Artitec fertigt Jagdpanzer Jaguar des Österreichischen Bundesheeres

Die Panzer zählen zu den Landfahrzeugen im militärischen Bereich. Sie sind ein Teil von mehreren Möglichkeiten, wie die Aufgabe der Landesverteidigung wahrgenommen wird. Neben den Landstreitkräften zählt heutzutage auch der Luftverkehr mit verschiedenen Fliegertypen. Am Boden gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Panzerfahrzeuge sowie auch andere Fahrzeuge mit militärischen Hintergrund.

Die Gerätschaft des Österreichischen Bundesheeres unterteilt sich bei den Waffen und der Gerätschaften in elf Gruppen. Diese betreffen folgende Teilbereiche:

1) ABC-Abwehrgerät mit fünf verschiedenen Fahrzeugtypen;

2) Artilleriewaffen, bestehend aus der Panzerhaubitze M 109-A5Ö und dem Rechenstellenpanzer M-109;

3) die Panzerfahrzeuge (Kampfpanzer „Leopard“ 2A4, Schützenpanzer „Ulan“, Bergepanzer „Greif), Mannschaftstransportpanzer „Pandur“ bzw. „Pandur Evolution“, Sanitätspanzer „Pandur“ und die Bergepanzer M-88;

4) Fliegerabwehr und die Luftraumüberwachung mit den Waffensysteme Leichte Fliegerabwehrlenkwaffe „Mistral“, 35 mm Zwillingsabwehrkanone 85, Zielzuweisung- und Tieffliegererfassungsradar, Feuerleitgerät 98 „Skyguart“, mobile Radarstationen und den Großraum Radarstation.

5) Hubschrauber mit den Typen „Leonardo AW 169 Lion“, „S-70 Black Hawk“, Agusta Bell 212, Alouette III und Bell OH-58 Kiowa.

6) Bei den Flugzeugen zählen die Eurofighter EF 2000, die Pilatus PC-7 „Turbo Trainer, die Pilatus PC-6 „Turbo Porter“ und C-130 „Hercules“.

7) Die Infanterie ist schon umfangreicher. Das Österreichische Bundesheer verfügt dabei über die Pistole 80, das Maschinengewehr 74, das Turmdachmaschinengewehr für den Panzer Leopard 2A4, den mittleren Granatwerfer 82, die Panzerabwehrlenkwaffe 2000 BILL, das Sturmgewehr 77, das mittlere Scharfschützengewehr Steyr 08A2, das Scharfschützengewehr 69, den schweren Granatwerfer 86, das Panzerabwehrrohr 66/79 und das überschwere Maschinengewehr M2.

8) Das Österreichische Bundesheer verfügt über einen sehr umfangreichen Fuhrpark an Kraftfahrzeugen. Der Fuhrpark besteht aus dem Allschutzfahrzeug „Dingo“ 2, dem geschützten Mehrzweckfahrzeug „Husar“, dem Universalgeländefahrzeug BvS10 „Hägglunds“, dem geländegängigen Lastkraftwagen der Firma ÖAF sowie dem ebenfalls geländegängigen Lastkraftwagen MAN 14.280, dem gl LKW 0,8 Puch G, Hakenladesysteme, dem Lastkraftwagen Steyr 12M8, dem Motorrad KTM 250, dem NISSAN Pathfinder, die Pinzgauer-Fahrzeuge mit den Typenbezeichnungen 716M, AP 712 und AP 710, dem Puch G 290/LP „Sandviper“, dem Unimog U4000-ÖBH und dem VW Touareg R5 TDI.

9) Verschiedene Simulatoren dienen als Übungsgerät, hierzu führt das ÖBH in seinem Bestand den Artillerieschließ-Simulator, den Fliegerabwehrsimulator, Funkausbildungs- und Simulationsanlage, den Mistralsimulator, den Panzerschieß-Simulator, den Radarsimulator und den Duellsimulator.

10) Glücklicherweise befindet sich Österreich dank seiner Neutralität in einer Friedensphase, sodaß militärische Einsätze somit nicht notwendig sind. Das Österreichische Bundesheer erfüllt aber für die Republik Österreich eine andere wichtige Funktion, indem es immer wieder nach Unwetterschäden oder Umweltkatastrophen zu Hilfe geholt wird. Hierfür stehen dem Österreichischen Bundesheer verschiedene Pioniergeräte zur Verfügung, die in solchen Situationen eingesetzt werden. Der Pool aus Pioniergeräten besteht aus dem Pionierpanzer, dem schweren Pioniergerät, der Pionierbrücke 2000, dem Faltstraßengerät, Arbeits- und Transportboote sowie Sturm- und Flachwasserboote.

11) Abschließend seien noch die Führungsunterstützungsgeräte genannt, mit denen die Truppenübungen oder auch die Einsätze koordiniert ablaufen. Dazu zählen das verlegbare Vermittlungssystem, das Handfunkgerät TFF-41-0, das Kurzwellensystem PRV 2200, der Funkgerätesatz BFF-32-0, das verlegbare Richtfunksystem TRC-4000, das VHF-Truppenfunksystem CONRAD und das Radio Access Point.

Nachdem wir die Ausstattung des Österreichischen Bundesheeres kurz umrissen haben, kommen wir wieder zum Panzer Jaguar zurück. Diese Panzer-Type wurde als Kriegsgerät Jaguar 1 bzw. Jaguar 2 entwickelt. Der Jaguar 1 ist als Jagdpanzer konzipiert, der von den Unternehmen Henschel (firmiert heute als Rheinmetall Landsysteme) und Hanomag entwickelt und produziert wurde. Beide Unternehmungen sind/waren bekannte Lokomotivschmieden, die sich nach Wegfall der Absatzmärkte neue Marktpotentiale suchten.

Die Deutsche Bundeswehr hat den Jaguar 1 in den Jahren 1978 bis 2006 eingesetzt. Darüber hinaus hat die Deutsche Bundeswehr 316 Fahrzeuge des Raketenjagdpanzers 2 zum Jaguar 1 umfunktioniert. Die konzeptionelle Basis des Jaguar 1 geht auf den Kanonenjagdpanzer der Deutschen Bundeswehr zurück. Die Wanne und das Fahrgestell sind weitgehend identisch, ab 1963 wurden entsprechende Prototypen geschaffen, die dann den Raketenjagdpanzer 1 ersetzen sollten. Die beiden Entwickler- und Herstellerfirmen haben ab 1967 insgesamt 370 Fahrzeuge unter der neuen Bezeichnung Raketenjagdpanzer 2 gebaut. Diese Type wurde dann noch mit zwei Startgeräten für die Panzerabwehrlenkwaffe SS 11 versehen.

Zeitgleich wurde an dem HOT-System entwickelt. Das HOT bezeichnet ein Waffensystem mit Raketen zur Panzerabwehr aus deutsch-französischer Entwicklung. Hersteller sind hier bei die Firmen Aérospatiale (Frankreich) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (Deutschland). Die Entwicklung wurde 1964 begonnen und nach zwölf Jahren erfolgte die Inbetriebnahme. Die erfolgreiche Testung des neuen Waffensystems führte zur Ausstattung dieses auf einigen Prototypen des Raketenjagdpanzers 2. Die Testserie verlief erfolgt, in den Jahren 1978 bis 1983 wurden 316 Fahrzeuge mit dem neuen Waffensystem bestückt. Darüber hinaus wurden noch einige Fahrzeuge mit einer Zusatzpanzerung versehen, die somit die Bezeichnung Jaguar 1 erhielten.

Die Republik Österreich hat in den Jahren 1995/96 von der Bundesrepublik Deutschland 90 gebrauchte Jagdpanzer Jaguar 1 gekauft. Diese wurden beim Österreichischen Bundesheer im Panzerabwehrbataillon 1 eingesetzt. Bereits zehn Jahre später wurde von der Regierung das Bundesheer-Reform-Paket 2010 auf den Weg gebracht, das den Beschluß faßte, die Panzer ab dem Jahr 2006 stillzulegen.

Die Landesverteidigung der Republik Österreich wird durch das Österreichische Bundesheer wahrgenommen, welches dem Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) untersteht. Das Bundesheer ist flächenmäßig auf mehrere Kasernen mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgeteilt. Für die aktive Wahrnehmung der Landesverteidigung stehen dem Bundesheer ein umfangreicher Pool an Material und Fahrzeuge sowie Rekruten bereit.

Das BMLV führte im Jahr 1996 im Bundesheer das Waffensystem Jagdpanzer Jaguar ein. Es dient der Abwehr gegen feindliche Panzer auf eine Entfernung bis zu 4 km und besteht aus einem Lenkwaffensystem, welches im Panzer als Trägerfahrzeug integriert ist. Die Beschaffung des neuen Waffensystem beruht im wesentlich durch den Ankauf ausgesonderter Systeme der Deutschen Bundeswehr.

Die Notwendigkeit dieses Waffensystems ergibt sich nicht nur aus dem Beschluss der Verteidigungsdoktrin aus dem Jahr 1975. Der Zerfall des Warschauer Paktes zu Beginn der 1990er Jahre bedeutete für die Republik Österreich ein Gefährdungspotential durch regional begrenzte Konflikte, weshalb das BMLV 1993 ein Einsatzkonzept erstellte und daraus 1995 ein Panzerabwehrkonzept sowie das Konzept für die mechanisierten Kampftruppen (1996) erstellte.

Das Panzerabwehrkonzept aus dem Jahr 1995 sah die Bereitstellung geeigneter Panzer mit integrierten Lenkwaffen vor, deren Reichweite bis zu 4000 m reichen sollte, nachdem bereits ein ähnliches System mit nur 2.000 m Reichweite nach dem Wegfall des Lenkwaffenverbotes – verankert im Staatsvertrag von 1955 – im Jahr 1990 obsolet wurde. Im Pflichtenheft aus 1991 wurden die Mindestanforderungen für das zu beschaffende Waffensystem festgelegt, die u. a. eine Kampfführung bei Dunkelheit und schlechter Sicht sicherstellen sollte. Die Sicherstellung derartiger Kampfhandlungen sollte durch den Einsatz von Wärmebildgeräten erfolgen.

Nach Erprobungen und Vergleichen mit verschiedenen gepanzerten Fahrzeugen entschloss sich das BMLV 1996, den gesamten Bedarf aus gebrauchten Fahrzeugen von der deutschen Bundeswehr samt Munition (Lenkflugkörper vom Typ HOT) zu decken. Der Kaufvertrag wurde im Dezember 1996 geschlossen. Die Ausgaben für das Waffensystem Jagdpanzer Jaguar beliefen sich auf rd. 5 Mio. Euro für die Fahrzeuge samt Simulatoren sowie weitere 8,4 Mio. Euro für Ersatzteile.

Dieses kurze Intermezzo der Gebrauchtfahrzeuge blieb nicht ohne Nachwirkungen. Denn der Rechnungshof hat sich im März 2006 die Beschaffung näher angesehen und im Rahmen seiner Gebarungsprüfung zahlreiche Mängel festgestellt, die dem Steuerzahler einen verlorenen Aufwand von 40 Mio. Euro bescherten. Da ein Rechnungshofbericht aus dem Jahr 2007 nicht die gewünschten Erfolge des neuen Waffensystem aufzeigte, wurden die Fahrzeuge bis zum Jahr 2010 aus dem Bestand geschieden.


Modellvorstellung

Artitec kündigte als Neuheit 2014 verschiedene Ausführungen des Jagdpanzer Jaguar an. Die Modelle gelangen seit August/September 2014 in Auslieferung und werden als Fertigmodell im Maßstab 1:87 (Spurweite HO) sowie als Bausätze für den Maßstab 1:72 sowie in der Spurweite HO (1:87) und in N (1:160) angeboten.

Der Hersteller erfreut dabei den Modellbahner mit verschiedene Ausführungen, wobei meine Besprechung sich auf das vorliegende HO-Modell reduzieren wird. Als Bausatz wird nur der Jagdpanzer Jaguar in der Ausführung des Österreichischen Bundesheeres angeboten. Die Fertigmodelle umfassen zwei verschiedene Ausführungen des Österreichischen Bundesheeres (Tarnlackierung sowie in der Combat Ready Tarnlackierung) sowie vier verschiedene Ausführungen der deutschen Bundeswehr, und zwar in gelboliver Lackierung bzw. in der Fleckentarnung sowie beide Farbvarianten in der Combat Ready-Ausführung.

Die Neukonstruktion brachte ein solide ausgeführtes Modell mit entsprechenden Eigengewicht von ca. 35 Gramm empor, um es auch ggf. für einen Panzertransport auf der Schiene zu verwenden. Allerdings eigenen sich diese Modelle nur bedingt für den Transport in Militärzügen, weil das Fahrzeug in der Modellumsetzung in der aktiven Gefechtstellung dargestellt wird. Das Fertigmodell ist mit dem Lenkwaffensystem und einem Maschinengewehr bestückt, die Einstiegsluke ist geöffnet. Die beiden Antennen sind aus einem elastischen Metalldraht gefertigt und sehr widerstandsfähig. Zur Vervollständigung der Anschriften liegt dem Modell ein Bogen mit Nummerntafel bei.

Das Modell ist sauber ausgeführt. Die tiefen Gravuren hinterlassen einen hervorragenden Eindruck und verleihen dadurch dem Modell ein wirklich optisches Finish. Artitec liefert das Modell in einer Kartonverpackung aus. Positiv ist zu erwähnen, dass das Modell mittels einer Kreuzschraube am Gehäuseboden am inne liegenden Stabilisationskarton festgeschraubt ist, der zugleich die Funktion des absoluten Transportschutzes übernimmt.

Abschließend ergeht an Artitec der ausdrückliche Wunsch, dass auf Basis der jetzigen Neukonstruktionen Modelle abgewandelt werden, die man auch Vorbild gerecht auf den ebenfalls toll umgesetzten Flachwagen verladen kann.

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