FS-Baureihe D 445: Piko 22020
Die Italienischen Staatsbahnen (FS) nahmen 1975 mit der Baureihe D.445 ihre bis dahin leistungsfähigste
dieselelektrischen Lokomotiven in Betrieb. Die 150 von FIAT produzierten Exemplare befuhren im
Personenverkehr die gesamte italienische Halbinsel und waren auch in Sardinien anzutreffen. Es wurden drei Serien beschafft. Die erste Lieferserie bestand aus 35 Lokomotiven, gefolgt von 20 weiteren Dieselloks der zweiten Lieferserie, die über flache statt gebogene Fensterscheiben verfügte und mit einer Wendezugsteuerung ausgestattet wurde. Die restlichen 95 Maschinen der dritten Bauserie hatten neben den Neuerungen des zweiten Lieferloses zu den ursprünglichen drei Scheinwerfer zwei zusätzliche Schlußlampen erhalten. Zum 50jährigen Betriebsjubiläum unterhalten die FS noch rund 60 Lokomotiven, wobei sich deren Einsatzgebiete auf die Toskana und Kalabrien beschränken. Sie werden überwiegend im Regionalverkehr eingesetzt werden, einst wurde damit auch der Güterverkehr abgewickelt.
Modellvorstellung
Die italienischen Modelle der letzten Jahre zeigen ganz eindeutig, daß Piko in Italien ebenfalls einen wichtigen Auslandsmarkt für sich betrachtet. Nicht umsonst sind in den vergangenen Jahren Modellkonstruktionen erschienen, die es bislang noch nicht als Modelle gab. Die Baureihe D.445 wurde zwar vor ca. 40 Jahren schon vom Salzburger Mitbewerber Roco als Modell umgesetzt und wurde nur mäßig technisch wie optisch weiterentwickelt. Das anstehende 50 Jahre Jubiläum dieser FIAT-Diesellok wurde deshalb im Rahmen der Herbstneuheiten 2025 von Piko herangezogen, das Vorbild als Neukonstruktion zunächst im Farbschema „Navetta“ anzukündigen. Unter dem Farbschema (livrea) navetta ist in Italien bei der FS die Wendezuglackierung zu verstehen, mit denen die Fahrzeuge im Fahrverkehr optische entsprechend gezeichnet wurden. Das Farbschema existiert seit 1980 und besteht aus der Grundfarbe Beige mit orangen und violetten Zierstreifen.
Piko hat im Herbst 2025 mehrere Modellausführungen dieses Fahrzeugtyps angekündigt. Unter der Artikelnummer 22020 ist die analoge Modellausführung zum UVP von € 229,– erschienen. Das Zweileiter-Gleichstrom-Modell mit dem PIKO TrainSound onboard wird unter der Artikelnummer 22022 und zum UVP von € 339,– geführt, währenddessen die digitale Dreileiter-Wechselstrom-Ausführung mit der Artikelnummer 22023 versehen ist. Um dieser Neukonstruktion einen weiteren Mehrwert zu verschaffen, hat der Hersteller von der Ausführung noch zwei XP-Varianten angekündigt, welche über einen gepulsten Verdampfer mit motorisch betriebenem Lüfterrad und einer Digitalkupplung ausgestattet sind. Die Zweileiter-Gleichstrom-Version wird unter der Artikelnummer 55930, die Dreileiter-Wechselstrom-Ausführung unter der Artikelnummer 55931 geführt. Der UVP beträgt jeweils € 429,–.
Des weiteren finden sich im selben Neuheitenprospekt noch die Ankündigung weiterer Farb- und Beschriftungsvariante, teils sogar mit geänderten Formen. Von der Baureihe D.445 der FS in der IC-Lackierung sind jedenfalls drei Ausführungen angekündigt und tragen die Artikelnummern 22024 (Zweileiter-Gleichstrom, analog), 22025 (Zweileiter-Gleichstrom, digital) und 22026 (Dreileiter-Wechselstrom, digital). Umgesetzt wird auch die Modellausführung in der XMPR-Lackierung in fünf Ausführungen: Artikelnummern 22027 (Zweileiter-Gleichstrom, analog), 22028 (Zweileiter-Gleichstrom, digital) und 22029 (Dreileiter-Wechselstrom, digital) sowie die XP-Ausführungen 55932 (Gleichstrom) bzw. 55933 (Wechselstrom). Im Neuheitenprospekt sind dann vier weitere Ausführungen angekündigt, indem auch Modelle der ersten und zweiten Serie zur Ausführung gelangen.
Verpackung
Piko liefert die Neukonstruktion in einer Kartonschachtel an den Fachhandel aus. Das Modell ist mit einer fixen, passgenauen Plastikform ummantelt. Nach dem seitlichen Entriegeln ist das Modell aus der klappbaren Blisterummantelung entnehmbar. In der Blisterummantelung ist ein dicker Zurüstbeutel eingeklebt. Dieser beinhaltet div. Zurüstteile wie Bremsschläuche, Zughaken und austauschbare Bahnräumer. Die Betriebsanleitung samt Werbefolder und das Ersatzteilblatt sind wiederum im Kartonschuber abgelegt.
Technik
Die technischen Komponenten der Neukonstruktion sind naturgemäß unter dem Lokgehäuse untergebracht. Um einen Blick in das Innenleben der Lokomotive werfen zu können, muß das Gehäuse vom Chassis abgenommen werden. Das Lokgehäuse ist über vier Schraubenverbindungen auf Höhe der jeweils inneren Drehgestellachse verbunden. Nach dem lösen dieser ist das Gehäuse nach oben abziehbar.
Das Herzstück der Lokomotive offenbart eine Zentralplatine mit einer 21poligen Digitalschnittstelle PluX22 auf der Oberseite. Seitlich davon sind zwei Führerraumimitationen montiert, darunter findet sich die gesamte Antriebsanlage des Modells. Ein Mittelmotor mit zwei großen Schwungmassen ist im Metallrahmen unter der Platine gelagert. Der Antrieb erfolgt über Kardanwellen in das Stirnrad-Schneckengetriebe der beiden Drehgestelle. Das Drehmoment wird über die Zahnräder auf alle vier Achsen übertragen. Die beiden Innenachsen der Drehgestelle verfügen jeweils einseitig über je einen Haftreifen, die diametral aufgezogen sind. Das Modell ist mit NEM-Kurzkupplungskulissen versehen.
Fahrverhalten
Das Eigengewicht des Modells beträgt 507 Gramm. Das vorliegende Modell macht bei den Testrunden auf der Anlage eine hervorragende Figur. Das Modell ist leise und hat einen taumelfreien Lauf. Erfreulich ist vor allem die Geschwindigkeit des Modells. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. xxx km/h. Diese ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. xxx % höher, gegenüber dem NEM-Wert mit der Draufgabe von 30 % um xxx % zu niedrig.
Optik
Piko hat bei der Modellumsetzung zunächst die Bauform des dritten Lieferloses umgesetzt und im Zuge der Konstruktion auch die konstruktiven Vorkehrungen getroffen, um auch die geänderten Kopfformen der ersten und zweiten Serie umsetzen zu können. Das vorliegende Diesellokmodell lebt im Gesamteindruck durch die hervorragende Umsetzung der Führerstandspartien samt der doppelt abgerundeten bzw. gepfeilten Silhouette. Ein weiterer Aspekt betrifft den Übergang zum Fahrzeugdach mit der nach außen stehenden „Haifisch“-Zacken inkl. dem integrierten, dritten Spitzenlicht. Die unteren Scheinwerfer sind in liegender Form auf Konsolen in die Fahrzeugfront integriert, wiewohl auch noch ein filigran nachgebildetes Lüftergitter zu sehen ist.
Die Seitenwände weisen schon mehr Details auf. Während die Führerstände verjüngt zusammenlaufen, sind im Fahrzeugkasten der D.445 massive Lüftergitter bzw. -jalousien eingesetzt. Die Lüfterlamellen sind großschichtig ausgeführt, dagegen wirken andere Abdeckungen als filigrane Anbauteile. Die Fenster weisen im Maschinenraum Gummifassungen auf und sind wie alle Fenster bündig in die Gehäuseform eingesetzt. Bei den Führerstandsseitenfenstern sind entsprechende Haltegriffe zu sehen.
Das gewölbte Dach ist auch nach vorne hin abgerundet. Es nimmt zwei große Lüftersätze mit darunter befindlichen Rotorblätter auf, welche sich sogar im stromlosen Zustand drehen lassen. Die Abdeckung erfolgte mittels lackierter Ätzteile. Auffallend sind auch die anderen Nachbildungen, also nicht nur der Makrophone, sondern auch der verschiedenen Abdeckklappen oder auch dem silbern gehalten, wobei beim genauen Hinsehen die gelochten Übergänge ersichtlich werden. Natürlich sind am Dach noch andere lackierten Ätzteile eingesetzt worden.
Im Unterflurbereich sind alle Aggregatkästen aufgehängt worden, zudem wurden auch verschiedene Leitungsverbindungen umgesetzt. Die zierlichen Drehgestelle fallen durch den kurzen Achsstand auf. Die Drehgestellblenden sind dreidimensional durchgebildet und sind mit extra Anbauteilen versehen.
Farbgebung und Beschriftung
Die Lackierung des vorliegenden Modells ist tadellos. Allerdings sind bei den beiden Zierlinien des Navretta-Design verschiedene Ausfransungen bzw. Überdeckungen ersichtlich. Die vorhandenen Anschriften sind sauber und gut lesbar ausgeführt. Am Lokkasten sind sogar die silbernen Fabrikschilder mit gestochen scharfer Beschriftung angebraucht. Das Modell ist mit der Loknummer D 445.1112 bedruckt. Die Heimatdienststelle ist nicht angegeben, ebenso auch kein Untersuchungsdatum.
Beleuchtung
Das Modell ist mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Wartungsarme, warmweiße und rote LEDs dienen der Darstellung des Spitzen- bzw. des Schlusslichtes. Weitere verschiedene Licht- und Soundfunktionen sind bei den Digitalmodellen möglich wie u. a. die eigens digital schaltbare Führerstands- oder Maschinenraumbeleuchtung. Dahinter sind verschiedene Maschinenraumsilhouetten zu erkennen.
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