Piko 51097: DB-Baureihe 193

Die elektrische Traktion war auf alpinen Strecken für die Zugförderung ein Segen. Aber auch mehrere Strecken in hügeligen Gebieten erwiesen sich bei der Dampftraktion als Hindernis. Die Geislinger Steige der im Jahre 1933 elektrifizierten Strecke Stuttgart – Ulm verlangte die Anschaffung starker Güterzuglokomotiven. Konstruktionsziel war eine leistungsfähige sechsachsige Drehgestelllokomotive ohne Laufachen. AEG hat noch im selben Jahr zwei Lokomotiven geliefert, weitere folgten 1935 und 1937. Aufgrund der guten Bewährung mit der Baureihe E 44 wählte man für die E 93 einen Tatzlagerantrieb. Die beiden dreiachsigen Drehgestelle mit den Zug- und Stoßeinrichtungen und mit den beiden halbhoen Vorbauten wurden zur Übertragung auftretender Längskräfte mit einer Kurzkupplung miteinander verbunden. Ein geschweißter, zu den Enden verjüngter Brückenrahmen trägt den Lokomotivkasten mit den beiden Führerständen und mit der elektrischen Hauptausrüstung. Die Brücke stätzt sich auf die beiden Drehgestelle über zwei kugelförmige Zapfen und je zwei seitliche Gleitstücke ab. Die sechs Tatzlagermotoren stellen eine Weiterentwicklung jener Motoren dar, die in der E 95 verwendet wurden. Zur serienmäßigen Ausrüstung zählt auch eine BBC-Sicherheitsfahrschaltung. Die späteren Lieferungen unterscheiden sich nur geringfügig von den ersten Lokomotiven in Achslast und Geschwindigkeit, insbesondere waren diese Maschinen für 70 km/h anstatt der bisher 65 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Die Loks waren zuletzt im Bw Kornwestheim beheimatet und bis 1984 im Dienst.


Modellvorstellung

Obwohl die Modellankündigung der Baureihe E 93 der DRG sowie die nachfolgende E 93 / 193 der DB noch ins alte Jahrtausend zurückreicht und 1999 im Neuheitenblatt zu finden war, lassen sich weiterhin noch Nummern- und Beschriftungsvarianten des „kleinen Deutschen Krokodils“ produzieren. Piko hat für 2017 unter dem Produktlinie „Classik modelle“ eine Epoche IV-Modell angekündigt. Das Gleichstrom-Modell wird unter der Artikelnummer 51097 zum UVP von € 259,99 vertrieben, das Modell für die Dreileiter-Wechselstrom-Modellbahner ist unter der Artikelnummer 51297 zum UVP von € 279,99 erhältlich. [Anmerkung: Der UVP mag relativ hoch klingen. Es ist dabei zu bedenken, daß das Modell bereits bei der Ankündigung im Jahr 1999 umgerechnet rd. € 200,– (DM 399,–) kostete.]

Verpackung

Piko liefert seine sechsachsige Güterzuglok weiterhin in der alten Verpackungsform aus. In der zweifachen Kartonschachtel ist die 193 006-4 in einer Styroporeinlage mit Styropordeckel gelegt. Die Betriebsanleitungen liegen darunter in der Kartonumverpackung. In einer eigenen Ausnehmung ist der Zurüstbeutel eingelegt. Darin befinden sich weitere Anbauteile für das Bremssystem und die Handläufe für die Vorbauten.

Technik

Die Antriebstechnik befindet sich teilweise unter dem Mittelteil der Lok sowie in den Drehgestellen. Die drei Gehäuseteile sind aus Kunststoff gefertigt und über Rastverbindungen auf dem Rahmen aufgesetzt. Ein Mittelmotor mit einer Schwungmasse ist im Chassis der Fahrzeugbrücke eingelassen. Der Antrieb des Modells erfolgt über beidseitige Kardanwellen und -gelenke in den am Drehgestellrahmen platzierten Getriebeblock. Dabei werden alle Achsen angetrieben und von allen zwölf Laufflächen der Fahrstrom abgegriffen. Mit ihren vier Hafthaften, die auf den jeweils äußersten Achsen beidseitig aufgezogen sind, erreicht das Modell selbst im Modellbetrieb beachtliche Zugkräfte. Über dem Zinkdruckgußrahmen und dem Mittelmotor ist die Platine der Lokomotive festgeschraubt. Für den Digitalbetrieb ist darauf eine 8polige Schnittstelle nach NEM 652 vorgesehen. Die Beweglichkeit der Drehgestelle wird zum Brückenrahmen durch eine Kurzkupplungskinematik sichergestellt. Eine weitere Kurzkupplungskinematik wurde jeweils am Fahrzeugende mit Normschaft vorgesehen.

Fahrverhalten

Das Modell bringt ein Gewicht von 419 Gramm auf die Waage.  Das Modell fällt durch ein solides Fahrverhalten und durch ein leises Summen des Motors auf. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 65 (E 93 01 – 04) bzw. 70 km/h (E 93 05 – 18). Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 74 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. fünf % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 25 % zu niedrig.

Optik

Schon der erste Anblick auf die 193 in der Verpackung verrät sofort eines, es liegt Modell vor, das eine Unzahl an Details aufzuweisen hat und die hohe Fertigungskunst im Modellbau zeigte.

Die Ausführung der Gehäuseteile in Kunststoff erlauben eine besonders filigrane Ausführung einzelner Fahrzeugdetails. Beide Seitenwände sind vorbildgerecht und unterschiedlich ausgeführt und fallen durch feine Gravuren und einer Vielzahl an sehr dezent ausgeführten Nietenreihen auf. Die Fenstereinsätze sowie die Lüftergitter sind paßgenau in das Fahrzeuggehäuse eingesetzt. Einzelne Abstriche sind auch zu konstatieren, indem beispielsweise die in den Frontfenstern befindlichen Scheibenwischer lediglich angraviert und farblich hervorgehoben werden. Ansonsten finden sich an der Güterzuglok auch angesetzte Teile wie die Frontläufe an den Vorbauten oder die Griffstangen bei den Führerstandstüren, aber auch die aufgesetzten Stirnlampen.

Die Dachausrüstung ist vollständig und korrekt wiedergegeben. Es finden sich dort zwei vorbildgerecht modellierte Stromabnehmer mit Einfachschleifstück. Die korrekte Nachbildung der Dachleistungen, sämtlicher Isolatoren und dem Hauptschalter werten das Modell zusätzlich auf. Die gleichen Konstruktionsprinzipien sind an den Drehgestellen ebenfalls wiederzufinden. Weitere eigene Anbauteile wie Sifa-Antrieb, Luftbehälter, Bremszylinder und dem -gestänge, Sandkästen samt den Fallrohren udgl. sind zur vorbildgerechten Modellierung eigens angesetzt.

Farbgebung und Beschriftung

Nachdem wesentliche Fahrzeugteile monoton in den Farben grün, silber und schwarz ausgeführt sind, die Radsterne sind rot, sind die Anschriften des Modell sauber und lupenrein aufgedruckt. Piko gab seiner aktuellen Ausführung die Betriebsnummer 193 006-4, die beim Bw Kornwestheim in der BD Stuttgart beheimatet ist. Als letztes Untersuchungsdatum ist jenes des AW München Freimann vom 30.08.1976 angeschrieben. In den Kastenschrägen stehen die großen Ziffern der Führerstandseiten. Verschiedene Fahrzeugteile wurden verschiebenfarbig bedruckt.

Beleuchtung

Das Dreilicht-Spitzensignal wird mittels LED dargestellt. Die Stirn- bzw. Schlußbeleuchtung brennt fahrrichtungsabhängig in den Farben weiß bzw. rot.


Bilder