Trix 25110: NS-Reeks/Reihe 1100

Elektrische Lokomotiven wurden von den Nederlandse Spoorwegen (NS) erst in der Nachkriegszeit — und da recht zögerlich — beschafft, wohingegen elektrische Triebwagen schon seit den späten 1920er Jahren eingesetzt wurden, da sie sich den Gegebenheiten — kurze Strecken und kaum Reisezeiten von mehr als drei Stunden — am besten anpassten. Weiter trägt die Tatsache, daß ein Gutteil der Strecken, die nur im Güterverkehr bedient werden, nicht elektrifiziert ist, dazu bei, den Bedarf an elektrischen Streckenlokomotiven eher gering zu halten.

Eine kleine Änderung dieser Triebfahrzeugpolitik ergab sich erst 1985 mit der Einführung von lokbespannten (Reihe 1600) Wendezügen mit Wagen von Talbot in Aachen. Die ersten NS-Elektrolokomotiven — Reihe 1000— basierten auf einem Schweizer Entwurf (Ae 4/6) und wurden 1948/49 abgeliefert. Anfang der fünfziger Jahre folgten die 60 Einheiten der Reihe 1100, dann die Reihen 1200 (25 Loks) und 1300 (16 Maschinen).

Der Lokomotivtyp, dem auch die Reihe 1100 angehört, wurde in Frankreich von Alsthom für die „Ligne Impériale“ Paris — Lyon entwickelt und gebaut. Das Konzept geht auf bewährte Konstruktionen der Vorkriegszeit zurück. Der Prototyp der Nachfolgegeneration „firmierte“ zunächst als BB 0401, dann als BB 356, schließlich als BB 8001, die dann — als moderne, vollkommen überarbeitete Lokomotive — 1947 ihre ersten Probefahrten absolvierte. Diese fielen zur vollen Zufriedenheit aus, und die Französischen Staatsbahnen (SNCF) bestellten zunächst 135 Loks, denen noch ein Baulos von 36 Maschinen folgte (SNCF-Nummern BB 8101 bis 8271). Später entstand bei Alsthom mit der BB 8501 ein Wechselstrom-Prototyp (umgenummert in BB 10001), der 1962/64 in eine Zweistrom-Lok umgebaut wurde und bis zum Ausfall der Transformatoren mit anschließender Verschrottung als BB 20006 fuhr.

Für die BB 8100 konnte Alsthom zwei Exportaufträge gewinnen. Einer kam aus Marokko, wohin schon 1947 14 Exemplare als E 700 geliefert wurden. Der zweite war aus den Niederlanden: Die NS bestellten 1948 zunächst 50 Loks der als Reihe 1100 geführten Lok, denen weitere von zehn Maschinen als Zusatzbestellung folgten. 1946 war der Entschluss gefallen, alle Hauptstrecken der NS vordringlich zu elektrifizieren. Erste Praxiserfahrungen wurden mit französischen Leih-Lokomotiven der SNCF-Reihe BB 300 — ebenfalls Maschinen der BB Midi-Familie — gesammelt. Während die BB 8100 für 105 km/h Höchstgeschwindigkeit ausgelegt war, forderte das NS-Pflichtenheft für 520 Tonnen schwere Reisezüge einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h, für 1.650 Tonnen schwere Güterzüge war die Vorgabe von noch 60 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit der Reihe 1100 wurde auf 135 km/h festgesetzt — nicht unproblematisch bei der Konstruktion der Lok mit Zug- und Stoß-Einrichtungen an den Drehgestellen. Die Schwingungen von Lok und erstem Wagen bei höheren Geschwindigkeiten konnten bis heute nicht vollständig beseitigt werden. Dennoch, die Reihe 1100 waren von Anfang an im Schnellzugdienst eingesetzt, fuhren späterhin auch InterCity-Züge, internationale D- sowie auch TEE-Züge.

Die Auslieferung der beiden Baulose erfolgte 1950-52 und 1955-56. Die ersten Maschinen waren türkisfarben lackiert und hatten ihre ersten Einsätze auf den Strecken Amsterdam – Maastricht, Amsterdam — Enschede, Amsterdam — Roosendaal, Den Haag — Rotterdam und Den Haag — Utrecht. Nach kurzer Erstbeheimatung im Depot Amsterdam-Zaanstraat wurden ab 1951 alle Lokomotiven der Reihe 1100 im Depot Maastricht stationiert, wo sich zugleich auch das Ausbesserungswerk für E-Loks befindet. Da es in den Niederlanden keine „richtigen“ Heimatdienststellen bzw. Depots gibt, werden alle Maschinen im ganzen Land nach einem landesweit geltenden Umlaufplan eingesetzt.

Nach einer „blauen Periode“ — auch die ursprünglich türkisen Maschinen wurden ins Dunkelblau umlackiert — gilt seit 1971 auch für die Reihe 1100 das NS-Lokomotiv-Farbschema in den Farbtönen Grau und Gelb, wobei in den 1980er Jahren zunehmend der Gelb-Anteil dominierte. Der bei Neulackierungen vorgenommene Wegfall der Zierleisten ließ die Loks gestreckter und moderner aussehen.

Markantestes äußeres Zeichen einer 1978 bis 1981 im Haupt-AW Tilburg durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen an den damals noch 58 Loks der Reihe 1100 (1156 schied 1961, 1131 im Jahr 1962 nach einem Unfall aus) ist die aufgesetzte Sicherheitsnase aus Stahlblech an der Stirnfront, die den Lokführer im Falle eines Aufpralls besser schützen soll. Die Loklänge wuchs dadurch um 1,13 m. Es wurden auch Versuche unternommen, das Schaukeln zu dämpfen, diese hatten jedoch keinen durchgreifenden Erfolg.

Eine weitere Zwangspause für die gesamte Baureihe gab es 1982, nachdem man Haarrisse in den Motoraufhängungen entdeckt hatte. Seit 1985 wurden die folgenden Lokomotiven der Reihe 1100 ausgemustert: 1118, 1120, 1121, 1125, 1126, 1133, 1140 und 1141. Gegenüber den gleich alten, ebenfalls modernisierten Reihen 1200 und 1300 haben die Loks der Reihe 1100 nicht als komplette Baureihe die 1990er erlebt. Die Ablöse für die zwischen 1951 und 1982 zahlenmäßig stärkste NS-E-Lok-Reihe wurden durch die Ablieferung anstehender Nachlieferungen zu den schon 60 vorhandenen Loks der Reihe 1600 eingeleitet. Darüber hinaus war auch die Beschaffung der neuen Reihe 1700 sehr weit gediehen, die baugleich als niederländische Version der SNCF-Sybic-Probelok BB 20000 (Sybic: Synchron-Drehstrommotoren, zwei Stromsysteme — bicourante) zu sehen war.

Ungeachtet dieser Modernisierungsbestrebungen hatten die NS etwas für ihre Geschichte übrig und dachten schon bei der Modernisierung (1978 bis 1981) an die museale Verwendung einer nachmals „historischen“ 1100: Bei der „Nasen-Transplantation“ wurden die Original-Frontpartien der Lok 1122 zusammen mit den schon früher entfernten Zierleisten aufbewahrt. 1988 wurde auch die Lok 1125 in der Tilburger Hauptwerkstätte wieder in den türkisfarbenen Ablieferungszustand versetzt, womit die Lok rechtzeitig zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 150 Jahre Eisenbahn in den Niederlanden fertig wurde. Die Lok gehört heute dem Eisenbahnmuseum Utrecht.


Modellvorstellung

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