Siemens Smartron: Roco 71936

Obwohl Siemens mit seiner Vectron-Lokomotive ohnehin gute Geschäfte macht und gegenüber dem Mitbewerber Bombardier mit seiner TRAXX 3 trotz kolportierter, besserer Traktionskräfte laufend Aufträge ergattert, hat Siemens für den deutschen Markt noch eine abgespeckte Variante konzipiert, die unter dem Namen Smartron vertrieben wird. Der Smartron ist die vereinfachte Version des Vectrons. Das Fahrzeug wird nur in einer vorkonfigurierten Ausführung für den Güterverkehr in Deutschland angeboten, da hierfür schon die Zulassung vorliegt. Siemens erhofft sich damit, die Kosten für die EVU weiterhin zu senken, indem die technischen Parameter bereits fixiert sind. Der Smartron hat eine Leistung von 5,6 MW, eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h, ein Eigengewicht von ca. 83 Tonnen und ist nur im deutschen Vollbahnsystem mit 15 kV/16,7 Hz Wechselstrom und im PZB90- bzw. LZB-Betrieb einsetzbar. Die abgespeckte Version wurde am 1. März 2018 präsentiert, die Loks sind standardmäßig in der Farbe CAPRIBLAU lackiert und werden als Baureihe 192 geführt.


Modellvorstellung

Das Modell des Siemens-Vectron gibt es mittlerweile von mehreren Herstellern, auch von Roco. Daß Roco aus den verfügbaren Formen die abgespeckte Siemens-Vectron-Version als Smartron ableitet, war irgendwie zu erwarten und vorhersehbar. Die Neukonstruktion wurde daher zum fixen Bestandteil der Jahresneuheiten 2020 erklärt. Roco hat im Rahmen der Ankündigung erklärt, den Modell-Smartron ebenfalls vorbildgerecht umsetzen zu wollen und kündigte unter anderem Nachbildung der geänderten Frontplatte an. Im Neuheitenblatt 2020 finden sich daher drei verschiedene Modellausführungen. Das Gleichstrom-Modell mit der Artikelnummer 71936 ist zum UVP von € 209,90 ohne Loksound erhältlich. Das Gleichstrom-Modell mit Loksound trägt die Artikelnummer 71937, die Ausführung für die 3-Leiter-Wechselstrom-Modellbahner ist unter der Artikelnummer 79937 erhältlich. Die Modellvarianten mit Sound kosten jeweils einheitlich UVP € 294,90.

Verpackung

Roco liefert den Smartron im Modell in der robusten, zweifachen Kartonverpackung aus. Statt dem Schaumstoffeinsatz wurde auch diesmal auf einen Styroporeinsatz zurückgegriffen. Das Lokmodell ist von einer Plastikfolie ummantelt. Der Ersatzteilbeutel ist ein einer eigenen Ausnehmung abgelegt. Darin befinden sich verschiedene Zurüstteile, die insbesonders an der Lokfront extra anzusetzen sind. Die Betriebsanleitung, das Ersatzteilblatt und weitere Dokumente sind unter dem Styroporkörper abgelegt.

Technik

Roco hat für seine neue E-Lok das bekannte Antriebskonzept vorgesehen. Das Fahrzeuggehäuse aus Kunststoff ist auf dem Druckgußzinkalrahmen gesteckt, in dem die Kurzkupplungskinematik verbaut ist. Zur Abnahme des Gehäuses müssen die Seitenwände auseinander gespreitzt werden.

Der fünfpolige Mittelmotor mit seinen beiden, großen Schwungmassen ist unter der Fahrzeugplatine verbaut. Der Antrieb erfolgt mittels Kardanwellen und dem Stirnrad-/Schneckengetriebe auf die Achspaare der beiden Drehgestelle. Die Achse 3 weist beidseitig zur Verbesserung der Adhäsion ein Haftreifenpaar auf.

Die Fahrzeugplatine ist am Druckgußrahmen festgeschraubt. Auf der Fahrzeugplatine finden sich zwei Kondensatoren als Stromspeicher sowie die 22polige Schnittstelle nach NEM 658 (vulgo PluX22). Sämtliche Kabelverbindungen wurden bei diesem Lokmodell in entsprechende Führungen verbannt und mittels eigener Abdeckungen somit unsichtbar werden.

Fahrverhalten

Das Eigengewicht beträgt 453 Gramm. Die Vorbildgeschwindigkeit beträgt 160 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben einen umgerechneten Wert von ca. 171 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. sieben % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist sie um ca. 23 % zu niedrig.

Optik

Nachdem Roco schon bei der Konstruktion des Vectron die wesentliche Vorarbeit geleistet hat, bedurfte es nur einzelner Abwandlungen des gegenständlichen Modells. Das typische „Katzengesicht“ existiert weiterhin, nur wurde die bekannte Frontplatte mit dem Schnurbart der modifizierten Form des Vorbildes nachgebildet und ist schwarz ausgeführt, weisen aber wie beim Vorbild leichte Farbnuancen auf. Die Lampenfassungen weisen graue Ränder auf. Die Fenstereinsätze sitzen wiederum paßgenau in den entsprechenden Öffnungen. Gegenüber den Schwestermodellen sind auch bei dieser Konstruktion wiederum zahlreiche im Frontbereich angesiedelte Zurüstteile selbst einzusetzen. Die Seitenwände fallen durch die durchgehene glatte Oberfläche und den Gravuren im Türbereich sowie im Bereich der Rückschaukameras auf. Die Türgriffe sind aus Stahldraht gefertigt und wurden bereits werkseitig in das Modell eingesetzt. Am Rahmen sind mehrere Ausnehmungen vorgesehen. Das Dachfeld ist filigran und vorbildgerecht nachgebildet. Die Isolatoren und die Leitungen sind verschiedenfarbig umgesetzt. Am Dach befinden sich zwei Stromabnehmer für Wechselstromfahrleitungen. Die Drehgestelle sind dreimensional durchgebildet, die Räder sind profiliert und bedruckt. Selbst die Drehgestellträger weisen verschiedene Anschriften auf.

Farbgebung und Bedruckung

Der Siemens Smartron fällt einerseits sofort durch seine capriblaue Farbgebung auf, andererseits durch den großen Schriftzug auf den Seitenwänden und den verschiedenfarbigen Kontrastflächen, dargestellt als Parallelogramme. Diese Farbflächen wurden mittels Digitaldruck umgesetzt und wirken eher pixelhaft. Die Anschriften wurden ebenfalls im Digitaldruck erstellt, wirken ebenfalls pixelig, aber sind im Vergleich zu anderen Modellen dennoch gut lesbar. Das Modell ist mit den Fahrzeuganschriften wie der Halterkennung D-SIEAG, der Loknummer 91 80 6192 002-4 und dem Abnahmedatum im Revisionsraster REV MMAL 24.01.18 beschriftet.

Beleuchtung

Roco liefert das Modell mit warmweißen LED aus. Das Spitzenlicht ist dreifach warmweiß belegt, das Schlußlicht zweimal rot.


Bilder