Modellbahn-Union G55005 / G55008 / G55011: Rungenwagen Lfs-T-55 / Lfs-T-569 / Lfms 589

Der Fährboot-Rungenwagen des Typs Rbmms 55 ist neben dem Tcefs 845 Fährbootwagen und Tbnhs 30 Fährboot-Kühlwagen ein weiteres Beispiel für die im Bereich des internationalen Güterverkehrs notwendigen Besonderheiten beim Betrieb von Eisenbahnen.

Die Firma Fuchs erhielt 1954 von der DB den Auftrag, 25 Fährboot-Rungenwagen des Typs Rbmms 55 zu bauen. Dies geschah noch vor der Beschaffung normaler neuer Rungenwagen für die Bundesbahn. Um den Wagen auch im Verkehr nach Großbritannien einsetzen zu können, mußte auf das kleinere britische Lichtraummaß Rücksicht genommen werden. Ergebnis war eine Breite des Wagens von nur 2216mm bei einer LüP von 12500mm. Weiteres Merkmal der Wagen für den UK-Verkehr ist die dort gebräuchliche Saugluftbremse. Das Leergewicht der Wagen lag bei 12.000kg, die Höchstgeschwindigkeit bei 100km/h. Die Zuladung lag bei maximal 26 Tonnen, später 27,5 Tonnen.

Nach UIC-Richtlinien gebaut und 1956 ausgeliefert, wurden die Wagen mit den Betriebsnummern 435000 bis 435024 versehen. Das Fahrwerk wurde später für den Tcefs 845 Fährbootwagen wieder aufgegriffen, dann ohne den Rungentragkorb. Die 580mm hohen Seitenwände waren zur Beladung klappbar. An den Längsseiten erhielten die Wagen Rungen aus Pressblech, die Stirnseiten waren mit Rungen aus Profilstahl ausgestattet. Fährbootösen deuten ebenfalls auf den Einsatzbereich hin.

Neben dem Verkehr nach Großbritannien kamen die Wagen Deutschland- und Europa-weit zum Einsatz, auf Fährverbindungen nach Skandinavien, aber natürlich auch im „normalen“ innerdeutschen Verkehr. Verladen wurde vor allem wetterunempfindliche Güter sowie Waren für den Export.

1962 orderte die DB 30 weitere Wagen bei LHB als Ersatz für noch vorhandene Rbh 21 Wagen, eine weitere Bestellung über 100 Wagen erfolgte 1963-1965. Der Gesamtbestand lag somit bei 155 Exemplaren. Bis 1968 erfolgte die schrittweise Umzeichnung der Wagen zu Lfs-t 569 mit den Nummern 414 0 000 – 414 0 159. Anfang der 1980er Jahre wurde dann in Lfms-t 569 umbenannt. Der Bestand war bis 1984 vollzählig. Durch den Rückgang des Bedarfs im Verkehr nach Großbritannien kamen die Wagen ab Mitte der 1980er Jahre vorwiegend im Bauzugdienst zum Transport von Schwellen zum Einsatz. Der letzte Lfms-t 569 verabschiedete sich 1995 in den Ruhestand.


Modellvorstellung

Der Hersteller weiß immer wieder auch kurzfristig die Modellbahner zu überraschen. Nachdem aber diese Güterwagenbauart schon als N-Fahrzeug erhältlich war, war es irgendwie logisch, daß selbst die H0-Ausführung folgen wird. Fährbootwagen scheinen generell eine Spezialität zu sein, man denke hier nur an den Tcefs 845. Dieses wunderschön konstruierte Güterwagenmodell erfährt eben nun seine Fortsetzung mit dem Rungenwagen, der als Fährbootwagen einsetzbar ist. Gleich zwölf verschiedene Rungenwagen sind in drei verschiedene Epochen erhältlich. Der UVP ist mit € 34,90 als Neukonstruktion angeschrieben, wahrlich eine Occasion.

Der Hersteller liefert seine neukonstruierten Wagen in einer Kartonverpackung mit Blistereinsatz aus. Die Modelle sind in einer zweifachen Blisterbox und mit einer Plastikfolie umwickelt transportgesichert eingelegt. Dem Modell liegt ein Zurüstbeutel bei, in welchem die üblichen Zurüstteile wie wie Zughaken und Bremsschläuche beiliegen. Mitgeliefert wird eine zweite Garnitur an Rungen samt Halterungen zum Einstecken in das Modell. Die Betriebsanleitung hier zu ist online abrufbar:

https://info.modellbahnunion.com/wp-content/uploads/2021/05/MU-H0-G55x-Anleitung.pdf

Das Modell ist aus Kunststoff gefertigt und weist ein Gewicht von 49 Gramm auf. Zwischen dem Fahrzeugaufbau und dem Chassis ist ein Ballastgewicht eingelegt. Am Modell sind sehr viele Detaillierungen zu erkennen. Saubere und tiefe Gravuren bestimmen das Erscheinungsbild der Niederbordwände oder auch die bereits eingesetzten Rungen, in denen sogar der Schriftzug DB eingraviert ist. Sehr vorbildlich umgesetzt sind auch die Scharniere der Seitenwände, aber auch der Langträger mit den erhaben dargestellten Bremsstellern. An dieses ist ein Sprengwerk gesetzt, gut sichtbar ist auch der unterflurig angebaute Abladebereich dar. Die Bremsanlage ist am Wagenboden untergebracht und vollständig dargestellt. Am Wagenboden integriert ist auch die Kurzkupplungskulisse nach NEM. Das Modell ist bereits mit sämtlichen Anbauteilen versehen, dies betrifft einerseits die Verschiebertritte oder auch die feinen Metallgriffstangen.

Eine besondere Beachtung verdienen die aufwendigen Fahrzeuganschriften, welche mehrsprachig ausgeführt sind. Alle Anschriften sind gut deckend aufgetragen und lupenrein lesbar. Der Hersteller hat die Fahrzeug in drei verschiedenen Epochen erstellt und dabei insgesamt zwölf verschiedene Nummernvarianten produziert. Die genauen Fahrzeugteils stehen beim jeweiligen Modell.


Bilder MU-H0-G55005

Die Modellausführung als Epoche III im Ablieferungszustand weist Fahrzeuge mit der sechsstelligen Wagennummer 435 095 und der Gattungsbezeichnung Lfs-t-55 aus. Im Revisionsraster steht das Abnahmedatum 4 REV 27.05.63.


Bilder MU-H0-G55008

Der Epoche IVa-Wagen trägt die Wagennummer Lfs-t 569 und die Wagennummer 21 80 414 0 043-1. Die letzten Untersuchungsdaten werden mit 4 REV Kns 06.03.67 angegeben.


Bilder MU-H0-G55011

Dieses Modell gehört der Epoche VIb an und ist mit der Gattungsbezeichnung Lfms-t 569. Die Wagennummer lautet daher 21 80 414 2 133-8, im Revisionsraster finden sich die Angaben 4 REV EPD X 03.09.86.