Piko 51380 / 51384 : CSD-Baureihe S499 / CD 240

Die Maschinen vom Typ Skoda 47E gehören zu den (optisch) auffälligsten Maschinen Europas, die in unterschiedlichen S489 und S499 an die Staatsbahn der Tschechoslowakei geliefert wurden. Das gefälligste Erscheinungsbild ist geprägt durch die abgerundeten Führerstände mit den großen Panoramafenstern. Der Lokkasten wurde vollständig aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Die CSD S499 wurde ab 1968 in einer Stückzahl von 145 Exemplaren durch die CSD beschafft. AB 1988 wurden die bis zu 3.200 kW starken Lokomotiven als Baureihe 240 umgeschrieben. Nach 1992 verblieb die Mehrheit der Flotte bei der ZSR, die sie weiterhin vor allen Zuggattungen einsetzt. Die Maschinen der CD sind hingegen im Güterverkehr anzutreffen. Anfang der 2000er Jahre wurden drei Loks zu Mehrsystemmaschinen als Reihe 340 ausgebildet, die im Grenzverkehr zwischen Horni Dvoriste und Summerau verkehren.


Modellvorstellung

Die Ankündigung der Laminatka als Neukonstruktion aus dem Hause Piko war die Überraschung auf der Spielwarenmesse Nürnberg, wobei natürlich der Hersteller des Vorbildes, die Firma Skoda auch ein berechtigtes Interesse an der Modellumsetzung hatte. Die Ankündigung darf auch als Signal verstanden werden, daß gerade die ehemaligen Ostblockstaaten heutzutage wichtige Märkte für das Hobby an sich darstellen. Jedenfalls hat Piko ein ungewöhnliches Vorbild im Modell umgesetzt, das seine Beachtung verdient. Die Erstauflage der S 499 der CSD erfolgt im Ablieferungszustand, wobei Piko das Modell wiederum mit und ohne Loksound anbietet. Das vorliegende Modell ist die Analog-Version als Zweileiter-Modell zum UVP von € 209,99, die Wechselstrom-Version ohne Loksound mit der Artikelnummer 51381 kostet € 249,99 UVP. Die Soundloks sind unter den Artikelnummern 51382 (Gleichstrom-Ausführung zum UVP von € 299,99) bzw. 51383 (Wechselstrom-Ausführung zum UvP von € 309,99) erhältlich. Der verbaute Decoder der Wechselstrom-Versionen ist wie bereits bei Piko üblich mfx-fähig.

Verpackung

Piko liefert seine CSD-Lok als Expert-Modell in neuen Verpackung aus, wie diese schon bei der Baureihe 118 oder der Baureihe 152 der Fall war. In die Kartonverpackung mit Kartonschuber ist das Modell in der rutschsicheren Blisterummantelung eingelegt. Das Modell steht dabei erstmals auf einem eigens gefertigen Plastikgleis. Sämtliche Papiere zum Modell sind an der Unterseite in einem eigenen Schuber in die Kartonverpackung eingeschoben. Der Zurüstbeutel ist am Scharnier der Blisterbox eingeklebt. Dieser enthält nicht nur zwei Frontverkleidungsteile, sondern auch die üblichen Zurüstteile wie Bremsschläuche udgl.

An dieser Stelle sei nochmals ein kritisches Wort hinsichtlich der Lesbarkeit der Betriebsanleitung erwähnt – Stichwort Barrierefreiheit. Die Explorationszeichnen sind für den Modellbahner sehr nützlich. Ergänzende Hinweise werden noch in Schriftform niedergelegt. Allerdings wäre es sehr sinnvoll, die bisher gewählte Schriftgröße zu überdenken. Der Hersteller möge bedenken, daß die Sehkraft gerade älterer Personen schwächer wird und die Angaben nur mehr unter der Zuhilfenahme einer Lupe erkennbar sind.

Technik

Sämtliche technische Komponenten befinden sich unterhalb des Lokgehäuses. Das Lokgehäuse ist über zwei an der Unterseite befindliche Schrauben befestigt, wobei es sich empfiehlt, einen Schraubenzieher mit magnetisierter Spitze zu verwenden. Die beiden Schrauben befinden sich diagonal versetzt zwischen Seitenwand und Drehgestellblende. Allerdings ist beim Öffnen vorsichtig vorzugehen, außerdem ist gut zu wissen, daß der Fahrzeugrahmen den roten unteren Rahmenteil umfaßt. Dieses ist aus Metall gefertigt. Ab dem gelben Fahrzeugteil aufwärts ist das Lokgehäuse aus Kunststoff gefertigt. Nachdem Öffnen wird der Blick auf das Innenleben frei. Die sichtbar werdende Zentralplatine offenbart eine Digital-Schnittstelle PluX22. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der Ablegeplatz für den Lautsprecher vorgesehen. Zwischen Platine und Mittelmotor ist noch eine Motorhalterung eingezogen.

Der fünfpolige Mittelmotor ist mit zwei Schwungmassen bestückt und treibt das Modell über einen Kardanantrieb mit Stirnrad-/Schneckengetriebe auf alle Achsen an. Zwei Achsen sind mit einem Haftreifen versehen und betreffen die jeweils mittleren Achsen. In die Neukonstruktion ist eine NEM-Kurzkupplungskulisse eingebaut, in welche die Frontschürze integriert ist. Wie von anderen Piko-Modellen bekannt, schwenkt diese bei Kurvenfahrt je nach Radius aus.

Fahrverhalten

Das schöne Modell der CSD-Lok bringt ein Gewicht von 425 Gramm auf die Waage. Das Fahrverhalten ist solide. Das Vorbild hat eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Messungen bei 12 V Gleichstrom ergaben umgerechnete Werte von ca. 147 km/h. Die berechnete Modellgeschwindigkeit ist gegenüber der Vorbildgeschwindigkeit um ca. fünf % zu hoch, gegenüber dem NEM-Wert – unter Berücksichtigung der Erhöhung um 30 % – ist die Modellgeschwindigkeit um ca. 25 % zu niedrig.

Optik

Die S499 ist in der Tat eine nicht ganz einfach zu fertigende Lokomotive, wenn man sich die unterschiedlichen Rundungen an der Fahrzeugfront oder der anderen Fahrzeugteile ansieht. Aber dennoch ist es Piko gelungen, ein sehr maßstäbliches Modell dieser optisch auffälligen Type zu erstellen. Der Blick auf die Seitenwände offenbart korrekte Nachbildungen der Zierleisten und des Lüfterbandes über die Maschinenraumlänge. Korrekt dargestellt sind auch die gummigefaßten Maschinenraumfenster in der Dachschräge mit der dahinter nachgebildeteten Maschinenraumeinrichtung. Die beiden großen, gewölbten Frontfenster sind fixer Bestandteil der markanten Fahrzeugsilhouette, welche ebenfalls durch die Darstellung von Stilelementen punktet. Gut erkennbar sind die eingesetzten Scheibenwischer oberhalb der Stirnfenster sowie auch die Windabweise bei der Führerstandstüre oder die eingesetzten Griffstangen. Allerdings hat Piko oberhalb der Stirnfenster ein markantes Detail nicht nachgebildet, indem die dortigen Lüfterschlitze in die Neukonstruktion des Modells keinen Eingang gefunden haben. Diese Stellen sind am Modell gänzlich glatt ausgeführt.

Die Nachbildung des Daches stellt ein weiteres Highlight dar. Alle Isolatoren und Dachleistungen sind korrekt nachgebildet. Besonders zierlich sind sogar die Stromabnehmer mit den schmal gehaltenen Scheren und den – absolut korrekt ausgeführten – verbogenen Querbindungen ausgeführt. Die Wippe des Stromabnehmers ist an Filigranität nicht mehr zu überbieten und dürfte im Vergleich zum Vorbild noch zierlicher ausgefallen sein. Das Dach ist ebenfalls mit feinen Gravuren versehen, wie den einzelnen Lüfterlamellen über dem Führerstand oder auch die dezente Nachbildung der Kranösen der Dachfelder. Unscheinbar wirkt das teils umlaufende Erdungskabel oberhalb der Führerkabine.

Die Drehgestelle sind dreidimensional ausgestaltet und weisen eine entsprechende Tiefenwirkung auf. Die Fahrzeugabstützung und die Federpakete sind detailgetreu nachgebildet. Die Bremsklötze befinden auf der Ebene der Radlauffläche, besonders erwähnenswert sind die aufwendig gefertigten Sandfallrohre zu erwähnen. Als einzigartig gilt die Nachbildung der Tiefzuganlenkung.

Bedruckung und Beschriftung

Schon das Vorbildfoto im Neuheitenprospekt versprach ein sehr farbenfrohes Modell, welches in den Hauptfarben rot und gelb gehalten ist und von zahlreichen chromfarbigen Zierlinien durchzogen ist. Sämtliche gewählte Farben entsprechen dem Original, zudem ist es Piko gelungen, infolge der aufwendigen Rundungen beim Lokkasten ein wirklich tadellos lackiertes Modell zu fertigen. Selbst bei den Türgriffen oder sonstigen Unebenheiten sind keinerlei Ausfransungen erkennbar. Selbiges gilt auch für die Beschriftung. Sämtliche Anschriften sind gut lesbar und voll deckend aufgetragen. Als Betriebsnummer wurde die S499.1023 aufgedruckt. Weitere Angaben zu einer Heimatdienststelle oder zu Revisionsanschriften sind am Modell nicht auszumachen.

Beleuchtung

So toll die vorliegende Neukonstruktion ist, erweist sich das Beleuchtungskonzept als Manko. Alle Ausführungen sind zwar mit LED bestückt, doch die Ansteuerung dieser warmweißen Lichtpunkt folgt zwischen Analogmodellen und Digitalmodellen unterschiedlich. Beim vorliegenden Analogmodell werden nur die beiden unteren Spitzenlichter angesteuert, das obere Spitzenlicht bleibt finster. Dies mag nach den hiesigen Bestimmungen auch gelten, zumal das obere Spitzenlicht nach Auskunft hiesiger Personal als reiner Scheinschwerfer während der Nachstunden zum Ausleuchten der Strecke dient, welcher bei Begegnungsfahrten abgeschaltet wird. Dieser Lichtpunkt und weitere Spielereien wie die als Highlight implementierte Maschinenraumbeleuchtung sind nur unter digitalen Bedingungen anwendbar. Das Schlußlicht besteht aus zwei roten LED.


Bilder


Modellvorstellung 51384 – CD 240

Der große Erfolg dieser Neukonstruktion aus dem Vorjahr findet seine Fortsetzung in einer weitere Modellvarianten nach dem aktuellen Vorbild mit TSI-Nummer. Piko fertigt die CD-Cargo-Lok als Gleichstrom-Modell unter der genannten Artikelnummer zum UVP von € 214,99 sowie als Soundllok für das Zweileiter-System unter der Artikelnummer 51385 (UVP € 304,99) und für das Dreileiter-Wechselstrom-System (Artikelnummer 51386) zum UVP von € 314,99.

Das Modell gehört in diesem Erscheinungsbild der Epoche VI an und trägt die NVR-Nummer CZ-CDC 91 54 7 240 106-5. Im Revisionsraster steht als letztes Untersuchungsereignis die Angabe REV SP 24.05.19. Als Heimatdienststelle ist Ostrava angeschrieben. Das Modell ist wie von Piko gewohnt nicht nur sauber lackiert, sondern auch bedruckt.