Fleischmann 732240: SNCF BB 26000

Das französische Eisenbahnnetz ist durch verschiedene Stromnetze gekennzeichnet, das entsprechende Triebfahrzeuge erfordert. Nach der BB 22200 als ersten Zweisystem-Lokomotive ab dem Jahr 1976 schloß ab 1988 eine weitere Serie derartiger Lokomotiven an. Die SNCF beschaffte ab 1988 eine Serie von 234 Lokomotiven der neuen Reihe BB 26000, die alsbald den Spitznamen „Sybic“ erhielten. Der Spitznamen steht für die Begriff „synchrone“ (Synchronmotoren) und „bicourant“ (als Hinweis für die Zweisystem-Fähigkeit). Die SNCF setzt die Sybic-Lokomotiven sowohl im hochwertigen Schnellzugverkehr, im Regionalverkehr als auch im Güterverkehr („FRET“) ein.

Die SNCF beschaffte zwischen 1988 und 1998 insgesamt 234 Lokomotiven der BB 26000, die erstmals mit Asynchronmotoren ausgestattet ist. Die bisherigen Lokomotivenbeschaffungen der SNCF beruhen auf Thyristorlokomotiven der Baureihen BB 7200 (Gleichstromlok) und BB 15000 (Wechselstromlok) sowie der BB 22200 als Zweisystemlok. Der neuen Technologie folgend wurde die BB 26000 entwickelt, bei der die neue Drehstromtechnologie Einzug hielt, wofür der Maschine dann der Kunstname Sybic (steht für synchrone und bicourant) verpaßt wurde.

Die BB 26000 fällt wie ihre Vorgänger ebenfalls durch ihre Kantigkeit auf. Die Lokkonstruktion besteht aus Stahl, antriebsmäßig wurde auch bei dieser Konstruktion auf die sog. Monomoteur-Drehgestelle gesetzt. Die Machine besitzt dabei pro Drehgestell über nur einen großen Fahrmotor, der über das nachgeschaltete Getriebe die Achsen des Drehgestells antreibt. Die Zugkraftübertragung erfolgt über den Hohlwellen-Gummiringfederantrieb vom Drehgestell aus über die tief liegenden Zug- und Druckstangen auf den Lokkasten. Der elektrische Teil basiert auf GTO-Thyristoren.

Die 234 BB 26000 sind auf die vier Geschäftsbereiche der SNCF verteilt. 139 Loks sind heute bei SNCF Fret im Dienst, 61 Loks gingen an den Fernverkehr VFE, 20 sind im überregionalen Verkehr bei CIC im Einsatz. 14 Loks sind im Regionalverkehr bei TER unterwegs.

Die Sybics weisen gegenwärtig verschiedene Farbschemata auf. Nachstehend werden die Unterschiedlichen Lackierungsvarianten der Lokomotivflotte der BB 26000 der SNCF beschrieben:

* Betonlackierung: Die Lokomotiven wurden bei der Ablieferung mit einer zweifarbigen grauen Lackierung und einem orangefarbenen Streifen an der Front und an der Oberseite ausgeliefert. Dieses Farbschema wurde durch andere Ausführungen setzt und ist nur selten anzutreffen.

* TER Alsace-Lackierung: Die Lokomotive BB 26070 wurde 1993 in Metallic- und Dunkelgrau neu lackiert und erhielt einen mehrfarbigen Streifen am Führerstand. Die BB 26070 wurde für einen Werbefilm für den TER Alsace-Zug verwendet. Der TER Alsace-Zug ist eine Verbindung, beim mit 200 km/h zwischen Strasbourg und Mulhouse gefahren wird. Die Lackierung blieb bis zum Jahr 2015 erhalten, Anfang 2016 erfolgte die Umlackierung in die Carmillon-Lackierung.

* Corail+-Lackierung: Dieses Farbschema erhielten alle Loks ab dem Jahr 1996, welche neu lackiert werden mußten. Gründe für die Neulackierung waren Kollisionen oder sonstige Karosserieschäden, die Werkstätten mit einer Lackierung ähnlich der BB 26070, jedoch mit leuchtend roter Front und einem Streifen entlang der oberen Seiten, lackierten. Die Firma Alsthom ist beauftragt worden, die letzten Maschinen in diesem Farbschema abzuliefern. Neue Lokomotiven wurden daraufhin in den Farben Grau und Orange lackiert. Mit diesem Farbschema sollten die Loks zu den Corail+-Wagen passen.

* Güterzuglackierung (Livrée Fret): Dieses Farbschema wurde an mindestens fünf Lokomotiven umgesetzt. Davon betroffen waren die Maschinen BB 26063, BB 26086, BB 26096, BB 26184 und BB 26192. Dieses Farbschema wurden Lokomotiven angedeiht, die für besondere Aufgaben im Güterverkehr Verwendung fanden. Die Güterzuglackierung besteht aus zwei grauen Farbtönen an den SEtien und einem leuchtenden Grün an der Fahrzeugfront. Ein breiter Streifen verläuft diagonal über die Seiten und trägt den Schriftzug „Güterzug“ in Grün. Bis auf die BB 26063 haben alle wiederum dieses Design verloren.

* Farbgebung „En Voyage“: Dieses Design ist erstmals im November 2009 in Erscheinung getreten. Die BB 26001, BB 26002 und BB 26164 wurden als erste damit lackiert. Die Lackierung ist für Lokomotiven im Personenverkehr bestimmt. Die Maschinen sind metallisch grau lackiert, eine Seite ist blau, die andere lila. Ein laminierter Streifen verläuft an den Seiten und verläuft in einem Farbverlauf von einer Farbe zur anderen. Auf den Maschinen steht zudem noch der Schriftzug „En Voyage“ (Auf Reise) und wird durch Abbildungen von Gesichtern usw. ergänzt.

Im Oktober 2002 wurde die BB 26008 neu lackiert, gefolgt von den BB 26164 und BB 26163 Anfang 2003 bzw. im drauffolgenden Frühjahr. Im Sommer 2003 wurde noch die BB 26005 in diesem Design lackiert, sie wurde zeitgerecht fertig, um den Téoz-Verkehr auf der Strecke Paris – Clermont-Ferrand aufzunehmen.

Die BB 26001 erhielt ihre Neulackierung im Juni 2009 anläßlich einer Hauptausbesserung. Heute ist nur mehr die BB 26000 in der „En Voyage“-Lackierung ausgeführt.

* Graue Lackierung: Dieses Farbeschema kam bei den Lokomotiven BB 26003 bis 26010, 26012, 26019 bis 26021, 26024 bis 26026, 2603, 26049, 26064, 26091, 26121 und 26126. Nachdem es bei der „En Voyage“-Lackierung wegen der angebrauchten Bilder zu Urheberrechtsstreitigkeiten kam, wurden alle weiteren Loks in diesem Farbschema versehen. Die Loks der Güterverkehrssparte FRET wurden ebenfalls in grauer Lackierung verstehen, nachdem die grün/graue Lackierung aufgegeben wurde.

* Carmillon-Lackierung: Diese Lackierung ersetzte die graue Lackierung der SNCF-Loks. Das Farbschema wurde zunächst bei der BB 26046 angewendet. Weiters davon betroffen waren die Lokomotiven BB 26011, 26013 bis 26018, 26027 bis 26032, 26034 bis 26040, 26042, 26044 bis 26046, 26048, 26050, 26052, 26053, 26055 bis 26057, 26070 bis 26074, 26138, 26155 und 26156.

* TER-Lackierung: Diese Lackierung wurde auf 14 Maschinen für den TER 200-Verkehrs angebracht.

* Orient-Express-Lackierung: Das Design wurde bei den Lokomotiven BB 26005 und 26019 angebracht. Die Umlackierung der Lokomotiven geht auf Wunsch des Betreibers des Simplon-Orient-Express zurück und entspricht den Farben der CIWL-Gesellschaft.


Modellvorstellung

Fleischmann ist in den letzten Jahren mit zahlreichen Neukonstruktionen in die Offensive gegangen. Wurden zunächst mehrere Neukonstruktionen im Wagensektor ausgerufen, geschieht dies auch bei den Triebfahrzeugen, wobei man neuerdings versucht, neue Märkte zu erschließen. Es sei nur an die neue NS-Reihe 1600 bzw. der BB 22200 der SNCF, sodaß nun als weiteres französischen Lokmodell die Sybic aufgegriffen wurde. Fleischmann hat das Vorbild in den Neuheitenkatalog von 2022 aufgenommen und bietet dabei zwei verschiedene Farbvarianten an. Das erste Modell betrifft die Ursprungsausführung mit der Artikelnummer 732240 zum UVP von € 195,90 als analoges Fahrzeug sowie unter der Artikelnummer 732310 mit eingebauten DCC-Decoder und Loksound zum UVP von € 295,90. Das zweite Modell betrifft die Ausführung in der silbergrauen Farbgebung als BB 26227, die ebenfalls in zwei Varianten unter den Artikelnummern 732241 (ohne Loksound) und 732311 (mit Loksound) erhältlich sein wird.

Verpackung

Fleischmann liefert die orange/grau/hellgrau lackierte SNCF-Elektrolokomotive in der bekannten Blisterbox aus. Nach Öffnen des Deckels ist die Lok durch Herausziehen aus dem Blistereinsatz sofort entnehmbar. Unter dem passgenauen Plastikeinsatz befinden sich das Ersatzteilblatt und die Betriebsanleitung in Form des Karton-Einsatzes der Blisterbox als gut illustrierte Wartungsanleitung. Der beigelegte Zurüstbeutel beinhaltet die Kupplungshaken.

Technik

Die technischen Komponenten sind im Fahrzeuggehäuse untergebracht. Das Öffnen der Lok basiert auf bekannten Ritualen, indem einfach nur die Seitenwände leicht auseinander gespreitzt werden müssen, um das Kunststoffgehäuse nach oben abziehen zu können. Das offengelegte Innenleben präsentiert das bewährte Antriebskonzept: ein im Fahrzeugrahmen eingesetzter Mittelmotor mit einer großen Schwungmasse unterhalb der Platine treibt die Lokomotive an. Das Drehmoment wird über die beiden Kardanwellen samt schräggenuteter Wellen auf das Stirn- und Schneckenzahnradgetriebe übertragen. Es werden alle Achsen angetrieben. Die jeweils inneren Radsätze der beiden Drehgestelle sind mit je einem Haftreifen bestückt.

Die Fahrzeugplatine ist über dem Mittelmotor platziert und weist eine Digitalschnittstelle Next18 nach NEM 661 auf, also eine Schnittstelle Next18. Die Drehgestelle weisen im Getriebeboden jeweils Wartungsöffnungen zum Ölen der Lok bzw. des Messinggetriebes auf. Die Lok verfügt über eine Kurzkupplungskinematik nach NEM 355. Fleischmann liefert das Modell serienmäßig mit der N-Standardkupplung aus.

Fahreigenschaften

Die Fahreigenschaften der Neukonstruktion können sich ohne weiteres sehen lassen. Das Modell durfte seine Proberunden auf einem Gleisoval auf dem kleinsten Radius des „piccolo“-Gleissystems von Fleischmann erbringen. Das Gewicht des Modells beträgt 82 Gramm.

Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 152 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 24 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 50 % um gerade einmal ca. 74 % zu langsam.

Optik

Fleischmann hat das markante Vorbild bestens ins Modell umgesetzt. Die markanten Konturen stellen zugleich auch die Farbtrennkanten des Modells dar. Die Fahrzeugsilhouette besteht aus einer nach vorne gespitzten Ausbauchung. Gerade das auffällige Design mit der Scheinwerferpartie unten und den rundumlaufenden Griffstangen und der geteilten Panoramascheibe mit den Scheibenwischern wurde gut getroffen. Dabei wurden die genannten Bauteile an der Gehäuseform angraviert und durch farbliche Bedruckung extra hervorgehoben. Die Seitenwand macht zwar einen glatten Eindruck, wird aber durch die beiden Führerstandstüren und den oberen Lüfterjalousien durchbrochen. Auch hier sind feine Gravuren zu erkennen. Griffstangen der Türen, die Türgriffe, die seitlichen Griffstangen unterhalb der Seitenfenster sowie auch andere Fahrzeugdetails sind wiederum erhaben dargestellt und ggf. farblich abgesetzt. Ein gleiches Bild offenbart sich beim Betrachten der Drehgestellblenden, die dreidimensional durchgebildet sind. Der letzte Blick fällt auf das Fahrzeugdach mit dem mittleren Aufbau und den beiden Einholmstromabnehmern mit den äußerst filigran umgesetzten Wippen. Auf den ersten Blick scheinen beide Wippen ident ausgeführt zu sein, unterscheiden sich aber schon in der Bauart. Die sichtbare Dachausrüstung ist vollständig ausgeführt, als Augenweide gilt auch der Dachaufbau mit den feinen Lüfterschlitzen.

Bedruckung und Lackierung

Die Lackierung der mehrfärbigen Lok ist tadellos umgesetzt. Dies gilt sogar für jene Farbtrennkanten, die über unebene Flächen bei im Türbereich verlaufen. Die Bedruckung ist lupenrein aufgetragen, alle Anschriften sind gut deckend und gut lesbar aufgetragen. Das vorliegende Modell ist mit der Betriebsnummer 26008 bedruckt. Dijon-Perringny ist als Heimatdepot angeschrieben. Revisionsanschriften sind keine vorhanden.

Beleuchtung

Fleischmann hat bei seiner Neukonstruktion LED-Lichtkörper verwendet. Die Spitzenbeleuchtung besteht aus drei warmweißen LEDs, das Schlusslicht wird mittels zweier roter LEDs dargestellt, welche richtungsabhängig leuchten. Im Digitalbetrieb können diese sogar einzeln geschalten werden.


Bilder