ÖBB präsentieren ihren eigenen Railjet-Todeszug als undurchdachten Aprilscherz
Die ÖBB-Pressestelle hat gestern um 11:28 Uhr mit dem Vermerk „Sperrfrist 1. April“ folgende Presseaussendung getätigt:
ÖBB präsentieren erstmalig Railjet Sonnendeck
* Weltpremiere: erster Doppelstock-Zug mit offenem Obergeschoß
* 2 Railjet Sonnendeck ab Sommer 2026 auf der Südstrecke unterwegs
Achtung: Sperrfrist 1. April 2026
(Wien, 1. April 2026) – Die ÖBB sorgen für frischen Fahrtwind im Fernverkehr: Mit dem neuen Railjet Sonnendeck präsentieren die ÖBB heute eine absolute Weltneuheit im Bahnverkehr. Das neue Flaggschiff des Fernverkehrs verbindet modernste Technik mit einem offenen Reisegefühl. Am Oberdeck kann das Dach vollständig geöffnet werden und verwandelt den Zug in den ersten “Cabrio”-Panoramazug weltweit. Damit setzen die ÖBB neue Maßstäbe für innovatives Reisen auf der Schiene.
Gleichzeitig ist die neue Zuggeneration durch Niederflureinstiege und barrierefreie Zugänge zum Sonnendeck frei zugänglich. Besonders auf der Südstrecke, wo stabile Wetterlagen überwiegen, werden die neuen Züge bereits im Sommer 2026 eingesetzt.
„Mit dem Railjet Sonnendeck bringen wir ein völlig neues Reisegefühl auf Österreichs Schienen. Wir sind das erste Bahnunternehmen, das einen Fernverkehrszug mit offenem Sonnendeck einsetzt. Ab Sommer 2026 werden wir auf der Südstrecke damit nicht nur mehr Kapazitäten bieten, sondern auch ein komplett neues Reiseerlebnis. Wir waren damals die einzigen, die an das Nightjet-Konzept geglaubt haben, und es hat sich ausgezahlt. Ich denke, dass wir mit dem Railjet Sonnendeck genauso erfolgreich sein werden“, betont ÖBB CEO Andreas Matthä.
Vorgebräunt in den Urlaub
Das neue Angebot soll besonders Italien-Reisende ansprechen, die statt Stau-Drama bereits bei der Anfahrt in entspannte Urlaubsstimmung kommen wollen. Denn nichts vermittelt Urlaubslaune besser als eine Brise Wind in den Haaren und Sonne im Gesicht. Dazu sollen auch spezielle Zusatzangebote wie Rail-Ban Sonnenbrillen für Kund:innen der 1. Klasse, oder das neue Board-Bistro im Strandbar-Look beitragen.
Der Railjet Sonnendeck stellt sich vor
Der neue siebenteilige Doppelstock-Zug bietet mehr als 480 Sitzplätze, davon rund 240 im Sonnendeck-Bereich im Obergeschoß. Ein 360 Grad-Panorama, moderne Ausstattung und ein durchdachtes Raum- und Zugangskonzept machen jede Fahrt zu einem Erlebnis. Die offene Gestaltung sorgt für ein optimales Raumklima im Zug auch an heißen Sommertagen.
Der Zug im Detail:
Höchstgeschwindigkeit: 120 Wohlfühl-km/h, die sich im Oberdeck aber trotzdem wie schnelle 230 km/h anfühlen
Sitzplätze gesamt: 486
Davon am Sonnendeck: 240
Zuglänge: ca. 160 m
Bequeme Sitze für die 1. und 2. Klasse
Großzügige Panoramaöffnungen am Sonnendeck
Board-Bistro im Strandbar-Look
Onboard-Portal Railnet
Niederflureinstiege und barrierefreier Zugang zum Sonnendeck
Aktuelle Wetterlage und Angaben zur Wind- und Sonnenstärke auf den Screens
So vollmundig diese Textfassung auch ist, um die nächsten Sonnenanbieter in den Zug zu holen, ist die Aussendung unvollständig verlautbart worden. Auch das mitgesandte Bild des ÖBB Railjet KISS gibt wenig Aufschluß über das Sonnendeck, da hilft es kaum, die Fahrleitung wegzuretouchieren.
Die ÖBB schweigen sich aber insbesondere über die erste Premierenfahrt aus? Es wäre ja spannend gewesen, wie sich die wohlfühligen 120 km/h im Sonnenoberdeck direkt unter der Fahrleitung anfühlen. Die 15.000 Volt Fahrleitungsspannung bei 16,7 Hz sind wohl knisternd und hinterlassen tiefe Spuren. Auch lassen die ÖBB offen, ob Sie für die Überschläge und den gleichzeitig eintretenden Tod des Fahrgaste in luftiger Höhe im zweiten Stock für die Begräbniskosten aufkommen werden?
Offensichtlich wurde die sog. Weltneuheit noch nicht praktisch erprobt, ansonsten würden die ÖBB nicht so einem solchen lächerlichen Aprilscherz greifen. Außerdem ist die Idee insofern verwerflich, zumal es immer wieder zu unangnehmen Todesfällen infolge Besteigens von Reise- oder Güterwagen vorkommt. Nicht umsonst hat die ÖBB sogar eine eigene Werbekampagne gestartet, um vor diesen Mutproben junger Erdenbürger eindrucklich zu warnen.
Daß gerade jetzt die eigene Werbe- und Marketingabteilung auf diesen hirnrissen Aprilscherz kommt, legt doch offen, daß die Damen und Herren vom praktischen Eisenbahnbetrieb scheinbar völlig ahnungslos und in der Abschätzung Ihrer Äußerungen völlig überfordert sind!
Anstatt sich mit solchen Blödheiten zu beschäftigen, die aus Steuerfeld finanziert werden, sollte sich der CEO einmal besser um seine Mißstände in seinem Umfeld kümmern. Fehlende Anfragen zu Presseanfragen fördern unangenehme Fragen für das Unternehmen und attestieren dem CEO fehlende Führungskraft durch und durch.
Irgendwie ist es ja schade, daß es bei dieser Weltneuheit zu keiner Präsentationsfahrt auf dem Sonnendach bei kitzeligen 15 kV Wechselstrom gekommen ist. Es hätte wenigstens die Chance geboten, fähigeres Personal hervorzubringen.

Fotocredit: ÖBB