Märklin/Trix 25089: ÖBB 1189.04

Im Zuge der Arlbergbahn-Elektrifizierung war auch die Beschaffung von neuen Schnellzugloks vorgesehen. Besondere Probleme bereitete zu dieser Zeit die noch geringe Achslast und auch die Leistung solcher Maschinen. Eine Lösung sah man in der Anlehnung an das Konzept der Schweizer Krokodile, Ce 6/8 II, nach dem die BBÖ durch geringfügige Modifikationen 1923/24 zunächst sieben Loks als Reihe 1100 (ÖBB 1089, 1800 kW bei 65 km/h), gebaut von BBC und Lofag, in Dienst stellte. In den Jahren 1926/27 folgten dann noch neun weitere, gleichartige Maschinen, allerdings mit erhöhter Leistung, die bei den BBÖ die Reihenbezeichnung 1100.100 erhielten. Beide Lokreihen waren bis ca. 1950 im Direktionsbereich Innsbruck im Einsatz, wo sie Schnellzüge am Arlberg und Brenner bespannten. Sie wanderten dann sozusagen ins Ausgedinge ins Salzkammergut ab, wo sie von Attnang-Puchheim aus sowohl vor Personenzügen als auch vor Güterzügen eingesetzt wurden. Alle Maschinen waren bis 1979/80 ausgemustert und blieben entweder auf Denkmalsockel oder in Museen erhalten. Die 1089.06 ist die einzig erhalten gebliebene Lok dieser Reihe, sie kann im Verkehrshaus Schweiz in Luzern bestaunt werden. Die 1189.02 und 05 verblieben betriebsfähig in Österreich, wobei erstgenannte heute im Rahmen des ÖBB-Nostalgieprogramms als BBÖ 1100.102 überwiegend im Wiener Raum zum Einsatz kam. Heute ist keine der noch vorhandenen Loks betriebsfähig. 1189.02 (BBÖ 1100.102) und 1189.05 stehen heute in Ampflwang.


Modellvorstellung

Es gibt Jahre, die für die heimischen Modellbahner keine Besonderheiten zu bieten haben, aber es gibt auch Spielwarenmessen, die für richtige Highlights sorgen. 2021 war so ein Jahr, als Märklin völlig überraschend die Neukonstruktion einer ÖBB-Lok bekanntgab, und zwar der ÖBB-Reihe 1189. Die Neuheitenankündigung war sicherlich durch den Wechsel von Reinhard Reindl von Salzburg nach Göppingen bedingt, unklar ist und war, aus welchem Motiv? Schon lange geistere beim alten Arbeitgeber das Gerücht herum, die 1189 in zeitgemäßer Ausfertigung überarbeiten zu wollen, allerdings sei man auf Granit gestoßen. In dieses Gerücht würde auch das plötzliche Ausscheiden und der spätere Wechsel von der Nr. 2 zur Nr. 1 in der Branche erklären. In Salzburg meinte man dazu, daß eine Überarbeitung der 1189 offiziell nie ein Thema war. Jedenfalls werden wir nie die ganze Wahrheit in Erfahrung bringen, die Ankündigung der ÖBB-Reihe 1189 wurde letztes Jahr in der Branche als Zaunpfahl empfunden, wiewohl auch die Frage aufkeimte, warum nicht eine 1089 und eine zweite 1189?

Die Nachfrage beim Branchenprimus mit den Marken Märklin und Trix brachte die Information, daß man sich mit der 1189 mehr Möglichkeiten bei der Umsetzung von Modellen erhoffte. Man wird künftig stehen, wie sich die Aussagen und die Einschätzungen entwickeln. Ungeachtet dessen hat die Herstellergruppe aus Göppingen je ein Modell für den Zweileiter-Markt bei Trix unter der Artikelnummer 25089 angekündigt und ein Modell für den Dreileiter-Markt bei Märklin mit der Artikelnummer 35089. Der aufgeschlagene UVP beträgt jeweils € 549,–.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bekannten Verpackungsform von Märklin bzw. Trix. Nach dem Abzug des Kartonschubers wird die stabile Plastikverpackung zugänglich, in welchem das Modell mit nochmaligen Plastikschuber mit zwei seitlichen Abdeckungen sicher für den Transport eingelegt ist. Auf das Modell wurde noch eine Folie sowie ein Filzstreifen gelegt. Das Modell liegt ein Zurüstbeutel bei, das sind Teile zur Aufrüstung des Modells für die Pufferbrust sowie weitere Anbauteile für die Vitrinenausführung am Umlaufblech. Die Betriebsanleitung und die sonstigen Dokumente sind in einer seitlichen Ausnehmung in der Kartonschachtel eingeschoben, dabei sind diese Dokumente durch eine zusätzliche Kartonhülle umschlossen.

Technik

Der Hersteller hat die Neukonstruktion nach den neuen Antriebsprinzipien konzipiert, und das Modell mit einem Kardanantrieb ausgestattet. Alle technischen Komponenten sind unter den drei Gehäuseteilen verstaut. Das Entnehmen dieser Teile ist infolge der Metallkonstruktion aufwendiger als ein nur aufgesetztes Kunststoffgehäuse. Um das Mittelgehäuse zu entfernen, müssen zunächst vier Schrauben an der Unterseite gelöst und entfernt werden, dann ist dieses Gehäuseteil nach oben abnehmbar. Im Maschinenraum ist die Fahrzeugplatine untergebracht, der auch den mfx+-Decoder enthält. Mit diesem Decoder lassen sich verschiedene betriebliche Spielereien in Kombination mit einer Märklin Central Station 3 umsetzen. Unter der Platine befindet sich der Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen. An der Motorwelle sind zwei kurze Kardanwellen angesetzt, die das Drehmoment über ein Zahnradgetriebe auf die mittlere Kuppelachse übertragen. Die anderen Achsen werden über die Kuppelstangen mitgenommen, wobei nur eine dieser über Zahnrad angetriebene Kuppelachse beidseitig mit Haftreifen bestückt ist. Die Beweglichkeit der Konstruktion ist mehrfach umgesetzt und betrifft nicht nur die beiden Laufwerke, sondern auch alle Achsen, die über ein unterschiedliches Seitenspiel verfügen. Die jeweiligen Innenachsen (3. und 4. Kuppelachse) sind noch zusätzlich vertikal gefedert. Die Vorlaufdrehgestelle weisen einen zentralen Drehpunkt mit dem Laufwerk auf, darin ist der Kurzkupplungsschacht nach NEM integriert.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten der Modelle ist hervorragend. Das Gleichstrom-Modell fährt völlig geräuschlos auf der Anlage. Die Fahreigenschaften sind absolut top. Mit einem Eigengewicht von 448 Gramm ist auch die Zugkraft absolut zufriedenstellend. Das Vorbild erreichte auf dem Schienennetz eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Das Modell erreicht bei 12 V Gleichstrom eine Modellgeschwindigkeit von umgerechnet ca. 44 km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 41 % zu langsam, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um 71 % zu niedrig.

Optik

Das neue ÖBB-Modell aus Göppingen macht grundsätzlich einen hervorragenden Gesamteindruck, allerdings hat man das Gefühl, daß einzelne Detaillierungen an den Gehäuseteilen besonders wuchtig wirken. Die Metallausführung hinterließ keine negativen Abstriche in der Modellumsetzung und in der Ausführung einzelner Bauteile. Der Blick auf die Vorbauten offenbart feinst nachgebildete Nietreihen, Abdeckungen oder Klappdeckel und paßgenau eingesetzte Griffstangen aus Metalldraht. Die seitlichen Lüftergitter ragen markant aus der Gehäuseform, ebenso die seitlichen, ovalen Klappdeckel oder die Lokbeschilderung. Auf den vorderen Plattformen befindet sich ein aufgesetzter Werkzeugkasten. Sehr schön modelliert sind die Scheinwerfer mit richtiger Positionierung der Loknummern. Störend wird der Spalt zwischen dem Maschinenhaus und den Vorbauten.

Das Mittelgehäuse kommt mit weniger Details wie die Vorbauten aus, doch auch hier sind die feinen Gravuren der Lüftergitter bzw. -schlitze zu nennen. Die Griffstangen sind als extra angesetzte Bauteile ausgeführt. Alle Fenster wurden gummigefaßt ausgeführt, wobei die Maschinenraumfenster mit reliefartigen Aggregatnachbildungen versehen sind. Das Dach weist zwei neukonstruierte Scherenstromabnehmer mit Wanisch-Paletten auf. Auch diese wirken eher klobig und wohl auf Langlebigkeit beim Betrieb mit angelegter Oberleitung ausgelegt. Natürlich wurde auch das Dach mit allen Details umgesetzt, originell wirken die geringelten Leitungen zum Stromabnehmer hin.

Das Laufwerk verdient eine gesonderte Betrachtung. Die Achsen sind aus Metall gefertigt und zeigen fein ausgeführte Speichen mit ebenfalls schön ausgeführten Gegengewichten, die in Eisengrau lackiert sind. Die Blindwelle weist alle Details auf. Das Bremsgestänge ist auf einer Ebene platziert, die Bremsklotze liegen auf Radlaufebene. Beachtenswert sind auch die feinst ausgeführten Rohrleitungen unterhalb des Umlaufes bzw. die Rohrleitungen des Ölkühlers des Trafos. Die Kuppelstangen scheinen aus Bleich gestanzt zu sein und sind in der Narbe farblich rot hinterlegt.

Farbgebung und Beschriftung

Die Lackierung des gegenständliches Modells ist aufgrund des konstruktiven Aufbaus einfach umzusetzen, da keinerlei Farbtrennkanten vorhanden sind. Das Modell ist tadellos lackiert und bedruckt. Alle Anschriften sind gut lesbar angebracht. Als umgesetztes Modell diente die 1189.04. Die Lok ist in Attnang-Puchheim beheimatet und weist in der Bremstafel als letztes Untersuchungsdatum die durchgeführte Bremsuntersuchung der HW Linz vom 06.09.1972 aus.

Beleuchtung

Die ÖBB-Neukonstruktion ist mit wartungsarmen, weißwarmen LED bestückt. Die Leuchtstärke ist angenehm und nicht zu hell. Die Ansteuerung erfolgt fahrrichtungsabhängig, und zwar dreimal weißes Spitzenlicht vorne bzw. ein rotes Schlußlicht hinten. Das sind die Funktionen im analogen Bereich. Wer das Modell auf einer Digitalanlage betreibt, kann sich zudem über schaltbare Führerstands- und Maschinenraumbeleuchtungen freuen, zudem ist das Spitzen- und Schlußlicht individuell schaltbar. Die serienmäßige Ausstattung beider Modelle mit einem Digitaldecoder gestattet die individuelle Zu- und Abschaltung des Loksounds sowie anderer Betriebsgeräusche.


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