Märklin 47300 / 47303 – DB-Schiebedach-/Schiebewandwagen-Set Tbis 871 / SJ Tbis
Für den Transport von witterungs- oder nässeempfindlichen Gütern nahmen die europäischen Eisenbahnverwaltungen verschiedene Fahrzeugtypen in Betrieb, die aus unterschiedlichen Bauarten bestehen und allesamt über ein öffnungsfähiges Dach verfügen. Das Bezeichnungsschema der UIC kennt daher Wagen mit öffnungsfähigen Dach mit dem Gattungsbuchstaben T.
Die Wagen mit öffnungsfähiges Dach basieren auf offene bzw. geschlossene Güterwagen oder auf Trichterwagen, deren Ladefläche jedenfalls über ein bewegliches Dach zugänglich ist und das Be- und Entladen mit Kräne oder anderen Hilfsmitteln möglich ist. Die offenen und geschlossenen Wagen verfügen über seitliche Zugangstüren, entweder über kleine Seitentüren bzw. bis zur halben Wagenlänge geführte Schiebewände. Bei den Trichterwagen erfolgt die Entladung durch das Betätigen von Schiebern.
Die genaue Baubezeichnung ergibt sich aus der Gattungsbezeichnung, die je nach genauen Verwendungszweck leicht differieren kann. Güterwagen mit der Gattungsbezeichnung Tbis sind europaweit vielfach verbreitet im Einsatz und zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
T – Wagen mit öffnungsfähigen Dach
b – Ladelänge ≥ 12 m
i – mit Schiebewänden
s – geeignet für Züge bis 100 km/h
Die Deutsche Bundesbahn stellte bereits im Jahre 1957 mit den Wagen der Gattung Kmmgks 58 (Tims 858) die ersten Wagen mit öffnungsfähigen Seitenwänden und einem Hubschiebedach in Dienst.
Diese Fahrzeuge wiesen das Untergestell der Kmmks 51 (Tms 851) mit einer Länge von 10.000 mm auf. Die Wagen setzten sich aufgrund des Vorzugs einer schnellen Be- und Entladung durch, zumal immer mehr Güter auf Paletten verladen wurden. Deshalb beschaffte die DB ab 1960 eine weitere Bauart von Schiebewandwagen mit Schiebedächern. Die als Klmmgks 66 bezeichneten Wagen wiesen nun jedoch eine Länge von 14.000 mm und damit auch eine vergrößerte Ladelänge auf. Auch konnte die Höhe der Ladetüren um 7 cm auf 2,07 m erhöht werden. Die Klmmgks 66 besaßen – wie ihre Vorgänger – auf jeder Seite zwei Schiebetüren mit einer mittleren Stützsäule und ein zweiteiliges Schiebedach.
Außerdem entstand im Jahre 1961 der erste Probewagen mit drei seitlichen Schiebetüren, von denen die mittlere etwa halb so lang war wie die beiden äußeren. Ein Jahr später begann die Serienfertigung dieser Fahrzeuge, die als Klmmgks 68 (Tbis 871) in Dienst gestellt wurden.
Die Fertigung der Klmmgks 66 (Tbis 870) begann im Jahre 1960 und dauerte bis 1966. Insgesamt wurden 2.480 Fahrzeuge gebaut. Ab 1962 wurden parallel dazu die Klmmgks 68 (Tbis 871) geliefert. Von ihnen entstanden bis 1963 1.059 Serienfahrzeuge
Das Laufwerk beider Bauarten besteht aus rollengelagerten Monobloc-Radsätzen nach UIC-Vorschriften. Abgefedert sind die Wagen über neunlagige Trapezfederblöcke. Der Wagenkasten ist über ein Doppelschakengehänge mit den Federblöcken verbunden. Da die Fahrzeuge für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h zugelassen sind, verfügen sie über eine Knorr-Druckluftbremse der Bauart KE-GP. Diese Bremsbauart weist einen Bremsgestängesteller und eine zweistufige, von Hand umzustellende, mechanische Lastabbremsung auf.
An den Stirnseiten sind vier Hochleistungspuffer und normale Zugvorrichtungen mit Schraubenkupplungen und Zughaken vorhanden. Der komplette Zugapparat ist im mittleren Langträger untergebracht. Während bei den Tbis 870 auf eine Handbremse verzichtet wurde, sind die Tbis 871 die einzigen Schiebewandwagen, die teilweise mit einer Handbremse ausgestattet sind. Sie wird über eine Handspindel an der Bremserbühne bedient.
Das Untergestell ist aus Stahlträgern zusammengeschweißt. Die äußeren Langträger sind in der Mitte fischbauchartig ohne Aussparungen verstärkt. Eine Diagonalverstrebung ist nicht vorhanden, dafür zwei starke, kastenförmige Pufferträger, welche bei einigen Wagen der Gattung Tbis 871 auf einer Seite um eine 500 mm lange Bremsbühne verlängert sind. Der Wagenkasten besteht hauptsächlich aus den beiden festen Stirnwänden und den zwei (Tbis 870), bzw. vier (Tbis 871) festen Kastensäulen. Stirnwände und Kastensäulen sind durch Hohlprofilobergurte miteinander verbunden.
Ferner sind die Kastensäulen, in denen die Wandverschlüsse untergebracht sind, oben durch Querprofile verbunden. Diese Konstruktion gewährleistet eine genügende Steifigkeit des Aufbaus. Die Seitenwände selbst bestehen nur aus zwei oder drei Schiebetüren, die sich jeweils einzeln öffnen lassen. Sie schieben sich dabei übereinander, sodaß immer nur ein Teil der Wand geöffnet werden kann. Aus Gewichtsgründen sind sie wie das Schiebedach aus einer Aluminiumlegierung hergestellt.
Bei den Schiebetüren existieren zwei verschiedene Bauarten. Die Tbis 870 der Baujahre bis 1962 verfügen über Türen, die zur Versteifung nach außen gewölbt sind und zwei waagrechte „Knicke“ aufweisen. Wagen späterer Baujahre und die Tbis 871 weisen ebene Türen auf. Diese sind durch zwei aufgesetzte, waagrechte Stahlprofile gegen Verformung geschützt. Die Schiebetüren laufen auf kugelgelagerten Rollen und werden in geschlossenem Zustand durch einen Drehriegelverschluß verriegelt. Da sie sich beim Öffnen übereinander schieben, wird jeweils nur ein Teil des Wagens zur Beladung freigegeben.
Die lichte Öffnungsweite beträgt bei den Tbis 870 2 x 5.660 mm. Bei den Tbis 871 weisen die äußeren Türen eine lichte Weite von 4.350 mm auf, die Mitteltüren eine von 2.500 mm. Der Fußboden besteht aus Kiefernholzbrettern mit Nut und Feder.
Zur Unterteilung des Innenraums und zur Sicherung des Ladegutes gegen Verrutschen sind im Kastenobergurt und im Bodensaum im Abstand von 54 mm Löcher vorhanden. In diese Löcher können bewegliche Rastschienensäulen eingesetzt werden. Zwei gegenüberliegende Säulen können in beliebiger Höhe mit waagrecht liegenden Festlegeholmen verbunden werden. Jeder Wagen verfügt über vier Paar Rastschienensäulen, die bei Nichtbenutzung in Halterungen oben an den Stirnwänden verstaut werden. Die Anzahl der Festlegeholme variiert und ergibt sich aus dem Einsatz der Wagen.
Das zweiteilige Leichtmetall-Schiebedach besteht aus zwei gleichen Hälften. Es ist auf Rollen gelagert, wird manuell geöffnet und läuft in Bahnen auf den Obergurten. Die Betätigungseinrichtung auf dem Wagend ach kann über Stirnwandleitern und Plattformen an den Stirnwänden erreicht werden. Da sich bei geöffnetem Dach eine Dachhälfte über die andere schiebt, ergibt sich eine maximale Ladeöffnung von etwa der halben Wagenlänge. Die Öffnungsweite beträgt 2 x 6.000 mm.
Das Laufwerk und das Untergestell wurden zunächst schwarz gestrichen. Stirnwände, Seitensäulen und Querjoch erhielten einen rotbraunen Anstrich. Die Leichtmetalltüren blieben unlackiert. Später bekamen einige Wagen rotbraune Laufwerke und Untergestelle. Die Anschriften wurden zunächst schwarz auf den Schiebetüren angebracht. Später wurde dafür ein Hellgrau verwendet.
Die Fahrzeuge beider Gattungen sind für den Wagenladungsverkehr, d.h. für den Transport sperriger Güter (Maschinen etc.), und auf Paletten verladener Waren und Kleinbehälter geeignet. Das Fassungsvermögen beträgt 36 einstöckig verladene Pool-Paletten. Es dürfen jedoch keine Tiere und Güter transportiert werden, die belüftet werden müssen, denn es sind keine Lüftungsöffnungen vorhanden. Die Wagen können mittels Kran oder Gabelstapler be- und entladen werden. Zusätzlich können die Tbis 871 auch im Stückgutverkehr eingesetzt werden. Dafür werden die äußeren Ladetüren von innen verriegelt und die Wagen durch die mittleren Schiebetüren be- und entladen.
Im Laufe der Zeit ist ein Teil der 500 mm langen Bremserbühnen der Tbis 871 durch nur noch 250 mm lange Stege ersetzt worden. Die Fahrzeuge beider Gattungen sind inzwischen am Ende ihrer Nutzungszeit angekommen und werden nach und nach ausgemustert. Ende 1998 war der Bestand auf ca. 230 Wagen pro Gattung zurückgegangen.
Die Deutsche Bundesbahn nahm mehrere Bauserien der Wagengattung Tbis in Betrieb. Für die Serienlieferung des Tbis 871 wurde bereits 1961 ein Versuchswagen auf Basis des Klmmgks 66 gebaut, der in seiner Charakteristik über ein zweiteiliges Hubschiebedach und dreiteilige Schiebetüren verfügte. Die Schiebetüren waren eben ausgeführt und besaßen aufgeschweißte Verstärkungsprofile. Die Serienausführung wurde bezüglich der Verstärkungsprofile auf den Schiebetüren in abweichender Positionierung ab 1962/63 gefertigt. Die DB beschaffte 1.059 Klmmgks 68; bei der Ablieferung erfolgte bereits die Beschriftung mit der neuen Gattungsbezeichnung Tbes-t-68. Sie trugen die Nummerngruppen 571 5 000 bis 571 6 059 bzw. wurden später in 078 0 000 bis 078 1 059 umgezeichnet. Die Berücksichtigung einer 500 mm langen Handbremsebühne erfolgte nur bei einem Teil der Wagenfamilie. Die DB AG übernahm 1994 noch 840 derartige Wagen in ihren Bestand.
Modellvorstellung
Märklin hat zur Spielwarenmesse 2015 in seinem Neuheitenprogramm die Neukonstruktion des DB-Güterwagens Tbis 871 als Viererset und als Einmalserie mit der Artikelnummer 47300 (UVP € 139,95) angekündigt. Die Auslieferung erfolgte im Sommer 2016 in den Fachhandel.
Märklin liefert die Modelle entgegen den Angaben im Neuheitenprospekt ohne stirnseitige Bühnen aus, wie diese auch auf den Vorbildfotos zu sehen sind. Umgesetzt wurden die Fahrzeuge jedoch im verwitterten Zustand, indem alle Wagen mit unterschiedlichen Ausbesserungsflächen versehen sind. Diese Stellen sind farblich abgehoben und sind auch an den Modellen durch den erhabenen Zustand optisch sehr gut zu erkennen. Ansonsten geben Lackierung und Bedruckung keinen Grund zur Beanstandung und sind sauber ausgeführt.
Die Wagen sind vollständig aus Kunststoff gefertigt und sauber graviert. Die Seitenwände weisen eine hervorragende Tiefenoptik auf. Die Nietenreihen kommen dabei auch sehr gut zur Geltung, negativ fallen die Vereinfachungen der Handgriffe bzw. der Wagenverschlüsse auf. Weitere Vereinfachungen sind an den Stirnwänden bei den Aufstiegsleitern zu erkennen, wiewohl auch die zweischienigen Noppen-/Lochreihen an der Dachoberkante sowie auch die Verschlußhebel des Schiebedaches etwas flach wirken. Positiv wirken wiederum die fein geriffelten Trittflächen der am Dach befindlichen Trittbühnen. Die Hebel der Bremsanlage sind ebenfalls sehr flach konstruiert, wurden jedoch farblich vom der braunen Lackierung abgehoben. Die Laufwerke und die Blattfedern sind dafür sauber modelliert. Die Neukonstruktion besitzt natürlich eine Kurzkupplungskulisse. Der Wagenboden ist vereinfacht dargestellt.
Alle Wagen sind einzeln verpackt und tragen folgende Fahrzeugdaten:
47300-01: 21 80 571 5 968-1, REV EPD X 20. 2.85
47300-02: 21 80 571 5 976-4, REV EPD X 27. 2.85
47300-03: 21 80 571 5 321-3, REV EPD X 25. 1.85
47300-04: 21 80 571 6 024-2, REV EPD X 05. 3.85
Bilder – 47300-01
Bilder – 47300-02
Bilder – 47300-03
Bilder – 47300-04
Modellvorstellung 47303 – SJ Tbis
Märklin hat im Rahmen seiner Jahresneuheiten dieses Wagenset der SJ aufgelegt und sich dabei seiner bestehenden Werkzeuge bedient. Modelle der Bauart Tbis finden sich schon viele Jahre im Sortiment des Branchenführers, wobei die Ausführung mit den gewölbten Schiebetüren gewählt wurde. Die Modellumsetzung der drei Güterwagen erfolgte für die Epoche IV, wobei als Besonderheit die beweglichen Schiebedächer zu nennen sind. Märklin hat die Schiebedächer aus Metall gefertigt, welche in eigenen Führungsschienen eingesetzt sind. Damit die beweglichen Dächer auch in der Grundstellung bündig aufliegen, wurde in Wagenmiete ein Magnet integriert, der diese nach unten fixiert. Die Modelle sind grundsätzlich rotbraun lackiert, alle beweglichen Teile sind silbern ausgeführt. Als Novum wäre noch anzuführen, daß die Bremssteller in unterschiedlichen Farben bedruckt sind. Das Wagenset wird zum UVP von € 135,– im Fachhandel vertrieben.
Bilder Märklin 47303/1
Das erste Güterwagenmodell mit der Gattungsbezeichnung Tbis ist mit der Wagennummer 21 74 571 5 398-9 bedruckt. Der RIV-fähige Güterwagen ist mit den Revisionsanschriften 4 REV R4 15.10.85 bedruckt.
Bilder Märklin 47303/2
Der zweite Tbis weist die Wagennummer 21 74 571 5 215-5 und die Untersuchungsdaten 4 REV R4 15. 8.85 auf.
Bilder Märklin 47303/3
Der dritte Schiebedach- bzw. Schiebewandwagen ist mit der Wagennummer 21 74 571 5 472-2 sowie den Revisionsanschriften 4 REV R4 15. 4.85 bedruckt. Die Fotos zeigen den Güterwagen mit offenen Dach, welches sich ganz öffnen läßt. Die magnetische Verbindung am Mittelsteg sorgt für einen betriebssichere Auflage am Obergurt des Wagens und garantiert einen betriebssicheren Einsatz auf der Anlage.

































