Styria-Verlag: Mit Highspeed in den Süden – Jahrhundertprojekt Koralmbahn
Der Autor ist zwar Redakteur bei einem renommierten Medium, doch privat interessiert er sich sehr für die Eisenbahn und hat auch schon einen Reiseführer verfaßt.
Die Koralmbahn ist eine Investition, die vielen unter den Nägeln brennt. Die neue Bahnlinie war zunächst sehr umstritten, doch die politische Beharrlichkeit in den südlichen Bundesländern, aber allen voran durch den damaligen Landeshauptmann Jörg Haider, sorgte letztendlich dazu, daß eine zunächst ungeliebte Neubaustrecke letztendlich der allgegenwärtige Star unter Österreichs Eisenbahnstrecken ist. Immerhin wurden in den letzten 25 Jahren Jahren rund 130 Kilometer Neubaustrecke mit dem Herzstück Koralmtunnel geschaffen.
Das Buch wurde im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten am 12. Dezember 2025 als offizielles Buch angepriesen, basiert es doch auf akribische Recherche und zahlreichen Interviews am Projekt beteiligter Personen. Das Buch ist jetzt weniger ein technisches Manifest, sondern eine Dokumentation zur Idee, Planung, Umsetzung, Bau und Inbetriebnahme der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke im Süden Österreichs, also zwischen den beiden Landeshauptstädten Klagenfurt und Graz. Der Autor beschreibt einerseits die entsprechenden Vorplanungen mit der Südostspange und andererseits die dann erfolgten Vorplanungen als innerösterreichische Lösung mit verschiedenen Trassenverläufen, bis hin zum baureifen Projekt samt seiner Umsetzung.
Insgesamt ist das Buch sehr kurzweilig geschrieben und aufgrund der Kenntnisse im Eisenbahnwesen werden mitunter verschiedene Vergleiche gezogen. Dank der Interviews wirkt das Buch sehr informativ und dokumentiert hautnahe Erlebnisse der Entscheidungsträger. Berichtet wird aber auch über die verschiedenen Produktionsmethoden, über die Tunnelbohrmaschinen, die Baulogistik und der technischen Anlagen sowie auch über verschiedene Meilensteine im Zuge der Projektdurchführung. Allerdings sind einige Formulierungen nicht fehlerfrei geblieben, oder es haben sind Fehler eingeschlichen:
Seite 41: Josef Halbmayr schied bereits 2018 als Finanzvorstand aus.
Seite 42: 1995 – Verkauf diverser Zahnrad- und Schmalspurbahnen inkl. der Wachaubahn. Die Ausgliederung dieser Strecken erfolgte zumindest zehn Jahre später.
Seite 78: Es fehlt einerseits der Terfener Tunnel der Unterinntalbahn, und der dazugehörige Münsterertunnel ist nicht bei Kufstein. Der Tunnel 4 im Inntal ist unbekannt.
Seite 103: Stichwort Funktionsweise ETCS: Das System gibt alle Daten vor, der Lokführer und sein Zug wird sprichwörtlich infolge der vorgegebenen Bremskurven geführt und kann sich entspannt zurücklehnen. Das System bremst sich selbst ein, ohne daß der Lokführer selbst Hand anlegen muß.
Seite 132: Die Züge des Nightjets umfassen weder den Snalltagat von Skandinavien nach Westösterreich, noch werden die Leistungen Villach – Edirne (Optima-Express) von den ÖBB angeboten.
Ungeachtet dessen ist auch im Buch zu lesen, daß durchfahrende Güterzüge für das Österreichische Schienennetz keinen Nutzen oder monetär einen Vorteil hätten. Das ist insofern nicht richtig, als daß jeder gefahrene Zug das natürliche Monopol Schienennetz (Infrastruktur) durch seine Benutzungsentgelte wirtschaftlich rentabler macht.
Auch die genannte Zuganzahl von 158 Zügen kann nicht unbedingt als Erfolg gesehen werden. Wenn man die 158 Züge auf den gesamten Tag umlegt, ergäbe dies eine Zugfolge von durchschnittlich 18 Minuten Blockabstand. Hierbei wird wohl eher gemeint sein, die Koralmbahn wird momentan täglich von 158 Zügen frequentiert.
Allgemeine Infos:
Verlag: Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG
Autor: Othmar Bruckner
Buchhülle: Hardcover
Umfang: 180 Seiten / 21,2 x 26,5 cm
Fotos: 114
Skizzen: 22
ISBN: 978-3-222-13748-8
Verkaufspreis: € 37,– [A]