Fleischmann 708702 / 708604 / 708704 / 708705: ÖBB Reihe 86 / DB-Baureihe 086 / DR-Baureihe 86

Die Baureihe 86 stand immer etwas im Schatten ihrer größeren oder berühmteren oder älteren oder auch exotischeren Schwestern. Keine riesigen Treibräder und hohen Geschwindigkeiten, keine schweren Güterzüge, keine bimmelnde und pfeifende Kleinbahn-Romantik, keine hohe Esse oder ausgefallene Steuerung – eher ein unscheinbares Arbeitstier; sozusagen ein Aschenputtel der Nebenstrecken.

Solch eine Charakterisierung könnte zwar auch auf die 50 zutreffen, es geht jedoch um ihre Kollegin unter den Tenderloks, die Baureihe 86. In der Literatur wurde sie bisher recht stiefmütterlich behandelt und von den Eisenbahnfreunden erst richtig wahrgenommen, als es fast schon zu spät war – in dieser fast strafenden Mißachtung wohl nur noch von der Baureihe 50 übertroffen. Vielleicht ist es die große Zahl von Maschinen einer Baureihe, die sie der Eintönigkeit verdächtig macht – bei der P8 (Baureihe 38.10) war es so, bei den preußischen Güterzugloks der Gattungen G 8/G 8.1 (Baureihen 55.16/55.25), G 10 (Baureihe 57.10) und deren Vorläufern, bei der Baureihe 50 und ihrer Kriegsnachfolgerin der Baureihe 52, schließlich bei den T 16-Varianten (Baureihen 94.2/94.5), die nur in ihrer Steilstreckenversion schon früh Aufsehen erregten. Vielleicht mußte auch erst die Modellbahnindustrie eine 86 herausbringen, um diese Baureihe ähnlich populär werden zu lassen wie die längst auf dem Markt befindlichen 24 oder 64, die darüber hinaus noch mit den einprägsamen Spitznamen „Steppenpferd“ und „Bubikopf“ belegt wurden – für die Baureihe 86 gab es keinen. Dabei war sie eine weit verbreitete Maschine und in den unterschiedlichsten Gegenden zu Hause. Sie lenkte den Blick von den bloßen Details der Lok hin zum eigentlichen Bahnbetrieb, zu den Zügen, zu den Strecken und Landschaften.

Die Baureihe 86 stach nicht durch konstruktive Besonderheiten hervor, sondern ihr charakteristisches Merkmal lag in ihrem fast universellen Einsatzbereich: sie war an der Nord- und Ostsee ebenso zu finden wie im Erzgebirge, auf den Höhen der Eifel ebenso wie im Allgäu, im Riesengebirge ebenso wie in der Pfalz, im Thüringer Wald ebenso wie in Österreich. Zu erwähnen sind da noch die Museumsloks; immerhin führten sowohl die Bundesbahn (86 457) als auch die Reichsbahn (86 001) jeweils ein betriebsfähiges Museumsexemplar in ihrem Bestand.

Entstehungs- und Baugeschichte

In den ersten Plänen der 1920 neu entstandenen Deutschen Reichsbahn zur Schaffung von Einheitslokomotiven waren noch keine Nebenbahnloks enthalten. Man glaubte seinerzeit, noch auf lange Sicht mit den vorhandenen Länderbahnbaureihen auszukommen.

Die Erhöhung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf den Nebenbahnen von 50 auf 60 km/h als Folge der aufkommenden Kraftwagenkonkurrenz ließ aber viele Länderbahnloks (so die preußische T 9-Familie mit den Baureihen 90 und 91) hier nicht mehr mithalten, neue Maschinen wurden notwendig.

Da mit durchgehenden Zügen auch angrenzende Hauptbahnabschnitte zu befahren waren und die Züge von den Nebenstrecken nicht als „rollende Langsamfahrstelle“ über die Hauptstrecken schleichen sollten, mußten die Maschinen für eine noch höhere Geschwindigkeit ausgelegt werden. Der Achsdruck für Nebenbahnloks von 15 t durfte dabei nicht überschritten werden. Nach diesen Kriterien tauchten im Vereinheitlichungsplan der Reichsbahn von 1925 drei Baureihen für Nebenstrecken auf:

– Baureihe 24 als leichte 1′ C-Schlepptenderlok,
– Baureihe 64 als leichte 1′ C 1′-Tenderlok und
– Baureihe 86 als schwere 1′ D 1′-Tenderlok.

Dabei waren die Baureihen 24 und 64 für die Flachlandstrecken vorgesehen, während die Baureihe 86 vor allem im Hügelland eingesetzt werden sollte, um dort u. a. die preußischen T 14 und T 14.1 (93.0 und 93.5) zu ersetzen. Auch die Beförderung schwerer Güterzüge auf Nebenbahnen im Flachland und der Vorort-Pendelverkehr auf Hauptstrecken waren der Baureihe 86 zugedacht. Die ersten sieben Maschinen lieferte 1928 die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe ab. An den weiteren Baulosen waren fast alle deutschen Lokomotivfabriken beteiligt; außer Karlsruhe waren dies Krupp, Borsig, Henschel, Linke-Hoffmann, Schichau, Esslingen, Schartzkopff, Orenstein & Koppel, nach der Annexion Österreichs die Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf und im besetzten Polen schließlich DWM Posen (vormals Cegielski). Insgesamt wurden 776 Loks der Baureihe 86 gebaut: 86 001 bis 591, 606 bis 627, 698 bis 817, 835 bis 875, 966 und 1000. Nicht alle aber waren „echte“ Reichsbahnloks: 86 817 war 1940 noch von der im Jahr darauf verstaatlichten Priegnitzer Eisenbahn als Lok 23 bestellt worden; die Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf lieferte die Maschine am 18. Januar 1942 als 86 817 an die Reichsbahn ab, die die Lok allerdings schon vorab an die Bentheimer Eisenbahn (dort Lok 41) verkauft hatte. 86 1000 ist die ehemalige Lok 15 der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE), wurde von Schwartzkopff 1938 unter der Fabriknummer 10797 gebaut und kam mit der Verstaatlichung der Bahn 1942 zur DRB, die sie als 86 1000 einreihte.

Ab 1942 wurde die Baureihe 86 als „Übergangs-Kriegslok“ 86 ÜK beschafft, bis ein Jahr später nur noch die Kriegsloks der Baureihen 42 und 52 weitergebaut wurden. So entstanden auch die Lücken in der Nummerierung der Baureihe 86 durch Baulose, die bis 1943 bereits an die einzelnen Lokomotivfabriken vergeben und dann zugunsten der Kriegsloks storniert worden waren. Dies betrifft auch den Einzelgänger 86 966, eine bei Krupp 1943 aus vorhandenen Teilen montierte Maschine; sie ist Überbleibsel eines stornierten Bauloses von 34 Loks, die als 86 966 bis 999 vorgesehen waren.

Konstruktion und Bauartvarianten

Während die zusammen mit der Baureihe 86 konzipierten Baureihen 24 und 64 gleiche Kesselabmessungen und ein sehr ähnliches Fahrwerk bekamen, mußte für die Baureihe 86 ein größerer Kessel entworfen werden. Er ist mit seinem 1.500 mm Durchmesser und 4.500 mm Abstand zwischen den Rohrwänden bis auf die Rauchkammer baugleich mit dem der Baureihe 87, die 1927/28 in 16 Exemplaren als Tenderlok der Achsfolge E mit zahnradgekuppelten Luttermöller-Endachsen für die scharfen Krümmungen auf den Gleisen der Hamburger Hafenbahn beschafft worden war.

Der Rahmen der Baureihe 86 war als Barrenrahmen mit 70 mm starken Rahmenwangen und 1.000 mm Mittenabstand ausgebildet. Seine Elastizität zusammen mit den Ausgleichshebeln zwischen vorderer und hinterer Laufachse und den benachbarten beiden Kuppelachsen kam vor allem bei schlechtem Oberbau, wie in Nebengleisen von Bahnhöfen, zur Geltung. Die Treibräder hatten 1.400 mm Durchmesser, was einer guten Beschleunigung auf Hügellandstrecken und im schweren Vorortverkehr zugute kam ; der Antrieb des Zweizylinder-Heißdampftriebwerks erfolgte auf die dritte Kuppelachse. Versuchsweise erhielten, wie auch einige andere Einheitsloks, 86 099 bis 105 Friedmann-Abdampfinjektoren. Die Länge über Puffer von ursprünglich 13.820 mm wurde ab der 86 230 geringfügig auf 13.920 mm vergrößert.

Bauartunterschiede gab es bei den Bremsen. Bis zur Lok 86 233 waren die Kuppelräder einseitig abgebremst, die Laufräder blieben ungebremst; die zulässige Höchstgeschwindigkeit war auf 70 km/h festgesetzt. Ab der 86 234 wurden auch die Laufräder gebremst, wobei die jeweils führende Laufachse zur Vermeidung von Entgleisungen nur verminderte Bremskraft aufwies; die Höchstgeschwindigkeit dieser Lokomotiven konnte auf 80 km/h angehoben werden. Die ersten Maschinen (86 001 bis 016) waren mit Riggenbach-Gegendruckbremse ausgerüstet, die aber in späteren Jahren wieder ausgebaut wurde.

Die Laufachsen waren ursprünglich als Bisselachsen ausgebildet, da man sich bei den Nebenstrecken von den aufwendigeren Krauss-Helmholtz-Lenkgestellen keine großen Vorteile versprach – schließlich hatte sich die Bisselachse auch z. B. bei der preußischen G 12 (Baureihe 58.10) gut bewährt. Es zeigte sich jedoch schnell, daß die Maschinen besonders in der Geraden unruhig liefen. Deshalb wurde bei den Lokomotiven 86 293 bis 296 und 86 336 bis 966 Krauss-Helmholtz-Lenkgestelle verwendet. Die eingenummerte 86 1000 hatte dagegen Bisselachsen.
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Die Baulose der Jahre 1942 und 1943 waren als „Übergangs-Kriegslok“ (Baureihe 86 ÜK) in „entfeinerter“ Bauweise hergestellt: weitgehend wurde von der Schweißung Gebrauch gemacht, so beim Rahmen, den Kohle- und Wasserkästen. Die Laufachsen erhielten Scheibenräder, das Führerhaus wies teilweise nur noch ein Fenster an jeder Seite auf. Viele Teile wurden gar nicht oder nur teilweise nachbearbeitet. Das Gewicht der Lokomotiven verringerte sich dadurch von vorher 70 auf nur noch 66,5 t. Spätere Bauartänderungen wurden an der Baureihe 86 nicht vorgenommen.

Einsatz und Verbleib

Die ersten 86 waren in der Eifel beim Bw Ehrang, Lokbahnhof Wittlich, auf den Strecken Wittlich – Daun und Wittlich- Bernkastel sowie in Schwaben, Mecklenburg (Bw Parchim) und Schlesien (RBD Breslau) eingesetzt. Schwerpunkt waren jedoch immer Mittelgebirgsnebenstrecken, z. B. Erzgebirge, Bergisches Land, Frankenwald, Fichtelgebirge, Schwaben oder das Allgäu. Mit der „Annexion“ Österreichs und des Sudetenlandes kamen neue Einsatzgebiete hinzu, wobei die 86 auf den bergigen Strecken des Ostsudetenlandes während des Zweiten Weltkriegs gelegentlich sogar zu Schnellzugehren kam. In Schlesien und Pommern waren ebenfalls 86 zu finden; hier ließen die kleinen Drehscheiben vieler Bahnbetriebswerke oftmals keine großen Schlepptenderloks zu. Auch waren im Krieg zahlreiche ältere Länderbahnloks (vor allem P 8 und preußische Güterzugloks) in Richtung Osten abgerollt und durch die Baureihe 86 aus Neuproduktion ersetzt worden. Die 1939 als „Warthegau“ dem Reich angegliederte Provinz Posen bekam ebenfalls Loks der Baureihe 86. Einzelne Maschinen verirrten sich bis ins nördliche Ostpreußen zum Bw Eydtkau (Eydtkuhnen).

Im Zweiten Weltkrieg wurden rund zwanzig Maschinen der Baureihe 86 zerstört. Im Ausland verblieben, soweit bekannt, 184 Exemplare: 29 in Österreich, 65 in der Tschechoslowakei, 44 in Polen und 46 in der Sowjetunion. Die Deutsche Bundesbahn zählte rund 385 Maschinen, die Deutsche Reichsbahn etwa 175 Loks und die Eisenbahnen des Saarlandes, die erst 1957 zur DB kamen, 14 Lokomotiven.

Die Reihe 86 bei den Österreichischen Bundesbahnen waren zuletzt in den Zugförderungsstellen Attnang-Puchheim, St. Veit/Glan und Hieflau beheimatet; als letzte Maschinen schieden die Hieflauer 86.476 und 86.781 am 20. März 1972 aus dem Bestand der ÖBB aus. Bei den CSD war die 86 als Reihe 445.2 noch bis 1958 im Einsatz, vermutlich in ihren angestammten Gefilden im Sudetenland. Die 44 polnischen 86 verteilten sich als TKt 3-1 bis 52 (mit Lücken) auf die Direktionen Gdansk (Danzig), Katowice (Kattowitz), Poznan (Posen), Szczecin (Stettin) und vor allem Wroclaw (Breslau); letzte Exemplare waren noch Anfang der siebziger Jahre zu finden.
Bei der Deutschen Bundesbahn war die Baureihe 86 nach dem Zweiten Weltkrieg weit verstreut; ihr Haupteinsatzgebiet waren jedoch – bis auf einzelne Exemplare – die Mittelgebirgsstrecken vom Harz bis zum Allgäu. 1950 machte lediglich das kleine Bw Heiligenhafen der 1948 verstaatlichten Kreis Oldenburger Eisenbahn (KOE) mit seinen fünf 86 eine Ausnahme; drei Jahre später – inzwischen war die Fährverbindung vom nahegelegenen Großenbrode nach Gedser eröffnet worden, die Verkehrsströme hatten sich teilweise umorientiert –lag der Dampflokbestand dieses Mini-Bw bei drei Loks der Baureihe 86. Auch in der Lüneburger Heide (Bw Lüneburg, Buchholz) waren 86 zu finden. Das große Sterben für diese Baureihe in der Bundesrepublik begann etwa 1964. Zum 1. Oktober 1966 waren nur noch 71 Maschinen vorhanden, zum 1. Juni 1967 noch 53 und am 1. Juli 1970 noch 44.

Die 14 Saar-86 waren zumeist in den Bahnbetriebswerken Homburg und Völklingen beheimatet, einzelne auch in den Bw Neunkirchen und Saarbrücken Vbf. Die Eisenbahnen des Saarlandes wurden erst zum 6. Juli 1959 mit der auch wirtschaftlichen Rückgliederung des Saargebietes an die Bundesrepublik Deutschland ein Teil der Deutschen Bundesbahn. Die unter Einbeziehung der BD Trier vergrößerte BD Saarbrücken zählte zum 8. Juni 1961 insgesamt 43 Lokomotiven der Baureihe 86. Eine späte Renaissance in der BD Saarbrücken erlebten die 86 noch einmal in den Jahren 1969/70 aus Kaiserslautern kommend bei den Bw Saarbrücken und Mayen Ost bis auch sie in den Süden abwanderten. Dazu gesellten sich 1969 die Loks aus Bremerhaven und 1970 die Maschinen aus Goslar, so daß die Baureihe 86 ab 1971 nur noch in den süddeutschen Bahnbetriebswerken Nürnberg Rbf, Hof und zuletzt Schwandorf beheimatet war; 1972 kam für kurze Zeit noch Ulm dazu. Zuvor hatten im Süden bereits die Bw Coburg (außer Nürnberg das letzte größere Einsatzgebiet der 86) und Plattling ihre Bestände an 86 abgegeben.

Die letzten Plandienste wurden im Sommer 1972 von 86 des Bw Nürnberg Rbf auf den Strecken (Nürnberg -) Burgthann-Allersberg (KBS 897), (Nürnberg -) Fürth – Markt Erlbach (KBS 892) und zwischen Neumarkt (Oberpfalz) und Beilngries (KBS 871) erbracht. Auf der letzteren Strecke fuhr die 86 noch bis zum 17. Dezember 1972 als Dieselersatz. 086 809 des Bw Hof kam Anfang Juni 1973 beim BDEF-Bundesverbandstag in Hof noch einmal zu Sonderzugehren.

Mit der Ausmusterung von 086 201 (Bw Hof) und 086 283 (Bw Schwandorf) ging am 9. Juni 1974 das Zeitalter dieser Baureihe bei der Bundesbahn zu Ende – so schien es wenigstens. Seit August 1974 war jedoch 86 457 in vorzüglich konserviertem Zustand im AW Trier aufgestellt, fast zu gut für ein Denkmal. Sie sollte schließlich im vergangenen Jahr als DB-Museumslok wieder zum Leben erwachen und vertritt seitdem als einzige Tenderlok eine für fast alle deutschen Landstriche repräsentative Baureihe auf Bundesbahngleisen. Darüber soll nicht 86 346 der Ulmer Eisenbahnfreunde vergessen werden, die bereits 1972 von dem Verein übernommen worden war und die am 25. März 1973 zwischen Ulm und Blaubeuren erstmals vorgestellt wurde; später fuhr sie im Albtal.

Schließlich sind noch zwei Denkmalloks zu erwähnen: 086 283 war die letzte 86 im Betrieb der Bundesbahn; als letzte Leistung beförderte sie am 18. Mai 1974 zwischen Nabburg und Schönsee die Nahverkehrszüge 4735 und 4740. Seit 1977 gehört die einstige 86 283 zum Bestand des Deutschen Dampflokomotiv Museums in Neuenmarkt-Wirsberg. Als letztes steht, farblich als Parkplatzkennzeichnung „verblaut“, 086 348 am Einkaufszentrum „Breuningerland“ in Ludwigsburg.

Bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR war die Baureihe 86 vor allem im sächsischen Hügelland zu finden. Auch hier gab es eine Ausnahme an der Ostseeküste: der Rumpfbetrieb auf der durch die Oder-Neiße-Grenzziehung bei Ahlbeck abgeschittenen Strecke der Halbinsel Usedom wurde zunächst mit 56.2, dann bis 1975 mit 86 des Bw Heringsdorf bedient; zum Schutz gegen den Seewind hatten diese Maschinen sogar Windleitbleche erhalten.

Eine zweite Enklave der Baureihe 86 war die Reststrecke der einstigen Halle-Hettstedter Eisenbahn (HHE) von Hettstedt nach Gerbstedt mit Abzweigung nach Heiligenthal (KBS 656). Hier wurden die Baureihe 86 des Bw Halle P erst zum 25. September 1976 von Dieselloks der Baureihe 211 (V 100) abgelöst. Nur kurzzeitig ersetzen konnte die Baureihe 86 die 93.5, zu deren Ablösung sie unter anderem einst erbaut worden war. So tauchten im thüringischen Schwarzatal (KBS 563) Anfang der 1970er Jahre kurzzeitig 86
auf – die ebenfalls als 93.5-Ersatz gedachte DR-Neubaulok der Baureihe 83.10 hatte nicht befriedigt -, auch zwischen Schleusingen und Themar (KBS 626) sowie Zella-Mehlis und Schmalkalden (KBS 624) hatten 86 des Bw Meiningen Anfang der 1970er Jahre die Dienste der 93.5 übernommen. Gleichzeitig wurden einige 86 zum Rangieren in Sangerhausen eingesetzt. Erwähnenswert ist auch der Einsatz der Baureihe 86 auf der bis 1934 schmalspurigen Müglitztalbahn Heidenau – Altenberg als Ersatz für die (wohl nicht ganz freiwillig) in den Uranerzverkehr der sowjetisch-deutschen Wismut-AG (Raum Aue – Johanngeorgenstadt) abgewanderte 1′ E 1′ Baureihe
84.

Sichere Domäne der Baureihe 86 war lange Zeit das Erzgebirge mit seinem Hügelvorland, Schnellzugdienste eingeschlossen. Die 86 der Bw Aue, Glauchau, Pirna, Karl-Marx-Stadt, Hilbersdorf und Nossen konnten sich im Plandienst bis 1976 halten, wurden für Reservezwecke und als Heizlok jedoch auch danach immer wieder herangezogen. Auch die eingenummerte 86 1000 kam zur DR; sie war noch 1969 beim Bw Zwickau beheimatet und behielt ihre Nummer als 86 1000-8 auch im neuen EDV-Nummernsystem. Damit lag sie noch vor der 86 001 des Bw Aue, die als betriebsfähige „Traditionslok“ erhalten blieb.

Für sie gibt es seit dem Sommerfahrplan 1982 einen neuen Plandienst zwischen Schlettau und Grottendorf (KBS 453). Außer 86 1001 waren bei der DR – z. T. als betriebsfähige Heizloks deklariert – gegenwärtig noch 86 1049, 1056, 1333, 1501 und 1737 vorhanden. Die Reichsbahn verkaufte auch 86er an Industriebahnen, so zwischen 1973 und 1975 die 86 1265 (ex Bw Elsterwerda), 1744 und 1760 (beide ex Sangerhausen) als Lok 1, 2 und 6 an die Industriebahn Erfurt; als letzte Dampflok war Lok 6 dort noch bis zum 4. Mai 1980 im Einsatz. 86 1744 ging zusammen mit 86 1607 (bis 1977 beim Bw Glauchau) 1983 als Werklok an den VEB Kohlechemie in Zwickau.


Modellvorstellung

Fleischmann führt die Baureihe 86 in der Baugröße N seit 1993 im Programm. Die lange Produktionsdauer von mehr 25 Jahren hat bis dato eine Vielzahl an Modell-, Farb- bzw. Beschriftungsvarianten hervor gebracht. Die aktuelle Modellausführung betrifft eine Modellausführung einer ÖBB-Lok. Das Modell ist als Analogfahrzeug mit der Artikelnummer 708702 zum UVP von € 179,90 verfügbar, die digitale Version mit eingebautem DCC-Decoder (Artikelnummer 708782) kostet € 219,90; letztere ist auch unter analogen Anlagenbedingungen einsetzbar.

Verpackung

Die ÖBB 86.453 wird in der üblichen Fleischmann-Blisterbox ausgeliefert. Das Modell liegt paßgenau im Plastikeinsatz und wird neben dem Oberteil der Blisterbox noch zusätzlich durch eine darauf liegende Plastikfolie geschützt. Das Modell wird ohne Zurüstteile ausgeliefert und ist somit sofort einsetzbar. Unter dem Plastikeinsatz befindet sich auf dem Kartoninlet abgedruckte Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt sowie eine Garantieerklärung.

Technik

Das vorliegende Modell basiert auf der einstigen Fleischmann-Konstruktion. Die Antriebskomponenten sind im Langkessel untergebracht. Um diesen abzunehmen, ist es notwendig, die Zentralschraube zwischen der ersten und zweiten Kuppelachse zu lösen, danach läßt sich das Gehäuse von vorne weg nach oben abziehen. Der Motor ist am hinteren Fahrzeugende platziert. Die Kraftübertragung erfolgt über den langen Wellenstummel direkt auf die Zahnräder der zwei mittleren Kuppelachsen. Die anderen Kuppelachsen werden über die Kuppelstange mitgenommen. Die dritte Kuppelachse ist beidseits mit Haftreifen versehen. Alle Kuppelachsen weisen ein leichtes Seitenspiel auf. Die Kuppelachsen 1 und 3 liegen starr im Rahmen, die anderen Kuppelachsen sind gefedert eingesetzt. Das Modell verfügt über keine Kurzkupplungskulisse, die Beweglichkeit der Kupplung resultiert jedoch aus dem Seitenspiel des Vorlauf- und Nachlaufdrehgestells. Für den Digitalbetrieb ist eine sechspolige Schnittstelle vorgesehen.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 55 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 70 bis 80 km/h (Werte in Klammer). Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von 98 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um 23 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 50 % – ist sie sogar um 27 % zu niedrig.

Optik

Die markante Fleischmann-Konstruktion ist detailreich ausgeführt. Sämtliche Gehäuseteile wie Führerstand, Langkessel und der Frontbereich sind mit zahlreichen Gravuren versehen, besonders die Nietreihen sind dezent nachgebildet. Der Wasserkasten ist bei diesem Modell geschweißt ausgeführt. Die Kesselleitungen sind erhaben dargestellt. An der Lokrückwand ist ein hoher Kohlekasten aufgebaut. Am Führerhausdach ist ein Lüftungsaufsatz angesetzt. Bei der Rauchkammertüre sind ebenfalls alle freistehenden Teile in die Gehäuseform erhaben dargestellt. Der Langkessel verfügt über vier Dome, in denen weitere Baugruppen bzw. Fahrzeugteile extra eingesetzt sind. Die Frontlampen sitzen vorne am Fahrzeugrahmen auf, die hinteren Lampen sind an der Tenderrückwand fixiert. Das Laufwerk zeichnet sich durch Speichenradsätze in filigraner Ausführung aus. Die Steuerung sowie deren Gestängeteile sind ebenfalls sehr filigran ausgeführt.

Farbgebung und Bedruckung

Die Lackierung ist bei einer Dampflok selbsterklärend, da die Farbtrennung vielfach durch unterschiedlich eingefärbte Kunststoffteile erfolgt. Das Modell ist sauber bedruckt, sämtliche Anschriften sind mittels einer Lupe trennscharf lesbar. Die ÖBB-Betriebsnummer lautet auf 86.453. Die Lok ist in St. Veit an der Glan beheimatet. Die letzte Revision fand in der HW Knittelfeld am 20.10.68 statt.

Beleuchtung

Die Beleuchtung erfolgt noch mit Glühlampen.



Modellvorstellung 708604

Die Firma Fleischmann hat im Rahmen der Neuheiten 2023 mehrere Modelle dieser Reichsbahn-Baureihe angekündigt und gleichzeitig bekanntgegeben, daß die Modelle einem Update unterzogen werden. Das Neuheitenprospekt von 2023 führt deshalb Modelle der DB, der DR und der ÖBB an. Die wesentlichen Änderungen werden im Einbau einer Digitalschnittstelle Next18 und beidseitiger LED-Beleuchtung genannt. Als erstes dieser Modelle wurde die DB-Lok mit Computernummer ausgeliefert. Das Modell ist als 086 400-9 beschriftet, welche beim Bw Goslar in der BD Hannover ihre Heimatdienststelle hat. Die letzte Untersuchungsdaten stehen mit den Angaben Unt. Tr 16.09.64 auf der Pufferbrust. Das Modell verfügt des weiteren noch feine Speichenräder der Vorlauf- bzw. Nachlaufachse auf. Die überarbeitete Modellversion ist zum UVP von € 214,90 erhältlich, die Ausführung mit Loksound (Artikelnummer 708674) zum UVP von € 329,90.


Bilder


Modellvorstellung 708704

Im Zuge der Ankündigung der überarbeiteten Version der Baureihe 86 wurde auch eine DR-Variante angekündigt. Roco hat als Vorbild dieselbe Maschine ausgewählt, wie schon beim H0-Modell. Das ausgelieferte Modell erhielt wie in der DDR üblich Lokschilder mit weißer Umrandung. Die 86 1435-6 ist beim Bw Röblingen in der Rbd Halle stationiert, wobei als letzte Untersuchung die Letzte Bremsuntersuchung mit den Angaben „Letzte Br-Unt Hl 10.08.70“ zu lesen ist. Allerdings weist das Modell einige Abstriche auf, indem die beim H0-Modell vorhandenen Zugschlußlaternen nicht verwendet wurden. Das Modell ohne Loksound ist zum UVP von € 214,90 versehen. Die Ausführung mit Loksound wird unter er Artikelnummer 708774 geführt und zum UVP von € 329,90 versehen.


Bilder


Modellvorstellung 708705

Fleischmann hat im Rahmen seiner Neuheiten 2023 die technische Überarbeitung dieser Dampflokkonstruktion verlautbart, indem die Modelle der Baureihe 86/Reihe 86 erstmals mit einer Digitalschnittstelle vom Typ Next18 und eine LED-Beleuchtung Berücksichtigung fand. Der Hersteller hat bei diesem Modell sich an der H0-Ausführung orientiert. Hierbei handelt es sich um eine Ausführung mit dem lang ausgeschnittenen Wasserkasten. Fleischmann hat dabei die 86.785 der Zfst. Selzthal nachgebildet. Die letzte Bremsuntersuchung ist dabei mit dem Untersuchungsdatum der HW Knittelfeld vom 05.03.1959 angeschrieben. Das vorliegende Modell ist in zwei unterschiedlichen Ausführungen erhältlich. Unter der Artikelnummer 708705 ist die analoge Modellversion dieser 86er zum UVP von 214,90 erwerbbar, unter der Artikelnummer 708775 ist das Modell mit Loksound zum UVP von € 329,90 erhältlich.