ÖBB-Schürzenwagen: Brawa 51102 bis 51106

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Modellvorstellung

Modelle der windschnittigen Schürzenwagen gibt es schon von Herstellern Liliput (Wien) und von Märklin. Beide Modelle sind für Ihre Zeit der Modellumsetzung nicht schlecht, wiewohl Märklin bei der letzten Auflage einige Formänderungen im Dachbereich vornahm. Die Schürzenwagen wollte auch die Firma Roco vor mehr als zehn Jahren en miniatur verwirklichen. Es blieb lediglich bei der Ankündigung.

Mit großer Verwunderung wurden diese Wagen dann im Neuheitenprospekt 2024 von Brawa aufgenommen. Noch mehr Verwunderung sorgte aber die Ankündigung der Varianten. Brawa hat in diesem Neuheitenprospekt Modellausführungen folgender Bahnverwaltungen bekanntgegeben:

Deutsche Reichsbahn (Gesellschaft), Deutsche Bundesbahn (frühe Epoche III), Deutsche Reichsbahn, Österreichische Bundesbahnen, Französische Staatsbahnen (SNCF) und Deutsche Bundesbahn (Epoche IV), wobei auch die Ausführungen als Speisewagen ebenfalls Berücksichtigung fanden. Da von jedem Modell auch technische Abwandlung existieren, wie die Gleichstrom-Wagen mit Innenbeleuchtung oder auch die Ausführung für das Dreileiter-Wechselstromsystem, ebenfalls mit LED-Innenbeleuchtung, sind in diesem Katalog rund 100 verschiedene Artikelnummern vorzufinden!

Fertige Muster der Schürzenwagen waren bereits auf der IMA in Friedrichshafen zu sehen, allerdings DB-Modelle. Die Auslieferung erfolgte dann kurz darauf, also rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Für die Vorstellung wurden ausschließlich die ÖBB-Wagen ausgewählt. Die Auslieferung war für das 4. Quartal 2024 angegeben. Der UVP wurde für die gesamte Wagenserie einheitlich kalkuliert. Die Modelle ohne Innenbeleuchtung für das Gleichstrom-System weisen einen UVP von € 89,90 auf. Die Zweileiter-Gleichstrom-Modelle mit werkseitig verbauter LED-Innenbeleuchtung werden zum UVP von € 109,90 angeboten, währenddessen die Dreileiter-Wechselstrom-Fahrzeuge einen UVP von € 114,90 aufweisen.

Die Auslieferung der neuen Schürzenwagen erfolgt in der bekannten Brawa-Schachtel mit Kartonschuber und Kartonverpackung. Eine zweifache Plastikeinlage nimmt das Modell auf. Nach dem Abnahmen des Deckel ist das Modell aus der dünnen Plastikfolie entnehmbar. Mitgeliefert wird ein Zurüstbeutel mit eingezogenen Faltenbälgen, Zurüstteile wie Zughaken, Bremsschläuche udgl. sowie weitere Kleinteile. Darin sind auch die Bügelkupplungen enthalten. Was die Betriebsanleitung betrifft, scheint man wieder den alten Weg zu beschreiten, indem eine mehrseitige Dokumentation aus Papier beiliegt!

Brawa hatte bei der Auslieferung der m-Wagen vor einem halben bis dreiviertel Jahr bewußt auf die Produktion einer Betriebsanleitung verzichtet und anstatt dessen einen Hinweiszettel mit QR-Code beigelegt, wo man die Betriebsanleitung online (!) abrufen konnte! Da muß man sich schon fragen, wer auf diese Idee kam? Wie ich in meinem Vergleichsartikel zu den m-Wagen schon zuvor folgerichtig feststellen mußte, ist dies nicht nur diskriminierend gegenüber älteren Personen, die weder über EDV-Geräte verfügen, geschweige sich damit auskennen oder ein Smartphone werden, sondern offenbart die Naivität manch Verantwortlicher: Wer hat schon einen Computer am Arbeitsplatz seiner Anlage stehen?

Der Abdruck der Ersatzteilliste ist zwar gut und richtig, sie suggeriert aber dennoch, daß der Hersteller entsprechende Teile vorhält. De facto ist dies nach Aussagen mehrere Modellbahner nicht der Fall, die selbst für neuere Modelle auf die lang bestellten Teile warten.

Die Schürzenwagen von Brawa fallen zunächst einmal durch ihr geringes Eigengewicht auf. Ein Modell wiegt 118 Gramm, wobei es zum Problem (Entgleisungsgefahr) werden könnte, wenn man nachgereiht noch schwere Modelle in einem längeren Zugverband führt. Jedenfalls haben die vorliegenden Modelle den Fahrttest über die Weichenstraßen bestanden und sind nicht entgleist, wie dies bei den m-Wagen der Fall ist.

Die Modelle sind aus Kunststoff gefertigt und bestehen aus mehreren Teilen. Der Wagenkasten ist als eigenes Teil gefertigt und sitzt auf dem Wagenboden auf. Die Abnahme des Wagenkastens erfolgt durch seitliches Spreizen der Seitenwände, die idealen Angriffspunkte sind oberhalb der Schützenverkleidung der Drehgestelle. Der Wagenkasten ist mit feinen Gravuren versehen, wobei die Deckleiste im Mittelgurt leicht erhaben umgesetzt wurde. Dasselbe gilt auch für die Türschnallen, welche silbern eingefärbt sind, aber auch für die Halterungen der Zuglaufschilder. Die Lüfterschlitze über die Fallfenster sind beim 1. Klasse-Wagen durch den gelten Klassenstreifen weniger gut erkennbar, besser kommen diese Gravuren bei den 2. Klasse-Wagen zur Geltung. Bei den Stirnseiten sind die eingezogene Stirnwand mit den Fenstereinsätzen und den extra angesetzten Griffbügel sowie die ausgezogenen Faltenbälge
zu sehen.

Der Wagenboden zeichnet sich nur eine vollständig dargestellte Bremsanlage aus. Deshalb empfiehlt es sich, das Modell auch an den Fahrzeugschürzen zu berühren, sonst besteht die Gefahr, daß in der Regel nicht sichtbare Teile abbrechen können. Es ist unbestritten, daß Brawa mit derartigen Features am Markt punkten will, letztendlich sind es nur optische Unnötigkeiten bei Modellen, die man im Anlagenbetrieb nicht erkennt und somit den Preis in die Höhe treiben. Diese Feststellung ist insofern von Relevanz, da gerade diese Bauteile sich hinter der fix am Wagenboden montierten Wagenschürze verstecken. Was die Darstellung einer möglichst korrekten Schürze betrifft, so haben die Konstrukteure bei Brawa einen neuen Weg beschritten, der schon bei anderen Konstruktionen zur Anwendung gelangt. Es betrifft die beiden Ausschnitte der Wagenschürzen bei den Drehgestellen. Diese Teile sind beweglich ausgeführt und schwenken über Bodenführungen gleichzeitig je nach Erfordernis mit dem Drehgestelle aus. Im Realbetrieb auf der Anlage schwenkt dieses Teil bei Kurvenfahrt aus und offenbart die geteilte Wagenschürze. Die mangelnde Drehbarkeit des Drehgestells erfordert diese technische Hilfskonstruktion, welche bei einem schwarzen Rahmenteil optisch nicht so auffällt, auch der dazwischen befindliche Spalt. Sollten aber ÖBB-Wagen mit umbragrauem Rahmen und Laufwerk der letzten Einsatzperiode erscheinen, wird dieser unschöne Spalt unweigerlich sichtbar. Eine ähnliche Verlegenheitslösung hat schon Rivarossi bei der ÖBB-Reihe 1046 gewählt, die besonders beim umbragrauen Rahmen in die Augen sticht.

Im Wagenboden ist natürlich die NEM-Kurzkupplungkulisse verbaut, um auch hier die Ausdrehbarkeit bzw. die Seitenbeweglichkeit der Kulisse technisch problemlos zu gewährleisten, wurden die Trittbretter – wie man dies schon von den Liliput-Schürzenwagen kennt, miteinander als Bauteil verbunden und sind beidseits – im Einklang mit der Drehgestellblende – seitenverschiebbar.

Die beiden Drehgestelle sind wiederum über Doppelrastnasen vom Wagenboden aus eingeklipst. Die Bremsgestänge sind um die Achsen geführt, auch die Rahmenlichtmaschine an einem Drehgestell. Die verwendeten Achsen bestehen aus einer Kunststoffwelle und zwei aufgesteckten Metallachsscheiben mit Profilierung. Die Drehgestelle sind dreidimensional durchgebildet.

Das glatte Dach wird von 19 Schweißnähte unterbrochen. Diese gut gut sichtbar, doch könnten diese noch dezenter ausgeführt werden. Über jedem Fahrgastabteil ist eine Lüfterkonsole eingesetzt bzw. sind jeweils über der WC-Anlage angesetzte Dachöffnungen mit den entsprechenden Verschlüssen nachgebildet. Ein weiteres Merkmal stellen die an den Ecken befindlichen Einzüge in der Dachrundung dar.

Die ersten Modell sind noch mit Fallfenster ausgeführt. In der heutigen Zeit mit modernsten Fertigungsmethoden und Werkzeugen sollte es möglich sein, paßgenaue Fenstereinsätze zu konstruieren und zu produzieren. Die Fensteröffnungen sind zwar dezent angedeutet, auch die schmalen Fensterstege sind unbestritten, doch beim genaueren Hinweisen wirken mehrere Fensterstege gerade im unteren Bereich eine Verjüngung auf. Entweder sind diese nicht korrekt modelliert oder der Farbauftrag der Alurahmen ist suboptimal umgesetzt. Als weiteres Manko sind noch die Türgriffstangen zu erwähnen. Deren leichte Krümmung kann ja noch hingenommen werden, aber die silbernen Auflegeplatten schauen furchtbar aus und wirken sehr realitätsfern.

Die Lackierung der Modelle ist infolge der monoton ausgeführten Farbgebung des Vorbildes auch leicht im Modell umzusetzen, möchte man meinen. Wenn man sich die Lackierung aber bei den Modellen genau ansieht, so sind im Stufenübergang von Fahrzeugrahmen zum Wagenkasten Ausfransungen der schwarzen Rahmenfarbe zu erkennen. Auffallend ist auch, wie auf den Bildern ersichtlich, ist teilweise ein feiner Ölfilm zu sehen. Wenn man genauer hinsieht, findet man auch nicht immer sauber lackierte Türschnallen.

Die Qualität der Anschriften bzw. Bedruckungen könnte hier auch bei einem Modell in dieser Preisklasse wesentlich besser sein. Die Anschriften sind zwar alle vorhanden, einige der Andrucke sind von dem Farbauftrag so übersättigt, daß das klare Schriftbild zerrinnt. Diese schwarzen Klasse-Schilder sind bei Inkrafttreten des Zweiklassenschemas zwar rasch verschwunden, sofern die Wagen neu lackiert wurden. Real sind es gewölbte Emailschilder. Sie sind am Wagen verblieben, wenn am Fahrzeugkasten keine Erhaltungsmaßnahmen anstanden. Jedenfalls haben diese Schilder bei den Schürzenwagen ihre Richtigkeit, denn es gibt Sichtungsbilder des 1. Klasse-Wagen 11330 von 1962 in Feldkirch sowie auch von einzelnen 2. Klasse-Wagen zu einem späteren Zeitpunkt.

Der noch fehlende AB-Wagen (51103, 51109 und 51115)

Bei diesem Artikel stellt sich die Frage, kommt er oder kommt er nicht? Im Neuheitenprospekt ist unter dieser Artikelnummer ein AB4üh 12350 angekündigt. Diese Wagennummer findet sich auch in der 40 Jahre alten Hoch-Liste und wird dort als ABC4ü) angeführt. Rechts daneben steht die richtige Wagennummer, welche der Wagen nach der Zweiklassenreform trug. Die korrekte Darstellung der BC4ü-39 mit den ÖBB-Wagennummern findet sich in den Publikationen der Tiroler Verkehrsschriften, Band 7 und Band 8. Jedenfalls darf man bespannt sein, wie das Modell letztlich verwirklicht wird?

Bilder Brawa 51102

Das Modell des ersten Klasse-Wagens trägt die ÖBB-Wagenanschriften A4üh 11330. Der Wagen hat seinen Heimatbahnhof Wien-Westbahnhof und ist mit den Revisionsanschriften REV Pn 23. 1.61 N. R. 23. 7.63 bedruckt.


Bilder Brawa 51104

Dieser Schürzenwagen der 2. Klasse der ÖBB gehört der Gattungsbezeichnung B4üh an und erhielt die Wagennummer 30605. Die Angabe zum Heimatbahnhof ist weiß hinterlegt und gibt Wien-Westbahnhof an. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV Pn 30.12.60 bzw. N. R. 30. 6.62.


Bilder Brawa 51105

Dieses Modell ist mit der geänderten Wagennummer B4üh 30593 aufgelegt worden, bei dem aber die Anschrift zum Heimatbahnhof mit weißer Farbe auf dem schwarzen Rahmen erfolgte. Die Untersuchungsdaten werden mit der Anschrift REV Pn 4.10.60 bzw. N. R. 4. 4.62 angegeben.


Bilder Brawa 51106

Das derzeit letzte Modell eines 2. Klasse ÖBB-Schürzenwagens wurde als B4üh 30600 ausgeführt, der ebenfalls in Wien-Westbahnhof beheimatet ist. Im Revisionsraster stehen die Untersuchungsdaten mit REV Pn 17. 5.61 bzw. N. R. 17. 5.63.


Bilder Brawa 51103

Gut zwei Monate später wurde auch der gemischtklassige Schürzenwagen der ÖBB ausgeliefert. Das Modell wurde mit der richtigen Wagennummer zur entsprechenden Einsatzperiode der 1960er Jahre gestaltet. Das Modell ist mit den Fahrzeuganschriften AB4üh 21350 und dem Heimatbahnhof Wien Westbahnhof bedruckt. Im Revisionsraster stehen die Angaben REV Pn 20. 4.61 bzw. N. R. 20.10.63.