer 52823 in den Fachhandel.

Verpackung

Die neue Diesellok der BR 364 der DB wird in der bekannten Kartonverpackung ausgeliefert. Das Modell ist in einer fixen, paßgenauen Plastikform ummantelt. Nach dem seitlichen Entriegeln ist das Modell aus der klappbaren Plastikform entnehmbar. Der Zurüstbeutel ist an die Plastikform eingeklebt und verschiedene Zurüstteile wie die automatische Rangierkupplung, Griffstangen, Bremsschläuche udgl. Die Allgemeine Betriebsanleitung, die Betriebsanleitung mit dem Ersatzteilblatt und sonstiges Werbematerial sind im eingeschobenen Kuvert abgelegt.

Technik

Die Bauform des Vorbildes zieht beengte Verhältnisse für die Antriebskomponenten nach sich, die alle unter den beiden halbhohen und schmalen Vorbauten unterzubringen waren. Das Lokgehäuse ist über zwei Schrauben, die sich an der Fahrzeugunterseite befinden, befestigt. Nach dem Lösen dieser kann das Gehäuse nach oben abgezogen werden. Das Lokgehäuse besteht aus zwei Teilen, indem das Führerhaus als eigenes Bauteil anzusehen ist.

Im Fahrzeugrahmen ist der Mittelmotor mit beidseitiger Schwungmasse gelagert. Ein Wellenstummel übertragt das Drehmoment über ein Zahnrradgetriebe auf die hintere Achse, die anderen werden über die Kuppelstange mitgenommen. Der angetriebene Radsatz ist einseitig mit einem Haftreifen bestückt. Die Treibachse ist starr eingelagert, die beiden anderen weisen ein unterschiedliches Seitenspiel auf, wobei die Mittelachse sogar noch gefedert ist.

Über dem Mittelmotor ist auf einer eigenen Konsole die Fahrzeugplatine montiert. Diese weist eine Digital-Schnittstelle PluX 22 auf, in dem ein Sound-Decoder eingesetzt ist. Die Lok hat eine Kurzkupplungskulisse.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 233 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 60 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 82 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 36 % zu schnell, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie sogar um ca. sechs % zu schnell.

Optik

Die jüngste Vertreterin der V 60 punktet allein schon durch ihre Filigranität und den Detailreichtum. Das Modell ist eine Kombination als Kunststoff- und Metallkomponenten, wobei die Gehäuseteile alle aus Kunststoff sind. Die Vorbauten verfügen über etliche feine Gravuren und fallen durch ihre extra angesetzten Griffstangen auf. Die Oberseite der Vorbauten gibt die Abdeckklappen samt Scharnierbefestigungen wieder, zudem ist ein engmaschiges Gitternetz für die Kühlluftansaugung zu erkennen. Die Lüftergitter sind als feine Ätzteile ausgeführt, dasselbe dürfte auch für den Frontkühler der Fall sein. Am Dach befinden sich nur nur der Auspuff und die Typhone, sondern verschiedene Fahrzeugantennen. Die Fahrzeugumläufe sind ebenfalls mit feinen Gravuren versehen. Sämtliche Trittflächen und -stufen haben eine angedeuete Riffelmuster. Alle Griffstangen bzw. Geländer sind aus robusten Stahldraht gefertigt und lassen sich leicht deformieren.

Das Fahrwerk weist eine optische Tiefenwirkung auf. Die Kuppelachsen sind mit zarten Speichen versehen und sind mit ebenso filigranen Kuppelstangen verbunden. Sehr schön zur Geltung kommen die Gegengewichte und auch die Blindwelle. An der Pufferbrust sind jeweils feine Nietimitationen zu erkennen, detailreich sind auch die Lampenfassungen der 364.

Farbgebung und Beschriftung

Die DB-Lok ist vorbildgerecht, indem der aufgetragene Seidenlack gut deckend aufgetragen ist. Farbverläufe sind keine zu erkennen. Sämtliche Anschriften sind gut deckend aufgetragen und trennscharf lesbar.  Die 364 786-4 ist in Kornwestheim stationiert und gehört zu DB Cargo. Als letztes Untersuchungsergebnis sind die Daten Unt DCX 10.03.00 angeschrieben. Die verkehrsrote Lok trägt nur eine Loknummer und keinerlei Eigentumsanschriften, hat doch beidseitig den Frontbalken am oberen Ende der Vorbauten.

Beleuchtung

Piko hat für diese Neukonstruktion wartungsarme, warmweiße LED verwendet, die je nach Fahrtrichtung entweder dreimal weiß vorne (Spitzenbeleuchtung) bzw. zwei mal rot (Schlußlicht) leuchten. Mit dem Digital-Decoder lassen sich auch andere Beleuchtungsbilder darstellen.


Bilder


Modellvorstellung 52826 – DB V 60 942

Wer es rustikal auf der Anlage liebt, mußte bis zur Auslieferung der V 60 im Ursprungszustand bis Anfang Juli 2019 warten. Der Sonneberger Hersteller liefert die purpurrote Ursprungsausführung der V 60 als V 60 942 aus, und zwar jene ohne Loksound. Sie ist zum UVP von € 169,99 im Fachhandel zu bekommen. Diesselbe Ausführung wird unter der Artikelnummer 52827 zum UVP von  209,99 Euro als Wechselstrom-Fahrzeug geben. Aufgelegt werden auch eigene Soundmodelle mit den Artikelnummern 52828 und 52829 zum UVP von € 259,99 bzw. € 269,99.

Die V 60 942 ist beim Bw Kornwestheim bzw. der BD Stuttgart zugeteilt. Als letztes Untersuchungsdatum scheint der 6.12.61 auf. Die Lok ist sauber lackiert, selbst bei den Rundungen sind keinerlei Ausfransungen zu erkennen. Die Geländer sind verschiedenfarbig ausgeführt. Sämtliche Anschriften sind trennscharf wiedergeben.