Die Eurofimawagen von Roco: ÖBB / CD / DB-Mietwagen (6200187)
Als die EU noch in den Kinderschuhen steckte und EG hieß, installierten mehrere Bahngesellschaften einen Leuchtturm der Zusammenarbeit, der heute noch flackert.
Ab 1968 setzten sich die Bahnen der TEE-Gruppe auf multidisziplinärer Ebene mit der Entwicklung des künftigen internationalen Personenverkehrs auseinander. Die Zeichen der Zeit sprachen gegen das Konzept der elitären TEE-Züge und damaligen Erste-Klasse-IC beziehungsweise -Rapidi. Der Durchbruch zu den gemischtklassigen Qualitätszügen zog sich in einzelnen Ländern letztlich noch lange hinaus, bei der DB bis zum IC79 und in Italien gar bis 1984. Der gemischtklassige 4010-Triebzug „Transalpin“ der ÖBB war 1965 noch als „Proleten-TEE“ verspottet worden, in diese Umbruchphase fiel im März 1969 der Startschuss zur gemeinsamen Entwicklung und Beschaffung eines neuen Standard-Personenwagens gehobener Qualitätsstufe durch DB, FS (Italien), ÖBB (Österreich), SBB (Schweiz), SNCB (Belgien) und SNCF (Frankreich). Wagenkonstrukteure der beteiligten Bahnen erstellten zusammen mit Sachverständigen der Betriebs- und der kommerziellen Dienste ein Lastenheft zur Vorbereitung einer Ausschreibung. Mit deren materieller Organisation wurde per 14. Dezember 1970 die Eurofima (Europäische Gesellschaft zur Finanzierung von Eisenbahnmaterial) beauftragt – im Umfang von zehn Prototypwaggons und 500 späteren Serienwagen.
Die Komfortwagen, als Einheitswagen Typ Z im neuen UIC-Codex 567-2 benannt, glichen in ihren äußeren Abmessungen dem Einheitswagen Typ X mit einer Länge über Puffer von 26,4 Metern, einem Drehzapfenabstand von 19 Metern und sechs Sitzplätzen je Abteil. Dagegen wurden nur elf Abteile je Wagen in der zweiten Klasse und neun in der ersten vorgesehen. Die Länge der 2.-Klasse-Abteile bringt mit 1888 Millimetern so mehr Beinfreiheit (gegenüber 1737 Millimetern beim UIC-X, dessen Grundriss noch vom C4ümg-54 der DB stammt), in der 1. Klasse 2306 Millimeter. Großraumwagen für den internationalen Fernverkehr, mit denen das Reisepublikum heute gerne (zwangs-)beglückt wird, waren um 1970 im Entscheidungsprozess für die neue Wagengeneration Z überhaupt noch kein Thema. Nach den Festlegungen der UIC sollte der Einheitswagen als Typ Z Klimaanlagen erhalten, um das Komfortangebot im Fernverkehr anzuheben und 200 km/h Höchstgeschwindigkeit zu ermöglichen. Klimaanlagen setzen definierte Luftströmungsverhältnisse voraus, die nicht durch geöffnete Fenster gestört werden dürfen. Bei den nicht zu öffnenden Fenstern sind goldbedampfte lsolierglasscheiben von innen eingelegt und elastisch gehalten. Herausziehen des Gummieinsteckprofils löst die Scheibe zum Notausstieg. Bei Ausfall der Klimaanlage kann bei jedem Abteilfenster und bei drei Seitengangfenstern eine Klappe zur Notbelüftung geöffnet werden. Die Normierung umfasste auch eine Version Z2 für 160 km/h, die ohne Klimatisierung auskommt. Die Bauart der Türen (Schwenkschiebe- oder Drehfalttüren) ist übrigens von UIC nicht normiert.
In den 1970er Jahren wurden elf Prototyp-Wagen neuer Personenwagen konstruiert, die als Vorläufer zu den heutigen im Oberbegriff genannten „Eurofima“-Wagen zählen. In weiterer Folge wurde dann der Serienwagen entwickelt. Dieser Wagentyp hat die korrekte Bezeichnung UIC-Z-Wagen. Die Wagenfamilie wird aber vielfach irrtümlich auch als „Eurofima“-Wagen bezeichnet. Unter Eurofima ist jedoch eine Finanzierungsgesellschaft zu stehen, die im Eigentum mehrerer Bahnverwaltungen steht und für die Finanzierung von Rollmaterial verantwortlich ist.
Mehrere Bahnverwaltungen haben noch während der 1970er Jahre größere Stückzahlen vom „Eurofima“-Wagen in Dienst gestellt. Beim Wagenmaterial handelt es sich um Abteilwagen erster Klasse mit neun Abteilen bzw. 2 Klasse mit elf Abteilen, die allesamt klimatisiert waren und international einsetzbar sind. Zu den beschaffenden Bahnverwaltung gehörten die Deutsche Bundesbahn (DB), die Italienischen Staatsbahnen (FS), die Österreichischen Bundesbahnen, die Schweizerischen Bundesbahnen, die Belgischen Staatsbahnen (SNCB) und die Französischen Staatsbahnen (SNCF). Die meisten Wagenserien wurden in reinorange abgeliefert. Bei den SBB wurde eine Serie an Liegewagen beschafft, die blau lackiert waren. Die französischen Wagen orientierten sich am Corail-Lackierungsschema. Der Fuhrpark der DB wurde im TEE-Farbschema gehalten. Sämtliche Wagen wurden im Laufe der Jahre bei allen Bahnverwaltung zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Farbschemen versehen.
Die ÖBB haben ihre in den 1970er- und 1980er Jahren beschafften Wagen in reinoranger Farbgebung mit hellgrauen Absetzstreifen in Dienst gestellt. Die Wagen wurden im hochwertigen Schnellzugverkehr auf der Westbahnstrecke eingesetzt. Als im Zuge des Jubiläums 150 Jahre Eisenbahn in Österreich DI Valousek mit neuen Design herumexperimentierte, hat er auch diese Wagenfamilie in den Farbtopf geworden. Die ersten neulackierten Wagen waren noch in blutorange/umbragrau lackiert, später wurde der Farbton Blutorange gegen das dünklere Verkehrsrot ersetzt. Dieses Farbschema war lange Zeit in Betrieb und zeigte damals eine moderne ÖBB. Das aktuelle Farbschema wurde erst im neuen Jahrtausend unter DI Dr. Wehinger ins Leben gerufen, indem die Schnellzugwagen quasi weiße „Lazarett-Lackierung“ erhielten. Neben der Neulackierung wurden die Wagen auch vom Innenraum her umgestaltet und dabei auch neues Interieur geschaffen. Die dabei umgebauten Schnellzugwagen wurden in diesem Falle Upgrading-Wagen genannt.
Des weiteren wurden viele Eurofima- bzw. Upgradingwagen umgebaut. Sie behielten weiterhin ihre FIAT-Drehgestelle, womit sie leicht erkennbar waren. Leider wurden die ganzen Wagengruppen wild durcheinander gemischt, sodaß bei diesen Umbauten kein klares Bild der Weiterentwicklung erkennbar ist. Gut zehn Jahre später, als die Railjetflotte seine gewünschte Größe erlangt hat, wurden sehr viele dieser Upgrading- und Eurofimawagen arbeitslos. Die ÖBB hatte unter dem CEO Kern nichts besseres zu tun, dieses Rollmaterial ins Ausland zu verscherbeln, welches heute bitter im Planbetrieb fehlt.
Modellvorstellung
Roco führt die Wagen schon seit Jahrzehnten im Programm und fertigte diese zunächst im verkürzten Maßstab 1:100, kurz nach der Indienststellung des Vorbildes gegen Ende der 1970er Jahre. Mit der Ankündigung dieser Wagentypen im korrekten Längenmaßstab 1:87 im Jahre 1986 folgte Roco der Tradition eines bekannten Kleinserienherstellers, der sich auf diesem Marktsegment sehr verdient machte, und sorgte damit für Furore.
Welche Wagen Roco bisher schon im korrekten Längenmaßstab 1:87 umgesetzt hat, ist in den Wagenlisten dieser Homepage >> hier (unter den Menüpunkten Reisezugwagen UIC 1. Klasse, 1./2. Klasse, 2. Klasse und 2. Klasse mit Gepäckabteil sowie Speisewagen) nachzulesen.
Roco kündigte für 2015 weitere Modell- bzw. Nummervariaten der bekanten Wagenserien an, wobei jeweils ein 1. Klasse-Wagen (44665), ein 2. Klasse-Wagen (44668) und der Speisewagen (44648) angekündigt wurde. Der UVP für die Epoche V-Wagen wird aktuell mit je € 52,90 angegeben.
Die Auslieferung der Modelle erfolgt – entgegen früheren Verpackungen – ausschließlich in der bekannten, schmalen Fleischmann-Blisterbox, in welchem eine Betriebs- und Montageanleitung sowie ein Zurüstbeutel beiliegt. Dieser umfaßt verschiedene Einzelteile wie die Griffstangen, unterschiedliche Teile an der Bodenplatte und die Heizkabel zur Selbstmontage.
Das Modell ist aus Kunststoff gefertigt. Es weist feine Gravuren im Bereich an alle Fahrzeugbereichen auf. Allerdings befinden sich die Modelle noch seinerzeitigen Fertigungs- und Bedruckungsstandard, indem die Bremssteller nicht unterschiedlich farblich behandelt wurden. Die Lackierung und Bedruckung ist sauber und vollständig wiedergegeben.
Bilder
Bilder – Roco 44668
Dieses Modell wurde ebenfalls im Rahmen der Jahresneuheiten 2015 angekündigt und gut ein Jahr später ausgeliefert. Der UVP bei Auslieferung wurde mit € 52,90 gemäß Ankündigung belassen. Der Wagen hat die Betriebsnummer 51 81 21-70 538-9 und ist in Wien-Westbahnhof beheimatet. Das Revisionsdatum stammt von 26.07.00.
(Nachtrag vom 11.03.2016)
Modellvorstellung 6200002 – Wagenset CD
Der Verkauf einer größeren Flotte von ÖBB-Fernverkehrswagen in das nördliche Nachbarland Tschechien brachte weitere Farb- und Nummernvarianten im Modell hervor. Die Ceske Drahy (CD) hat mehrere Wagenbauarten in ihren Bestand eingegliedert und diese Wagen teilweise neu immatrikuliert. Ansonsten haben die Schnellzugwagen die alten Fahrzeugnummern der ÖBB bei neuer Halterkennung behalten. Die übernommenen Schnellzugwagen wurden bei der CD einer Neulackierung unterzogen und sind im Najbrt-Design ausgeführt. Ein derartiges Wagenset hat Roco in den Jahresneuheiten 2024 aufgenommen, welches aber schon vor Weihnachten publik wurde. Das dreiteilige Set besteht aus einem gemischtklassigen Eurofimawagen der Gattung ABmz 346, einem 2. Klasse Schnellzugwagen Bmz 226 und einem 2. Klasse Schnellzugwagen Bmz 229. Die Wagen sind zwar sauber lackiert, allerdings sind die Anschriften infolge des Digitaldrucks nicht lupenrein ausgeführt. Roco liefert die Modelle im ungerüsteten Zustand aus. In den beigefügten Zurüstbeuteln finden sich die Griffstangen, die Heizkabel und die Mg-Bremsen. Das Wagenset wird zum UVP von € 199,90 angeboten.
Bilder 6200002/1
Dieser Eurofimawagen wird bei der CD als ABmz 346 geführt. Der ehemalige ÖBB-Wagen erhielt bei der CD die neue Wagennummer 61 54 30-90 044-4 und somit auch die neue Immatrikulierung mit CZ-CD. Der 200 km/h lauffähige Wagen ist in Cheb beheimatet, im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten 1 REV CH 23.06.19.
Bilder 6200002/2
Dieser 2. Klasse Schnellzugwagen gehört der Bauart Bmz 226 an. Auch dieser Wagen ist ein ehemaliger ÖBB-Wagen. Der Wagen behielt seine alte ÖBB-Nummer 61 81 21-90 132-5 und weist die Immatrikulierung A-CD auf. Im Unterschied zu den anderen Modellen weist dieses Modell weiße Fensterrahmen auf und ist in Praha beheimatet. Die Untersuchungsdaten sind mit 1 REV PO 15.02.19 angegeben.
Bilder 6200002/3
Dieser Schnellzugwagen ist mit einer zusätzlichen Werbeanschrift in Wagenmitte versehen. Der Wagen gehört zur Bauart Bmz 229 und ist mit den NVR-Anschriften CZ-CD 61 54 29-91 002-4 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist Cheb angegeben, im Revisionsraster stehen die Angaben 1 REV NK 28.01.19.
Modellvorstellung 6200187 – Wagenset
Der Verkauf von ÖBB-Schnellzugwagen im Upgrading-Design im letzten Dezennium kann als der Managementfehler im ÖBB-Konzern angesehen werden, wenngleich die damals handelnden Personen immer noch als die Topmanager betrachtet werden. Nur vergessen viele, daß ein kerniges Auftreten noch lange nichts über die Qualität der Person und über ihre fachliche Eignung, geschweige denn über die Weitsichtigkeit und das potentielle Denkvermögen über richtige Unternehmens- und Geschäftsansätze (sprich unternehmerische Visionen) aussagt.
Jedenfalls hat sich der Verkauf von mehr als 100 modernisierte Schnellzugwagen sowie auch die schlechte Flottenbetreuung in den Werkstätten sehr negativ auf den verfügbaren Bestand an Rollmaterial ausgewirkt, sodaß die schlechte Betriebsqualität durch Ausfall oder mit vielen Mängeln behaftete Fahrzeuge schon die mehr als berechtigte Kritik der Öffentlichkeit hervorgerufen hat. Als man dann fast doch vor dem Zusammenbruch des eigenen Systems stand, sah sich die Unternehmensführung obgleich ihrer Versäumnisse und Unzulänglichkeiten genötigt, ausländisches Rollmaterial anzumieten. Während die von der SBB kurzzeitig verwendeten Wagen keinerlei besonderen Anschriften erhielten, wurde der Bestand der ca. 30 von der DB angemieteten IC-Wagen schon optisch adaptiert und mit entsprechenden Piktogrammen versehen. Die Lackierung sowie alle Anschriften blieben gleich, anstelle des DB AG-Logos wurde die ÖBB-Wortmarke angebracht. Diese Wagen wurden dann über mehrere Monate auf verschiedenen Verstärkerzügen mit IC-Zügen eingesetzt, wobei der erste Klasse-Wagen stets von den ÖBB gestellt wurde.
Roco hat die Idee dieser Mietwagen aufgenommen und anläßlich des Neuheitenprogramms 2025 ein vierteiliges Wagenset mit vier ehemaligen IC-Wagen der DB AG angekündigt. Genau genommen gehörten diese Wagen nicht mehr der DB AG direkt, sondern wurden gemäß der geänderten Halterkennung VRMS an das Unternehmen „Vienna Railway Maintenance Support GmbH“. Wenn man dann noch im VKM die angegebene Homepage aufruft, erfährt man über das Unternehmen nichts, denn die Homepage ist im Aufbau begriffen … Laut Firmenbuch residiert das Unternehmen in der Domaniggasse 2 in 1100 Wien, eingetragen am 1. September 2021. Als Geschäftsführer scheinen die Herren Willibald Maier und Ing. Gero Klauber auf. Die Gesellschaft steht im Dritteleigentum der Firmen RDC Asset GmbH GmbH, VP-Engineering GmbH und TecSol Switzerland AG. Beide Herren haben wiederum einen Bezug zur VP-Engineering GmbH in Birkfeld. Ungeachtet dessen haben die ÖBB die Flotte der Mietwagen zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2025 außer Dienst genommen, in Wien-Penzing gesammelt und wieder zurückgegeben.
Aber zurück zu den vier Modellen von Roco. Roco hat zwei verschiedene Wagenbauarten in dem Vierset berücksichtigt. Ein Modell gehört der Bauartbezeichnung Bvmsz 186.0 und die drei anderen sind mit der Gattungsbezeichnung Bpmz 294.2 angeschrieben. Die Modelle sind mit unterschiedlicher Inneneinrichtung ausgestattet, sind auch einzeln verpackt und in einem Blisterüberzug verpackt. Alle Modell weisen eine saubere Lackierung auf, auch die vielfältige Bedruckung kann sich sehen lassen, welche nicht nur lupenrein, sondern auch mehrfarbig und vollständig angebracht wurde. Die vorhandenen Zuglaufanzeigen sind dunkel ausgeführt. Nähere Angaben zu den Modellen werden bei den Fahrzeugen selbst gemacht, das Vierset ist zum UVP von € 254,90 offeriert.
Bilder 6200187/1
Der erste Schnellzugwagen in diesem Design gehört der Bauart Bvmsz 186.0 an, welcher auch der einzige ist. Das Modell ist mit der Halterkennung D-VRMS und der Wagennummer 61 80 21-94 112-4 bedruckt. Am Fahrzeug sind die Untersuchungsdaten Unt AN X 12.11.18 angeschrieben. Was die Angaben im Revisionsraster und dem Einsatzspektrum betrifft, so existieren entsprechende Zweifel, ob derartige Wagen überhaupt mit so alten Untersuchungsanschriften bei den ÖBB überhaupt im Einsatz waren?
Bilder 6200187/2
Dieses und die beiden weiteren Modelle gehören der Bauartbezeichnung Bpmz 294.2 an. Dieses Modell ist mit der Wagennummer 61 80 20-95 208-0 beschriftet, die Halterkennung ist wiederum D-VRMS. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten Unt AN X 09.10.19.
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Dieses Modell unterscheidet sich lediglich nur die geänderte Wagenanschrift D-VRMS 61 80 20-95 206-4 und den angeschriebenen Untersuchungsdaten REV 981 24.10.18.
Bilder 6200187/4
Das vierte Modell ist mit der Wagennummer 61 80 20-95 211-4 bedruckt worden. Dieses Fahrzeug weist die Revisionsanschriften REV 981 05.12.18 auf.


















































































