Die Eurofima-Wagen: Piko 58530 / 58531 / 58532 / 58533 / 58534 / 58535 / 58536 / 58222 / 58537

In den 1970er Jahren wurden elf Prototyp-Wagen neuer Personenwagen konstruiert, die als Vorläufer zu den heutigen im Oberbegriff genannten „Eurofima“-Wagen zählen. In weiterer Folge wurde dann der Serienwagen entwickelt. Dieser Wagentyp hat die korrekte Bezeichnung UIC-Z-Wagen. Die Wagenfamilie wird aber vielfach irrtümlich auch als „Eurofima“-Wagen bezeichnet. Unter Eurofima ist jedoch eine Finanzierungsgesellschaft zu stehen, die im Eigentum mehrerer Bahnverwaltungen steht und für die Finanzierung von Rollmaterial verantwortlich ist.

Mehrere Bahnverwaltungen haben noch während der 1970er Jahre größere Stückzahlen vom „Eurofima“-Wagen in Dienst gestellt. Beim Wagenmaterial handelt es sich um Abteilwagen erster Klasse mit neun Abteilen bzw. 2 Klasse mit elf Abteilen, die allesamt klimatisiert waren und international einsetzbar sind. Zu den beschaffenden Bahnverwaltung gehörten die Deutsche Bundesbahn (DB), die Italienischen Staatsbahnen (FS), die Österreichischen Bundesbahnen, die Schweizerischen Bundesbahnen, die Belgischen Staatsbahnen (SNCB) und die Französischen Staatsbahnen (SNCF). Die meisten Wagenserien wurden in reinorange abgeliefert. Bei den SBB wurde eine Serie an Liegewagen beschafft, die blau lackiert waren. Die französischen Wagen orientierten sich am Corail-Lackierungsschema. Der Fuhrpark der DB wurde im TEE-Farbschema gehalten. Sämtliche Wagen wurden im Laufe der Jahre bei allen Bahnverwaltung zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Farbschemen versehen.

Der Serienbeschaffung von 500 Wagen ging die Produktion von verschiedenen Prototypwagen ab 1974 voran, von denen insgesamt zehn Wagen gebaut wurden. Die Präsentation der Prototypwagen erfolgte am 25. März 1974 in Basel SBB. Als Gemeinsamkeit der Prototypen geht einher, daß alle Wagen zweitklassig (1./2. Klasse) waren und diese Serie von Wagen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Komponenten ausgestattet waren. Am Bau der Wagen waren die Waggonhersteller LHB (sechs Fahrzeuge), Alsthom (vier Fahrzeuge) und B & N (ein Wagen) beteiligt. Die Wagen waren bei der FS, DB und SNCB mit drei, sechs und zwei Wagen eingestellt. Bei den Laufwerken kamen die Drehgestell-Bauarten Breda, Y32, FIAT, MD36 und MD 37 zur Anwendung. Auch bei den Türensystemen wurde ordentlich getestet, eingebaut wurden solche von Wegmann (drei), Faiveley (vier) und Kieckert (vier), gefolgt von den Energielieferanten BBC (vier), Krupp (sechs) und TCO (einer) bzw. der Hersteller für Klimaanlagen: Friedmann (drei), Luwa (vier), Air-Industries (drei) und BBC (einer). Die Inneneinrichtung teilten sich die Hersteller LHB (sieben) und Quinet (vier Prototypen).

Ein ähnliches Bild hinsichtlich der Zusammenstellung der elf Prototypwagen ergab sich bei der Beschaffung Serienfahrzeuge. 295 Wagen wurden als Wagen 1. Klasse ausgeführt, 205 Stück als Wagen 2. Klasse. Auch hier läßt sich kein klares Bild hinsichtlich des Rollmaterialbedarfs ableiten. Letztendlich fand sich bei der Auftragsvergabe innerhalb der Arbeitsgemeinschaft nur eine Bündelung der Bestellung von Drehgestellen statt. Bei der endgültigen Bestellung der Eurofima-Wagen blieben nur die ÖBB, FS und die SNCB der Vorgabe treu, einheitlich klimatisiertes Wagenmaterial zur Führung gemischtklassiger Qualitätszüge zu führen, dementsprechend verteilt sich das Verhältnis zwischen Erste-Klasse-Wagen und Zweite-Klasse-Wagen von eins zu drei. Die ÖBB beschafften 25 A und 75 B-Wagen; die FS 30 A- und 70 B-Wagen; und die SNCB 20 A- und 60 B-Wagen. Die SBB wollten zunächst sechs Erste-Klasse- und 14 Zweite-Klasse-Wagen beschaffen, schwenkten dann aber auf 20 A-Wagen um. Die DB und die SNCF nutzten die Eurofima-Gemeinschaftsentwicklung zur Beschaffung von je 100 modernen Abteilwagen 1. Klasse. Die DB reihte ihre Wagen als Avmz 207 ein und erhielt diese zwischen 2. März 1977 und 2. Juni 1978. Der Bedarf an 2. Klasse-Wagen war sowohl bei der SNCF als auch bei der DB schon gedeckt. Die SNCF ließ eine große Anzahl Corail-Wagen 2. Klasse mit Klimananlage für sich bauen, bei der DB behalf man sich kurzfristig mit aufgemotzten Altbauwagen des Typs UIC-X Bm 235. Klimatisierte 2. Klasse-Wagen für 200 km/h wurden zunächst mit den Großraumwagen Bpmz 291 beschafft, ab 1988 kamen mit der Bauart Bvmz 185 auch noch klimatisierte Abteilwagen hinzu.

Weitere Bestellungen im Rahmen dieser 500 Wagen-Beschaffung kamen nicht mehr zustande. Die beteiligten Bahngesellschaften beschafften in weiterer Folge eigens konzipierte Wagenbauarbeiten und bestellten diese dann in modifizierter Form bei der heimischen Fahrzeugindustrie.


Modellvorstellung

Piko reiht sich als weiterer Produzent und Hersteller dieser so wichtigen Wagentype für Europa ein, wiewohl die letzte Neukonstruktion eines Mitbewerbers auch schon gut zehn Jahre zurückliegen. Schaut man noch weiter in die Vergangenheit, so war es Roco, der in den 1980er Jahren die ersten langen und maßstäblichen Schnellzugwagen den Markt revolutionierte. Heute sind die maßstäblich konstruierten Schnellzug- bzw. Personenwagen nicht mehr wegzudenken und haben das Sortiment an 1:100-Wagen längst überflügelt.

Die Eurofimawagen wurden vom Sonneberger Hersteller als Neukonstruktion des Jahres 2020 ins Neuheitenprogramm aufgenommen. Der Hersteller hat bei Modellausführungen der DB, der SBB, der ÖBB und der FS in den jeweiligen Ursprungslackierungen angekündigt. Von den Modellen der ÖBB und der FS werden beide Wagenklassen realisiert.

Die Auslieferung der neukonstruierten Wagen erfolgt in der bekannten Piko-Verpackung für Wagen. In der Kartonverpackung ist eine zweiteilige Blisterverpackung eingelegt, mitgeliefert wird ein Zurüstbeutel und eine Betriebsanleitung. Der Zurüstbeutel beinhaltet vier Anbauteile, die die silber-farbigen Trittstufen der Schwenkschiebetüren betreffen. Piko empfiehlt die Montage dieser Teile nur beim Fahrzeugeinsatz ab dem Radius R2 (mind. 422 mm) oder bei Vitrinenmodellen. Zudem sind die Modelle für den nachträglichen Einbau einer LED-Innenbeleuchtung ausgelegt. Für die Montage lassen sich die Gehäuse seitlich speitzen und nach oben abnehmen. Die Konstruktion ist selbstverständlich mit einer Kurzkupplungskulisse versehen, leider werden die neuen Modelle noch nicht mit der neuen Piko-Kurzkupplung bestückt, wie dies bei Mitbewerbermodellen längst Usus ist.

Das neue Wagenmodell ist aus Kunststoff gefertigt und weist zahlreiche feine und tiefe Gravuren auf. Die Wagenenden sind verjüngt umgesetzt, im Wagenmodell sind die Griffstangen als eigene Teile bereits werkseitig eingesetzt, allerdings wurde auf die Nachbildung des Heizkabels verzichtet bzw. gar nicht erst vorgesehen. Als gelungen darf die Nachbildung der Wagenschürze mit den Lüftergittern und sonstigen Apparaturen (Umstellhebel, Bremssteller udgl.) angesehen werden, ebenso auch die Türgriffe und die Schaugläser bei den Türen. Der Kasten mit dem Zuglaufschild erweist sich als Hingucker, insbesondere der silberne Versperrriegel ist als besonderes Detail erwähnenswert. Die Lüftergitter sind feinmaschig graviert und ausgeführt. Die Fenster sitzen paßgenau, teilweise sind Imitationen der Gummifassungen erkennbar. Die Fensterstege sind zierlich ausgeführt, die Lüfterklappen betonen diese Zierlichkeit. Der Blick auf die Stirnwände läßt zunächst aufgedruckte Zugschlußlampen vermuten. Der Lampenring ist mehrfarbig aufgedruckt, die roten Lichtimitationen bestehen aus paßgenauen, rot eingefärbten und eben aufliegenden Kunststoffscheiben. Der Wagenboden ist vorbildgerecht nachgebildet und zeigt verschiedene Aggregatgruppen mit allen Detailierungen. Lackierung und Bedruckung der Modelle ist tadellos.

Die Detailangaben zu den jeweiligen Modellen werden bei den Bildern angeführt, alle Modelle werden zum UVP von € 59,99 angeboten.


Bilder 58530

Der Avmz 207 ist der einzige DB-Wagen, den Piko als Modell angekündigt hat und auch als erstes Modell auslieferte. Der in TEE-Farben gehaltene Wagen ist mit der Betriebsnummer 61 81 19-90 541-2 beschriftet. Am Wagen wird als Heimatbahnhof München-Pasing angegeben, im Revisionsraster stehen die Daten REV Om 02.12.81. Im aufgedruckten Zuglaufschild wird der IC 586 Ernst Barlach von München Hbf nach Hamburg-Altona ausgewiesen, unmittelbar daneben ist noch die Wagennummer 72 aufgedruckt. Somit paßt das Modell ideal zu den früheren Wagensets.


Bilder 58531

Der SBB-Wagen gehört der 1. Wagenklasse an und gehört zur Wagengattung Am. Die Betriebsnummer lautet auf 61 85 19-70 519-7. Der Reinorange lackierte Wagen ist mit dem grauweißen Absetzstreifen versehen und ist mit dem großen SBB-Logo und den Initialien des Unternehmens in allen drei Sprachen versehen. Am Modell ist keine Heimatdienststelle aufgedruckt, sehr wohl aber die Revisionsdaten, die wie folgt lauten: REV 2 Ol 15.02.80. Als weitere Fahrzeugbeschriftungen sind die Wagennummer 112 und der Zuglauf „Schaffhausen – Zürich HB – Gotthard – Chiasso – Milano C“ zu nennen.


Bilder 58532

Im Neuheitenprogramm wurden von den UIC Z1-Wagen auch die Ausführungen der ÖBB in reinoranger Farbgebung angekündigt. Die Modelle orientieren sich im Ablieferungszustand, wobei Piko darauf geachtet hat, keine Wagennummern zu verwenden, die bislang schon als Modelle erschienen sind. Das Modell des 2. Klasse-Wagens ist mit folgenden Fahrzeuganschriften versehen: Gattungsbezeichnung Bmoz, Wagennummer 61 81 21-71 048-6, Heimatbahnhof: Wien Westbf., Revisionsanschriften REV Wn 13.04.77. Das Modell ist sauber lackiert und bedruckt, kurios erscheint nur die aufgedruckte Ordnungsnummer 149 am Modell, die in keinem direkten Zusammenhang steht. Das Modell ist ohne aufgedruckten Zuglaufschild generell frei verwendbar. Die silbernen Klapptritte liegen als Zurüstteile bei.


Bilder 58533

Als Ergänzung für den Bmoz steht die Ausführung als 1. Klasse-Wagen zur Verfügung. Das Modell entspricht einer anderen Bauform und weist als solche größere Abteile auf. Der ÖBB-Eurofima-Wagen ist mit der Gattungsbezeichnung Amoz, der Wagennummer 61 81 19-71 004-3 bei gleichem Heimatbahnhof beschriftet. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV WN 06.04.77. Als aufgedruckte Ordnungsnummer ist die 141 aufgedruckt. Auch dieses Modell wird ohne aufgedrucktes Zuglaufschild ausgeliefert. Der UVP beträgt wie bei den zuvor ausgelieferten Modellen € 59,99.


Bilder 58534

Als letzte Eurofima-Wagen seien noch jene der FS genannt, die Piko als Neukonstruktion 2020 angekündigt hat. Der vorliegende Wagen gehört der 1. Wagenklasse an und ist mit der Gattungsbezeichnung Az und der Wagennummer 61 83 19-90 013-9 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist Milano C. genannt. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV Vl. O. 02-10-78. Interessant ist, daß der Wagen nur für 180 km/h lauffähig ist und keine Ordnungsnummer aufgedruckt hat. Im Zuglaufkasten wird der Zuglauf mit Stuttgart – Singen – Schaffhausen – Zürich HB – Gotthard – Chiasso – Milano C – Genova B. angegeben. Das Modell wird zum UVP von 59,99 angeboten.


Bilder 58535

Natürlich ist auch die 2. Klasse-Ausführung von Piko erhältlich, die ebenfalls zum UVP von € 59,99 erhältlich ist. Auch dieser Wagen ist nur 180 km/h lauffähig und ist mit der Gattungsbezeichnung Bz bzw. der Wagennummer 61 83 21-90 028-3 angeschrieben. Als Firmenlogo der FS wurde die alte, ovale Form verwendet. Heimatbahnhof ist wiederum Milano C, und die letzten Revisionsangaben weisen die Daten REV Vl. O. 12-09.79 aus.


Bilder 58536

Die ÖBB haben vor gut einem Jahrzehnt im großen Stil ihre Flotte an Fernverkehrswagen ins Ausland verkauft, ohne daran zu denken, diese für eigene Verkehre noch zu benötigen. Der Verkauf dieser Flotte führte die Wagen ins Nachbarland Tschechien. Ein Teil der Wagen übernahm die CD, der Großteil jedoch Regiojet. Da Regiojet die Wagen äußerlich neu lackierten und im Innenraum modernisierten, wurden lediglich die Betriebsanschriften und die Immatrikulation geändert. Das Modell ist daher mit der neuen Betriebsnummer A-RJ 61 81 21-91 069-8 Bmz. Als Heimatbahnhof ist Praha-Smichov angeschrieben und im Revisionsraster ist als letzte Untersuchungsdatum die Angabe REV K 12.10.15 vermerkt. Piko bietet den Einzelwagen zum UVP von € 62,99 an.


Modellvorstellung 58222

Zum Einzelwagen der 2. Klasse hat Piko auch ein Wagenset Regiojet mit Eurofima-Wagen der 1. und der 2. Klasse aufgelegt. Bei den Modellausführungen handelt es sich um ehemalige, übernommen Fahrzeuge der ÖBB, was an der Immatrikulierung erkennbar ist. Das Set ist zum UVP von € 124,99 erhältlich.


Bilder 58222/1

Regiojet-Eurofimawagen 1. Klasse, angeschrieben als Am 013 bzw. A-RJ 61 81 18-91 013-1 Ampz mit Heimatbahnhof Praha-Smichov und den Revisionsanschriften REV K 13.04.16.


Bilder 58222/2

Der optische Unterschied zum 1. Klasse-Wagen fällt vorab durch das rote Dach auf, wenn man von Detail spezifischen Wagenanschriften absieht. Das Modell wird bei Regiojet als Bm 017 bzw. A-RJ 61 81 28-91 017-0 Bmz geführt. Der Heimatbahnhof ist ident, bei den Revisionsdaten finden sich die Angaben REV K 15.02.16.


Bilder 58537 – SBB 1. Klasse

Die SBB haben von den Eurofima-Wagen nur die Ausführung der 1. Klasse beschafft. Die Flotte erhielt im Laufe der 1990er Jahre eine Neulackierung in der grauen EC-Lackierung. Piko hat dieses Vorbild für die Modellumsetzung ausgewählt und liefert daher den Am 61 85 19-90 513-6 aus. Beim genaueren Hinsehen fallen sofort die feinen Fensterstege auf. Im Zuglaufkasten ist das Zuglaufschild für den EC 7 LÖTSCHBERG abgedruckt. Das Modell ist sauber lackiert und bedruckt. im Revisionsraster finden wir die letzten Untersuchungsdaten REV 4 Zü 11.05.93. Piko hat für das aufwendig lackierte Modell einen UVP von € 62,90 angesetzt.