Wagenset IC 511 „Chiemgau“: Roco 6200154

Deutschland war nicht nur die Industrienation nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa, sondern das arbeitende Volk und die Pensionisten in diesem Lande wollten neben dem schweren Wiederaufbau und den schwerlichen Bedingungen in Industrie sowie im Bergbau sich der Erholung hingegeben. Soziale Errungenschaften wie der gesetzlich vorgegebene Urlaub förderten diese Faktoren massiv, sodaß vielfach der Wunsch sowohl ans Meer als auch in die heimische Berge zu fahren, allmählich stiegen.

Die Deutsche Bundesbahn hat diesem Ansinnen Rechnung getragen und entsprechende Reiseangeboten geschaffen. Neben der frühen Ausbildung des TEE-Netzes in den 1950er Jahren wurde im Ende der 1970er-Jahre das Netz des IC’79 geschaffen. Dabei fand sich auch ein als „Urlauberzug“ vorgesehenes Zugpaar, und zwar der IC 511/510 mit dem Laufweg Köln – Mainz – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart – München – Freilassung – Berchtesgarden. Da der südliche Wendebahnhof im Chiemgau lag, erhielt das Zugpaar den klingenden Namen „Chiemgau“.

Das Zugpaar „Chiemgau“ findet sich erstmals im Sommerfahrplan 1979 und war lange Zeit ein Fixpunkt im DB-Angebot. Dieser Zuglauf wurde aber letztmalig im Winterfahrplan 1981 gefahren, danach änderte sich der südliche Wendepunkt von Berchtesgarden zur Mozartstadt Salzburg hin. Damit erlangte der „Chiemgau“ auch einen internationalen Status, zudem konnte auf das aufwendige Rangieren der vier Wagen im Bahnhof Freilassing verzichtet werden.

Ab dem Sommerfahrplan 1985 änderte sich die Zugnummer auf IC 611/610. Mit der Einführung des EC-Netzes änderte sich der Laufweg des „Chiemgau“, der nun als „Rumpf-IC“ zwischen Wiesbaden und Salzburg verkehrte. Im Winterfahrplan 1990 verkehrte der IC letztmalig und wurde danach durch ein anderes Zugpaar ersetzt. Aber die Fernverkehrsverbindung nach Berchtesgarden blieb auch danach ein Fixpunkt im Fernverkehrsangebot der Deutschen Bundesbahn und war immer wieder Gegenstand von verschiedenen Qualitätsoffensiven, ehe im Herbst 2025 der Niedergang zelebriert wurde!

Aber wenden wir uns wieder dem Zugpaar während der ersten Betriebssaison zu. Die Zugbildung des IC 511 „Chiemgau“ auf seiner Fahrt von Köln in die Alpen gestaltete sich wie folgt:

4 Bm Köln/Mainz – Berchtesgarden 510 / 5518
5 Bm Köln/Mainz – Berchtesgarden 510 / 5518
6 Bm Köln/Mainz – Berchtesgarden 510 / 5518
8 Bm Köln/Mainz – Freilassing 510 / 510
9 Bm Köln/Mainz – Freilassing 510 / 510
10 ARm Köln/Mainz – Freilassing 510 / 510
11+ Avm Köln/Mainz – Freilassing 510 / 510
14 Apm Köln/Mainz – Freilassing 510 / 510
15 Avm Köln/Mainz – Berchtesgarden 510 / 5518

Die oben genannte Tabelle zeigt die Zugbildung zum Sommerfahrplan 1979. Der Wagenstamm verkehrte stets mit den Zügen 511 und 510. Im Zugverband befanden sich vier Kurswagen, und zwar jene mit den Nummern 4 bis 6 (2. Klasse-Wagen) und 15 (1. Klasse Wagen). Diese vier Kurswagen wurden, wie es dort üblich war, in den Nahverkehrstakt integriert und waren auf der Strecke als Züge 5518 nach Berchtesgarden und 5513 von dort im Einsatz, zeitweise sogar bespannt mit Lokomotiven der Baureihe 194 und am Avmz hingen dann mitunter noch ein paar Güterwagen, das bietet die Möglichkeit für ungewöhnliche, aber dem Vorbild entsprechende Zugbildungen, ganz im Stil der 1970er und 1980er Jahre. Dieses sinnvolle Konzept wurde später dann auch geopfert.


Modellvorstellung

Die Neukonstruktion der Baureihe 144.5 im Rahmen der Edition Freilassing erforderte für die Lok einen passendes Wagenset. Roco hatte schon damals in den 1980er Jahren die passenden Eilzugwagen der Reichsbahn-Bauarten der Gruppe 30 (Ayse 604, AByse 630, Bye 667 und Dye 975; samt ausländischer Abwandlungen) geschaffen, die im Chiemgau auf dieser Steilstrecke mit den E 44.5 verkehrten. Die Neuauflage dieser Wagen ist sicherlich nicht so attraktiv, als die Schaffung des vierteiligen Wagensets als passende Garnitur für die neue 144.5.

Roco hat den Flügelzug anhand der vorliegende Zugbildung realisiert und dabei auf bisherige Modelle im Sortiment zurückgegriffen. Beim 1. Klasse-Schnellzugwagen wurde ein Wagen mit der Gattungsbezeichnung Avmz 111 herangezogen. Die Vorbildwahl fiel auf ein besonderes Einzelstück im DB-Bestand. Der Wagen wurde 1974 gebaut und diente als Probewagen für eine neue Einkanal-Klimaanlage der Firma Luwa mit elektrischer Nachheizung in den Abteilen. Weil das BZA Minden Probleme mit der Energieversorgung beim Einsatz in Gleichspannungsnetzen befürchtete, wurde er ausnahmsweise als Einspannungswagen für 1000 V, 16 2/3 Hz ausgeführt, deshalb hatte er auch die ungewöhnliche Wagennummer 19-73 070, nach der Ausrüstung mit Schlingerdämpfern dann 19-94 070.

Bei den drei Schnellzugwagen 2. Klasse handelt es sich um die Bauart Bm 235 in ozeanblau/beiger Farbgebung. Alle drei Modelle sind mit Mg-Bremsen ausgestattet und somit als 200 km/h lauffähige Wagen ausgebildet worden. Zwei Modelle entsprechen dem jüngeren Lackschema der DB, die neben dem ozeanblauen Rahmen auch die entsprechende Zierlinie aufweisen. Ein Wagen entspricht noch dem ersten Lackschema von Ozeanblau/beige, indem der Rahmen noch einen schwarz lackierten Träger aufweist.

Die vier Modelle sind wie gewohnt einzeln in den bekannten Blisterboxen verpackt und befinden sich in einer transparenten Umverpackung. Jedem Modell liegt noch ein Zurüstbeutel bei, aber auch eine Betriebsanleitung. Bei allen Modellen wurde das Zuglaufschild an die entsprechende Stelle am Modell aufgedruckt, die den IC 511 Chiemgau benennen. Darauf ist auch die entsprechende Ordnungsnummer angeschrieben. Alle weitere Modellangaben werden beim jeweiligen Wagenmodell angeführt. Das Set ist zum UVP von € 254,90 im Fachhandel erhältlich.


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Der DB-Abteilwagen 1. Klasse gehört der Wagengattung Avmz 111 an und wurde mit der Wagennummer 61 80 19-94 070-8 bedruckt. Als Heimatbahnhof ist Köln-Deutzerfeld angeschrieben. Die Revisionsanschriften lauten auf REV Om 13.12.79, und er hat die Ordnungsnummer 15. Am Modell sind noch die blauen Lampen der Türüberwachung vorhanden. Bezüglich der Türüberwachung, welche zunächst mit einer orangen Leuchte erfolgte, hat sich im Realbetrieb nicht wirklich bewährt. Sie wurden deshalb sukzessive ab 1978 von den Wagen dann demontiert.


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Dieses Schnellzugwagen ist als Bm 235 ausgeführt und weist die Wagennummer 51 80 22-90 609-4 auf. Freilassing ist der Heimatbahnhof. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV NA 5. 2.80. Die Zuglaufschilder liegen als lackierter Blechschildersatz bei. Es ist dies der Wagen mit der Ordnungsnummer 6.


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Der zweite Bm 235 gehört ebenfalls zum Fahrzeugbestand von Freilassing und wurde mit der Wagennummer 51 80 22-90 614-4 bedruckt. Die Angaben im Revisionsraster führen die letzte Fahrzeuguntersuchung mit REV NA 28. 2.80 an. Auch diesem Modell liegen die Zuglaufschilder bei. Er hat die Ordnungsnummer 5.


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Das vierte Wagenmodell unterscheidet sich optisch von den beiden anderen Bm 235, indem wieder noch über einen schwarzen Fahrzeugrahmen verfügt. Das Modell ist mit der Wagennummer 51 80 22-90 442-0 bedruckt und gehört ebenso zum Wagenpark des Bahnhofes Freilassing. Die Revisionsdaten werden mit REV NA 30. 5.80 angegeben. Es liegt auch hier ein kompletter Schildersatz bei, der Wagen hat die Ordnungsnummer 4.