Rollwagen Rf 4 (HOe/HOm): Tillig 05973 / 15973

Verschiedene Spurweiten stellen im Bahntransport eine Hindernis dar. Dies gilt insbesondere beim Güterverkehr, indem schwere Lasten eben nicht so einfach umgeladen werden können, wie dies beim Menschen und dem Gepäck der Fall ist. Da früher die Arbeitskraft noch günstig war, war das Umladen von Gütern günstig. Manchmal war es überhaupt nicht möglich, verschiedene Güter so einfach Umzuladen. Vielfach waren wiederum Hilfsmittel wie Kraneinheiten oder ähnliches erforderlich. Da derartige Manipulationen auch sehr zeitintensiv sein können und zudem noch den Bahnbetrieb stören können, wurde nach einer anderen Möglichkeit des reibungslosen Transports von Gütern über verschiedene Spurweiten gesucht.

Es wurden dabei zwei Möglichkeiten entwickelt, entweder durch den Einsatz von Röllböcken, die direkt unter die Achsen von Normalspurwagen greifen, oder der Einsatz von eigens entwickelten Rollwagen, auf denen die Normalspurwagen über beidseitige Schienen aufgenommen werden. Die Verladung erfolgt über eigene Rollgruben. Beide Möglichkeiten fanden auf allen Schmalspurbahnen speziell im deutschsprachigen Raum breite Anwendung.

Im Netz der Deutschen Reichsbahn befanden sich nach 1945 zahlreiche Schmalspurstrecken. Einzelne Strecken wiesen ein hohes Frachtaufkommen von Gütern auf. Um den Betrieb einerseits zu modernisieren und andererseits die Effizienz bei der Betriebsabwicklung zu steigern, hat die Deutsche Reichsbahn noch während der zweiten Hälfte der 1950er Jahre nach neuen Rollwägen Ausschau gehalten und dabei von verschiedenen Herstellern Wagen für die Spurweiten von 750 mm als auch der Meterspur beschafft. Die Indienststellung der als Rollwagen Rf 4 bezeichneten Wagen erfolgte zwischen 1958 und 1964. Neben der Ausrichtung der unterschiedlichen Spurweiten waren bei der Beschaffung auch die verschiedenen Bremsbauarten zu beachten. Das besondere bei den Rollwagen war, daß diese je nach Normalspurwagen individuell verwendbar waren.

Zweiachsige Güterwagen fanden in der Regel durch den kurzen Achsstand auf einem Rollwagen Platz. Allerdings waren auch lange vierachsige Normalspurwagen zu transportieren, deren Transport auf schmaler Spur nur über zwei derartige Rollwagen möglich war. Für die Befestigung dieser Einheiten waren mehrere Sicherheitsvorrichtungen allgegenwärtig. Die Normalspurwagen wurden auf der „Schienenführung“ mittels eigener Keile oder Radvorleger fixiert, die individuell einstellbar sind. Damit die Rollwagen auch sicher im Zugverband auf schmaler Spur verkehren konnten, wurden dazwischen unterschiedlich lange Kuppelstangen verwendet, die es in den Einheitslängen von 2,5 Meter, 4,5 Meter oder 6,0 Meter gab. Diese dienten aber nicht nur zur Sicherung der verladenen Vierachser auf zwei Rollwägen, sondern nahmen auch die Funktion als Zug- und Stoßstangen im Zugverband wahr. Um diese Kuppelstangen waren noch Schlauchverbindungen für das Bremssystem zu sehen. In Netz der früheren sächsischen Bahnen mit einer Spurweite von 750 mm fand das Bremssystem der Körling-Bremse Verwendung, währenddessen beim Meterspurnetz auf den Harzbahnen das Bremssystem der Firma Knorr zu Anwendung gelangte. Dem entsprechend waren auch die Bremssysteme unterschiedlich im Modell auszubilden.

Modellvorstellung

Rollwagen für den Transport von Güterwagen auf den deutschen Schmalspurstrecken sind im Modell für Deutschland nicht bekannt. Die Firma Liliput hat schon in den 1970er Jahren damit begonnen, Rollwagen der ÖBB für das 760 mm Schmalspurnetz zu konzipieren, die über Jahrzehnte im Sortiment waren. Weitere Rollwagen für die Baugröße H0e wurden im letzten Jahrzehnt von Roco für die ÖBB entwickelt.

Die fehlenden Ausführungen für den Bereich der Deutschen Reichsbahn wurden von der Firma Tillig in Sebnitz im Rahmen des Neuheitenprogramms 2025 aufgegriffen. Tillig hat dabei die Neukonstruktion dieser Rollwagen für die Baugrößen H0e und H0m ins Auge gefaßt. Unter der Artikelnummer 05973 wurde ein Zweierset für die Baugröße H0e realisiert, unter der Artikelnummer 15973 wurde ein derartiges für die Baugröße H0m realisiert. Tillig hat für beide Spurweiten jeweils ein Zweierset konzipiert, der UVP für das Wagenset wurde jeweils mit € 129,90 festgelegt.

Die Fertigstellung der Modelle war für das 3. Quartal geplant, mit einigen Wochen Verspätung fanden die neuen Rollwagen der DR den Weg in den Fachhandel. Die Modelle werden in der bekannten Kartonverpackung von Tillig ausgeliefert, in welcher ein zweiteiliger Blistereinsatz eingeschoben ist. Die Modelle befinden sich in entsprechenden Ausnehmungen und sind jeweils einzeln in Folien umwickelt. Darunter ist die Betriebsanleitung abgelegt. Im Blistereinsatz sind in zwei Zurüstbeuteln die unterschiedlich langen Kuppelstangen sowie die dazu erforderlichen Kuppelzapfen enthalten. Bevor die Modelle auf die Schienen gestellt werden, sollte man sich gründlich mit den Modellen auseinandersetzen und diese auch vorsichtig behandeln.

Die Hauptträger der Rollwagen ist einerseits zwecks Stabilität und andererseits zur Erhöhung des Eigengewichts aus Metall gefertigt. Die verschiedenen Querbindungen sind aus Kunststoffteilen realisiert worden. Die beiden Drehgestelle sind mittels filigraner Rastnasen in den mächtigen Querbalken befestigt. Gerade diese Rastnasen dürften sich als Schwachpunkt erweisen. Denn bei der zweiten Verwendung des Wagens war ein Drehgestell lose in der Verpackung. Ein nachträgliches Einklipsen war infolge der stark verbogenen zweiten Führung nicht mehr möglich. Zwischen die beiden Langträger befindet sich im Mittelteil die umfangreiche Bremsanlage. Bei den 750 mm Wagen sind es die Anlagen der Körling-Bremse.

Die Oberseite der Führungsschienen nimmt die vier Radvorleger auf. Diese sind bereits auf den Führungsschienen eingesetzt. Das Oberteil der Radvorleger ist beweglich und ist als Bügel ausgebildet. Der bewegliche Bügel liegt in den aufstehenden Befestigungsnoppen auf und stellt somit die sichere Befestigung der Wagen dar. Ist der Bügel der Radvorleger aufgeklappt, dann lassen sich diese problemlos verschieben. Die Veränderung der Position sollte aber gefühlvoll erfolgen, ggf. ist es auch notwendig, die Position selbst festzulegen. Inwieweit die Radvorleger im beladenen Zustand veränderbar sind, muß im Realbetrieb auf der Anlage getestet werden. Jedenfalls rasten die Radvorleger in die Noppen ideal ein und lassen sich im aufliegenden Zustand nicht mehr verändern.

An den Wagenenden befinden sich die Kupplungsverbindungen in der Fahrzeugmitte. Auch hier sollte beim Zusammenstellen mehrerer Wagen Geduld einkehren. Die Lochverbindungen der Kuppelstangen sind groß genug dimensioniert, um die Kuppelzapfen in die entsprechenden Löcher schieben zu können. In der Regel sollte bei ganz eingeschobenen Kuppelzapfen ein sicherer Betrieb auf der Anlage möglich sein. Ungeachtet ist danach darauf zu achten, daß dieses nicht verloren gehen. Des weiteren wurden an einem Wagenende auch die Verzurreinrichtungen in beweglicher Ausführung berücksichtigt.

Die Modelle weisen die Grundfarbe schwarz auf und sind mit weißen Anschriften bedruckt worden, die allesamt lupenrein ausgeführt sind. Die Bremssteller sind in roter Farbgebung gehalten. Die genauen Fahrzeuganschriften finden sich bei den jeweiligen Aufnahmen.

Neben den oben genannten Artikelnummern hat Tillig schon weitere Ausführungen für die Epoche V angekündigt, welche unter die Artikelnummern 05974 (H0e) bzw. 15974 (H0m) erscheinen werden.


Modellvorstellung Tillig 05973

Unter dieser Artikelnummer gelangen die Rollwagen für das 750 mm Schmalspurnetz der DR zur Auslieferung. Die beiden Wagen haben ihren Heimatbahnhof in Zittau und gehören der Epoche III an.


Bilder Tillig 05973/1

Das erste Modell ist mit der DR-Wagennummer 97-07-02 beschriftet. Am Rollwagen ist das Untersuchungsdatum mit Unt. KM 19. 7.65 angegeben.


Bilder Tillig 05973/2

Das Schwestermodell erhielt die Wagennummer 97-07-07 bzw. ist mit den Revisionsdaten Unt. KM 26.11.64 angeschrieben.


Modellvorstellung Tillig 15973

Die beiden Meterspurwagen sind mit dem Heimatbahnhof Wernigerode beschriftet und weisen wesentliche Unterschiede in der Umsetzung der Bremsanlage auf. Die beiden Außenachsen gelten als Kuriosum. Auf dem Bild des zweiten Wagens ist erkennbar, daß die Außenachen an der Unterseite eine massive Flachstelle aufweisen und sich nicht durchdrehen lassen. Warum dies so ist, geht aus der Beschreibung in der Betriebsanleitung nicht hervor. Dafür scheint die Verbindung zwischen Drehgestell und Querträger besser gelöst zu sein.


Bilder Tillig 15973/1

Dieser Rollwagen ist mit der Wagennummer 99-20-39 bedruckt und trägt das Revisionsdatum Rev. Gö 28. 5.81.


Bilder Tillig 15973/2

Der zweite Wagen wurde mit der Wagennummer 99-20-42 bedruckt, die Untersuchungsanschriften weisen die Angabe Rev. Gö 16. 7.81 auf.


Bilder folgen