Bombardier TRAXX AC3 / BR 187 – Piko 51562 ff / 21707

Der kanadische Bombardier-Konzern ist einer der größten und weltweit agierenden Rollmaterial-Produzenten. Um am Weltmarkt gegenüber anderen Herstellern konkurrenzfähig zu sein, entwickelte der Konzern schon frühzeitig das TRAXX-Konzept. Das TRAXX-Konzept entstand aus der Prototyplokomotive 12X und der späteren DB-Baureihe 145 und wurde im Laufe der Jahre nach Maßgabe der Erfordernisse nach den Kundenbedürfnissen angepaßt und weiterentwickelt. Jüngstes Kind dieser Entwicklung stellt die Subtype TRAXX AC 3 – auch „last mile“ genannt – dar und unterscheidet sich gegenüber früheren Konstruktionen deutlich durch die neue Fahrzeugsilhouette. Als Mehrsystemlokomotive mit eingebauten Dieselmotor ist ein Betrieb auf nicht elektrifizierten Anschlußgleisen oder Containerterminals möglich.

Lokomotiven der Baureihe 187 gehören zur dritten Generation der TRAXX-Familie, wozu auch die Baureihe 245 gehört. Die Lokomotiven vom Typ TRAXX AC3 wurden erstmals im Jahr 2011 auf der Transport-Logistic-Messe 2011 in München als Prototyp vorgestellt. Lokomotiven der dritten Generation haben ein neues, abgerundetes und sehr gefälliges Design erhalten. Die Seitenwände wurden zum schnellen Austausch von Werbeflächen (sog. „Flex Panel“) vorgesehen.

Die Inbetriebnahmephase der ersten Loks der Baureihe 187 fand im Frühjahr 2013 im tschechischen Versuchsring in Velim statt, außerdem wurden auch Fahrten in der Schweiz durchgeführt. Zudem wurde auch die neue Funktion des Last-Mile-Betrieb demonstriert. Bombardier hat bisher die Lokomotiven 187 001 bis 009 als sog. Testlokomotiven gefertigt.


Modellvorstellung

Piko sorgte zur Spielwarenmesse 2014 unter anderem auch mit dieser Formneuheit für Furore. Da der Hersteller bereits Modelle aus der TRAXX-Familie führte, war dies der logische Schritt, selbst das aktuellste Vorbild von Bombardier in den Maßstab 1:87 umzuwandeln.

Für die Modellvorstellung stehen zwei verschiedene Ausführungen parat. Das erste Besprechungsmodell ist unter der Artikelnummer 51564-2 (Gleichstromausführung mit werkseitig eingebauten Loksound, UVP € 229,99; die Wechselstromvarianten ist um € 10,– teurer und unter der Artikelnummer 51565 lieferbar) erhältlich. Das Fahrzeug trägt die Betriebsnummer 187 004 und gehört der Leasinggesellschaft Railpool. Das zweite Modell betrifft die 187 002 in der Ausführung als BLS-Mietlok und Vorführlok. Es ist unter der Artikelnummer 51562 (ebenfalls Gleichstrom-Ausführung, reine Analog-Ausführung, UVP € 139,99; Wechselstrom-Modell – Artikel-Nummer 51563 um UVP € 159,99) im Fachhandel erhältlich. Natürlich hat Piko als weitere Ausführungen ein Modell der DB AG angekündigt.

Verpackung

Die Neukonstruktion wird in der üblichen Kartonverpackung ausgeliefert, aus welcher sich die transportsichere Plastikummantelung herausziehen läßt. Mit der seitlichen Entriegelung der fixen, passgenauen Plastikform ist das Modell zugänglich. An der Plastikummantelung klebt ein Zurüstbeutel mit Bremsschläuche für die Lok. Verschiedene Papiere wie Betriebsanleitung, Ersatzteilblatt, Werbebroschüren liegen dem Modell bei.

Technik

Der technische Bereich der Neukonstruktion ist wie bei allen Fahrzeugen unter dem aus plastik gefertigen Lokchassis untergebracht. Um an das Innenleben der Lokomotive zu gelangen, muss das Gehäuse in Höhe der vier Rastnasen auseinander gespreitzt und nach oben gezogen werden.

Die Platine ist auf dem Metallrahmen aus Zinkdruckguss zweifach befestigt und zwar zunächst in den vier Kunststoffhalterungen und zusätzlich mittels vier Schrauben befestigt. Auf der Platine befinden sich die 22polige Schnittstelle für den PluX22-Decoder sowie eine Susi-Schnittstelle. Das nicht digitalisierte Modell wird mit einem Brückenstecker ausgeliefert.

Der Mittelmotor ist mit einer großen Schwungmassen bestückt und ist in der Fahrzeugmitte im Metallrahmen gelagert. Der Antrieb erfolgt über die Kardanwellen und dem kombinierten Schnecken-/Stirnradgetriebe auf je ein Drehgestell, welches beide Achsen antreibt. Das Modell kommt – wie bei anderen Konstruktionen – ebenfalls mit zwei Haftreifen aus. Diese befinden sich jeweils diametral versetzt auf dem innenliegenden Radsatz. Die Stromabnahme erfolgt über alle vier Achsen.

Fahrverhalten

Die silberne Railpool-Lok (51564) mit kompletter Digital- und Soundausrüstung bringt ein Gewicht von 422 Gramm auf die Waage. Die analoge Version als BLS-Ausführung (51562) ist lediglich um 2 Gramm leichter, wiewohl der große Lok-Decoder und der Lautsprecher fehlen.

Das Modell fällt durch ein solides Fahrverhalten und durch die geringe Geräuschentwicklung auf. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte für die Artikelnummern (51562 bzw. 51564 – gemessen im Analogmodus) von ca. 182 bzw. 192 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 30 bzw. 38 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit eben auf bzw. um ca. 8 % zu hoch.

Optik

Das Modell der Bombardier-Maschine steht optisch dem hohen technischen Standards um nichts nach. Auch bei der Umsetzung des Modells ist Piko ein sehr ansprechendes und stimmiges Modell gelungen, zumal das Vorbild aufgrund der neuen, abgerundeten Front und durch den Wegfall der glatten Seitenwände durch das „Flex Panel“ (hier kann jedes EVU seine eigene Werbeplane in vorgefertigte Rahmenteile einschieben) neue Herausforderungen bedeuteten.

Verweilen wir sogleich beim Lokkasten. Der Modellbahner findet ein tadellos graviertes Modell vor. Die Gravuren sind entsprechend tief und bringen die entsprechenden Teilbereiche der Lokomotive markant zur Geltung. Mehrere Rahmenausschnitte zur Unterbringung von Einfüllstutzen untermauern diese optischen Highlights. Die Griffstangen der Führerstandstüren sind am Chassis angespritzt, dafür sind alle anderen Haltegriffe und die Frontumläufe freistehend konstruiert und montiert.

Die runde Frontpartie wurde vorbildgerecht umgesetzt und trägt wesentlich zum äußerst positiven wie gelungenen Erscheinungsbild des Modells bei. Die UIC-Dosen sind im Chassis angespritzt, dagegen ist der Frontumlauf als eigenes, paßgenaues Ansetzteil werkseitig schon montiert. Paßgenau sind auch die Fenstereinsätze. Die Scheibenwischer sind ebenfalls in diese Formen angespritzt, deren Oberfläche jedoch farblich schwarz lackiert ist. Die Fronttrittstufen zwischen Rahmen- und Lokkastenübergang sind in silberer Farbe ausgeführt, fein geriffelt und in das Chassis eingesteckt.

Ein wahrer Blickfang stellt der vollständig umgesetzte Dachgarten dar. Ein erster Blick gilt den Stromabnehmern der Bauart DSA 200. Vier Stück sind auf dem Lokdach montiert, zwei davon mit den breiten Wippen für den Einsatz in Deutschland und Österreich sowie zwei mit schmaler Wippe für den Einsatz in der Schweiz. Dieser ist aus Kunststoff gefertigt und vorbildgerecht umgesetzt. Die übrige Dachausstattung ist mehrfarbig gestaltet. Die Isolatoren wie Dachleitung sind filigran ausgeführt und tragen ebenso wesentlich zum positiven Erscheinungsbild des Modells bei. Der zweite Blick gehört dem Lokdach. Dieses weist ebenfalls saubere Gravuren auf und ist geprägt von filigran ausgeführten Lüftergittern und den Trittschutzbelägen.

Die Drehgestelle wirken sehr plastikmäßig und sind im Halbrelief dargestellt, punkten durch ihre Tiefenwirkung. Die Radscheiben sind bedruckt. Dazwischen ist am Fahrzeugrahmen der vorbildgerecht konstruierte Trafo samt Batteriehalterung und der Hauptluftbehälter aufgehängt. An beiden Fahrzeugenden wurde eine Kurzkupplungskinematik berücksichtigt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Angaben der zwei Musterloks sind natürlich getrennt darzustellen. Wir beginnen die Beurteilung zunächst mit der 187 002 (BLS Cargo). Dieses Modell ist aufgrund der glatten Seitenwände anders zu bewerten, als die reine Railpool-Maschine. Die aufwendige und mehrfarbige Bedruckung des Modells ist sauber aufgetragen. Farbverläufe zwischen dem silbernen und blauen Farbton sind keine zu erkennen. Die seitlichen Flächen des Maschinenraumes werden beim Vorbild durch eingezogene Planen verkleidet. Die Bedruckung dieser „Planen“ ist sehr aufwendig gestaltet. Das gezeigte Motiv ist gut erkennbar, doch bei genauerer Betrachtung unter der Lupe tritt ein Rasterdruck zu Tage. Die teilweise mehrfarbigen Beschriftungen sind lupenrein erkennbar und vollständig wiedergegeben. Sie hat die vollständige Betriebsnummer 91 80 6 187 002-1 mit der Halterkennung D-BTK. Am Modell ist kein Revisionsdatum abgedruckt.

Die zweite Lokomotive trägt die komplette Betriebsnummer 91 80 6 187 004-7 und ist bei D-POOL immatrikuliert. Dieses Modell ist fast vollflächig silbern lackiert, wobei ein hellblauer Kontraststreifen unmittelbar neben der Führerstandstüre der Lokseite 2 diesen unterbricht. Da das vorliegende Modell ohne den zugedachten Seitenplanen auskommt, liegt das Augenmerk verstärkt bei der Bedruckung der unebenen Seitenflächen. Bei genauerer Betrachtung sind auch hierbei keinerlei Ausfransungen zu erkennen. Alle weiteren Fahrzeugbeschriften sind wiederum vollständig und mehrfarbig gehalten. Es ist kein Revisionsdatum angeschrieben.

Beleuchtung

Es liegt auf der Hand, daß bei einer Neukonstruktion wie diese natürlich mit SMD-LEDs verbaut werden. Diese Bauteile gelten als wartungsarm und sind in den Farben weiß und rot für das Spitzen- und Schlußlicht vorgesehen, welche richtungsabhängig leuchten. Weitere LED sind im Digitalbetrieb einzeln schaltbar, wie zum Beispiel die Führerstandsbeleuchtung.

Digitalbetrieb

Die Railpool-Lokomotive 187 004-7 (51564) wird werkseitig mit einem ESU-Digitaldecoder und Soundmodul ausgeliefert. Die Lokomotive wurde sowohl im Analogbetrieb mit einem Brückenstecker als auch kurz im Digitalbetrieb auf einem System eines Mitbewerbers getestet. Das Modell ist unter beiden System problemlos einsetzbar. Beim Digitalbetrieb fällt als erstes sofort negativ auf, daß die Werkseinstellungen des Sounds viel zu laut sind. Das Abspielen einiger Funktionieren erzeugt dabei sehr unangenehme Frequenzen, die zu schmerzenden Ohren führen.

Laut Herstellerangaben sind im Digitalbetrieb bis zu 23 schaltbare Funktionen möglich. Die Firmenhomepage verrät, daß unter anderem Soundfunktionen für die Fahrmotoren, die Signalhörner, die Bremsgeräusche und weitere Betriebsgeräusche abspielbar sind. Eine genaue Funktionsbeschreibung liegt dem Modell in Papierform bei.

Bilder Piko 51564

Bilder Piko 51562

Bilder Piko 51566


Modellvorstellung – Piko 21707 – Railpool 187 343

Piko hat für das Jahr 2025 weitere Modellvarianten der Baureihe 187 angekündigt. Das erste Modell betrifft eine Railpool-Ausführung, die an das EVU HSL vermietet ist und demzufolge auf der Seitenwand einen entsprechenden Werbebanner aufweist. Die Umsetzung des bunten Motives erfolgte mittels Digitaldruck. Das vorliegende Lokmodell verfügt lediglich über zwei innenliegende Wechselstrom-Stromabnehmer auf, deshalb ist die Vorbildlok auch nur in Deutschland und Österreich einsetzbar. Die Länder Ungarn und Rumänien sind durch durchgestrichen. Das Modell ist mit der Loknummer 91 80 6187 343-9 und der Halterkennung D-Rpool bedruckt. Im Revisionsraster steht nur die Angabe „REV 30.01.19“. Das vorliegende Modell ist für das Zweileiter-Gleichstrom-System zum UVP von € 204,– erhältlich. Die Zweileiter-Gleichstrom-Ausführung mit Digitaldecoder und Loksound ist unter der Artikelnummer 21708 und zum UVP von € 314,– erhältlich, die Dreileiter-Wechselstrom-Ausführung stattdessen unter der Artikelnummer 21709; gleicher UVP.