Roco 72690: BLS Ae 8/8

Der steigende Güterverkehr in den Nachkriegsjahren stellte die BLS vor ein großes Problem. Das hohe Verkehrsaufkommen auf den 27 %o-Rampen der BLS zwischen Thun und Brig machten ständig Vorspann- und Schiebeleistungen notwendig, welche wirtschaftlich nicht mehr zu stemmen waren. Ein erster Versuch gestaltete sich in der fixen Kupplung von zwei Ae 4/4, dennoch wurde 1956 die erste Bestellung einer Ae 8/8 abgegeben. Diese Doppellok entstand aus den bereits in Bau befindlichen Ae 4/4 259 und 260, die durch Modifikation eines rückwärtigen Lokendes zur Doppellok Ae 8/8 271 umgestaltet wurden und ab 1959 in Verkehr gesetzt wurde. 1962 folgte die Ae 8/8, im Jahr darauf die Ae 8/8 273. Die Lokomotiven Ae 8/8 274 und 275 entstanden in den Jahren 1965 und 1966 aus dem Umbau von vier Ae 4/4 (253/254 und 255/256), nachdem diese durch die neuen Re 4/4 der BLS freigespielt wurden. Mit dem nachträglichen Einbau einer Vielfachsteuerung war sodann das Führen von 1.300 Tonnen-Zügen in Mehrfachtraktion über den Lötschberg möglich. Die Ae 8/8 waren die längsten und schwersten Triebfahrzeuge der BLS und heute noch teilweise im Einsatz. Die Lok 274 wurde infolge eines Trafoschadens 1996 verschrottet, die 271 und 272 wurden beim Remisenbrand 1998 in Spiez zerstört. Die 273 ist seit 2004 als Museumslok der BLS im Einsatz. Die 275 ist gesichert in Frutigen hinterstellt.


Modellvorstellung

Roco hat die Modellnachbildung der BLS Ae 8/8 erstmals im Neuheitenblatt 1999 angeführt. Neben dem Erstmodell der Ae 8/8 274 folgte eine Sonderserie für die Schweiz sowie eine weitere Modellausführungen mit Chromleisten. Die nächste Modellvariante findet sich im Neuheitenblatt 2021 mit der Ae 8/8 272 und neukonstruierten Stromabnehmern des Typs BBC 350/2. Diese Modellausführung ist für beide Stromsysteme verfügbar, indem die Gleichstrom-Version die Artikelnummer 72690 aufweist und die Wechselstrom-Version die Artikelnummer 78690. Der UVP beträgt € 319,90 bzw. € 359,90, wobei festzuhalten ist, daß das Modell in etwa gleich viel kostet wie vor 22 Jahren.

Verpackung

Die Auslieferung erfolgt in der bereits bekannten Roco-Verpackung mit Styroporeinlage. Das Modell ist dabei in zwei breiten Folien umwickelt. Mitgeliefert wird eine Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt und zwei Zurüstbeutel. In einem Zurüstbeutel sind die Kunststoffteile für die Pufferbrust enthalten, im zweiten die Zurüstteile für das Lokgehäuse.

Technik

Das Modell der BLS Ae 8/8 besteht aus zwei Lokhälften, die über eine Leiterbahn miteinander elektrisch verbunden sind. Ein Trennen der beiden Lokhälften ist nur durch die Abnahme beider Gehäuse und dem aufwendigen Ausfädeln der Leiterbahn über die Kupplungskopfe möglich. Die Gehäuse sind auf dem Metalldruckgußgehäuse aufgesetzt und lassen sich durch einfaches seitliches Auseinanderziehen durch Abzug nach oben und nach vorne abziehen.

Das Modell ist allachsangetrieben. In jeder Lokhälfte ist ein Mittelmotor mit Schwungmasse verbaut. Das Antriebsmoment wird über die Kardanwelle und dem Stirnrad-/Schneckengetriebe übertragen. Für die Zugkraft sind vier Haftreifen beidseitig auf die jeweiligen Außenachsen der beiden Lokhälften aufgezogen.

Die Lok verfügt über zwei Zentralplatinen, weshalb für den Betrieb die elektrische Verbindung beider Hälften erforderlich ist. Für den Digitalbetrieb ist aber nur ein Decoder erforderlich. Alle Lokhälften sind beidseitig mit einer Kurzkupplungskulisse versehen, wobei nur die Führerstandsseiten einen NEM-Normschacht aufweisen.

Fahrverhalten

Die bewährte Roco-Konstruktion weist ein bewährtes und taumelfreies Fahrverhalten auf. Das Eigengewicht beträgt xxx Gramm. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 141 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. 13 % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 17 % zu gering.

Optik

Die Salzburger haben bereits bei der Erstkonstruktion vor mehr als zwanzig Jahren ein feinst detailliertes und gut graviertes Modell auf die Schienen gestellt, sodaß gegenüber dessen keinerlei Änderungen notwendig waren, sofern man von der Neukonstruktion des BBC-Stromabnehmers des Typs 350/2 absieht.

Die BLS Ae 8/8 gilt daher als absolutes Highlight für die Schweizer Modellbahnfreunde. Es ist sehr filigran und optisch hervorragend ausgeführt, wobei die feinen Gravuren am Lokkasten, am Fahrzeugdach und bei den Drehgestellblenden zu überzeugen vermögen. Unverkennbar sind die tiefen Gravuren bei den extra eingesetzten Lüftergittern oder auch der paßgenauen Fenstereinsätze mit den dahinterliegenden Imitationen des Maschinenraums.

Am Dach sind alle Details zu finden, welche beim Vorbild existieren. Das Dach wurde diesmal silbern lackiert und ist mit feinen Isolatoren und einer orangen Dachleitung bestückt. Die neuen Stromabnehmer sind zierlich ausgeführt. Die Stirnfront gibt die markante Silhouette mit den drei Frontfenstern wieder. Der Blick auf die Drehgestelle offenbart noch Drehgestelle mit Tiefenwirkung.

Farbgebung und Lackierung

Die BLS-Lokomotive ist tadellos lackiert und bedruckt, wobei die Farbtrennkanten durch das Vorbild überschaubar sind. Die erhabenen Darstellung des Chromzierrates ist silbern ausgeführt. Sämtliche Anschriften bzw. Beschriftungen sind unter der Lupe gut lesbar. Als Untersuchungsdaten finden sich die Revisionsanschriften Sp R3 10.06.83. Somit gehört das Modell eindeutig der Epoche IV an.

Beleuchtung

Die Beleuchtung am Modell wurde beibehalten. Das Modell ist mit roten und weißen Glühlampen versehen, welche richtungsabhängig das Schweizer Zugspitzensignal und -schlußsignal abgeben.


Bilder